Spielen und trainieren bis 22 Uhr

Münchner Sportanlagen sind bald länger offen

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Bald fliegt der Ball länger: Sportreferentin Beatrix Zurek mit Bernhard Slawinski (li.) und Reinhard Koch vom Bayerischen Fußball-Verband auf einem der neuen Kunstrasenplätze der Bezirkssportanlage Görzer Straße.

Münchens Bezirkssportanlagen sind an Werktagen bald bis 22 Uhr geöffnet. Das entzerrt den Trainings- und Spielbetrieb enorm – vor allem im deutschen Breitensport Nummer 1: Fußball.

München - Bis zum 1. Januar 2018 soll die letzte der 23 städtischen Bezirkssportanlagen ihre Betriebszeiten umgestellt haben. Dann dürfen Sportler überall an Werktagen bis 22 Uhr spielen und trainieren – auch am Montag, an dem die Sportanlagen bisher geschlossen waren. Am Sonntag wird von 17 auf 18 Uhr verlängert. Damit wird ein Stadtratsbeschluss vom Oktober 2016 umgesetzt, den das Referat für Bildung angeregt hatte. „Die meisten Kollegen im Stadtrat fanden die Vorlage sinnvoll“, sagte Referentin Beatrix Zurek gestern auf der Ramersdorfer Bezirkssportanlage Görzer Straße. Hier treten die erweiterten Betriebszeiten zuallererst in Kraft, ab dem 1. August.

„Eigentlich war es schwieriger, um die 800 000 Euro Mehrkosten für das Personal zu werben, als für die Erweiterung der Betriebszeiten“, ergänzt Zurek. Im Zuge der neuen Regelung stellt die Stadt 16 neue Platzwarte ein. Je zwei sollen sich künftig um eine Anlage kümmern. Mit Blick auf die Anwohner versichert Zurek, die Lärmschutz-Bestimmungen würden eingehalten.

Nutznießer der neuen Betriebszeiten sind die Vereine, insbesondere die Fußballspieler. Denn bislang war unter der Woche stets um 20.30 Uhr Schluss. Anfahren, umziehen, spielen, duschen, anziehen, nach Hause fahren: Wollte ein Berufstätiger nach Dienstschluss auf einer der Bezirksanlagen kicken, wurde das bisher ziemlich knapp. Nun bleibt sogar Zeit für die Verlängerung.

Mehr Spielraum für Mädchen und Frauen

Damit reagiert die Stadt aber auch auf ein weiteres Problem: Die Sportanlagen waren seit Jahren restlos ausgebucht. Wer ein Nachholspiel ansetzte, tat das oft auf Kosten der Trainingszeiten eines anderen Vereins. Und: Neue Münchner Vereine hatten kaum eine Chance, zusätzliche Zeiten zu buchen. „Das wird sich nun ändern“, sagt Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV). Ihm liegt eines besonders am Herzen: „Ich werde nicht ruhen, bis es ähnlich vielen Mädchen und Frauen möglich ist, Fußball zu spielen, wie das bei Jungen und Männern der Fall ist.“ Hier herrsche immer noch ein großes Ungleichgewicht, auch in München. Koch hofft, dass bald deutlich mehr Spielerinnen auf den Plätzen der Landeshauptstadt an einem geregelten Trainings- und Spielbetrieb mitwirken.

Eine weitere Neuerung: Die Bezirksanlagen dürfen nun auch an Feiertagen öffnen. Dann darf der Betrieb wie an Werktagen um acht Uhr beginnen. Um 18 Uhr ist Schluss. Lediglich an größeren Feiertagen wie Neujahr oder Weihnachten bleiben die städtischen Anlagen weiterhin gesperrt. „Durch die Umstellung haben wir ein Plus von knapp 1000 Stunden pro Woche errechnet“, sagt Koch.

Kunstrasen schafft zusätzliche Spielzeiten

Auch die neuen Kunstrasenplätze, unter anderem an der Görzer Straße, verschaffen den Sportlern mehr Zeit. Sie stehen auch dann noch zur Verfügung, wenn der Platzwart den Naturrasenplatz längst gesperrt hat, weil er schneebedeckt oder vom Regen durchweicht ist. „Ein Kunstrasen ist nicht wetterabhängig, die Linien sind immer perfekt gezogen, und auf dem modernen Material kann man sogar eine gezielte Grätsche setzen, ohne sich aufzuschürfen“, sagt Koch. Etwa eine Million Euro kostet ein neuer Kunstrasen samt Flutlicht und eigenem Grundwasserbrunnen. Er hält bis zu zwölf Jahre. Ein neuer Rasenplatz kostet zwar nur rund 200 000 Euro, muss aber wochenlang verwachsen und hält etwa 2000 Stunden – bei Dauerlast sind das gerade einmal 84 Tage.

Von Hüseyin Ince

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