Zu Forschungszwecken

Münchner Biologen statten Bienen mit Rückennummern aus

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Bienen bekommen nun Rückennummern.

München/Stuttgart - Wie weit fliegt die Wildbiene? Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Doktorandin Michaela Hofmann von der Ludwigs-Maximilian-Universität München (LMU) möchte das herausfinden.

„In Deutschland gibt es über 570 Wildbienenarten, und viele davon sind gefährdet“, sagt Hofmann. Gemeinsam mit Studenten der LMU hat sie über 400 Wildbienen mit Rückennummern versehen. Jetzt sind die Menschen in München und dem Umland dazu aufgerufen, Hofmann mitzuteilen, wo sie die markierten Bienen entdecken.

Je nachdem, wo sich die Bienen gerne aufhalten, könnten dann Blühinseln angebaut werden. Solche Inseln seien wichtig für den Wildbienen- und Pflanzenerhalt, sagt Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München. Es gebe viele Pflanzen, die nur von Wildbienen bestäubt würden - Tomatenpflanzen etwa oder auch Glockenblumen. Von den Blühinseln würden letztlich auch die Menschen profitieren: „Ich habe Studenten, die kennen keine Glockenblume mehr“, sagt er.

Nach starken Winterverlusten: Bienen trotzen Naturfeinden

Für Imker Kurt Mailänder steht fest, wer für die starken Verluste bei seinen Bienenvölkern verantwortlich ist. Der Vorsitzende des Imkervereins Stuttgart musste im vergangenen Winter fünf seiner zwölf Bienenvölker aufgeben. In erster Linie gibt er sich selbst die Schuld für das große Sterben: „Ich war zu nachlässig und hätte die Völker nochmals auf Varroamilben überprüfen müssen.“ Dabei hatte Mailänder seine Populationen bereits zwei Mal mit 60-prozentiger Ameisensäure behandelt - einige vergeblich.

Es war das erste Mal in seiner zehnjährigen Imkerlaufbahn, dass Mailänder Völker verloren hat. In diesem Winter starben in Deutschland relativ viele Bienen. Im Bundesschnitt liegt der Ausfall vorläufigen Zahlen zufolge bei 18 bis 20 Prozent, im langfristigen Mittel bei etwa 15 bis 17 Prozent. „Die Verluste sind gemessen am langjährigen Mittel überdurchschnittlich, aber nicht im dramatischen Bereich“, sagt Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen (Rheinland-Pfalz).

In den meisten Fällen ist ein Varroamilben-Befall Ursache für das verstärkte Bienensterben. Die Parasiten übertragen Viren, die unter anderem zu Flügeldeformationen bei der Biene führen. Längst sind aber auch neue Bienenschädlinge in Europa unterwegs. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) verbreitet sich seit einigen Jahren stark in wärmeren Regionen Westeuropas. Sie ist darauf spezialisiert, Honigbienen zu jagen, wie Doris de Craigher von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim erklärt.

In Kalabrien und Sizilien wurde der Kleine Beutenkäfer gefunden, der seine Eier bevorzugt in die Spalten der Bienenstöcke legt. Ein Befall durch den Beutenkäfer kann auch zu Folgeschäden am Honig führen: Seine Larven fressen sich durch Waben und verschmutzen den Honig, der zu gären beginnt. Er ist dann unbrauchbar für Mensch und Biene.

Trotz aller Gefahren betont de Craigher, dass sich die Bienen derzeit gut entwickeln: „Auch kleine Völker haben gute Chancen durchzukommen.“ Vor allem die warme Witterung und das reichhaltige Pollenangebot böten ideale Bedingungen. Sollte es in den nächsten Wochen weiterhin trocken und warm bleiben, stehe einer guten Frühhonigernte nichts im Weg, sagt die Diplom-Biologin.

Für genaue Prognosen ist es allerdings noch zu früh. Eine schwache Honigernte könnte wieder Auswirkungen auf den Preis haben - allerdings nur für „echten deutschen Honig“. Laut Schmieder entscheiden sich immer mehr Deutsche für qualitativ hochwertigen Honig aus dem eigenen Lande: „Guter deutscher Honig hat kein Vermarktungsproblem.“

Wie viel Honig Mailänder in diesem Jahr ernten wird, bleibt für den Hobbyimker nebensächlich. 2016 konnte er pro Volk rund 15,5 Kilogramm Blütenhonig gewinnen. „Solange ich uneingeschränkt Freude an den Bienen haben kann, ist alles gut“, sagt er. Mit dieser Meinung scheint er nicht allein zu sein: In den vergangenen zehn Jahren nahm die Zahl der Neuimker stetig zu. Das Interesse wächst vor allem bei jungen Erwachsenen, wobei immer mehr Frauen die Bienenzucht für sich entdecken.

dpa

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