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„Candid-Tor“: Geplanter Hochhaus-Komplex sorgt für Unmut - Anwohner präsentieren Vorwürfe

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Von: Yasina Hipp

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Bprger-Workshop zum neuen Projekt „Candid-Tor“
Bürger diskutieren beim Workshop zum neuen Projekt „Candid-Tor“. © Oliver Bodmer

Der Hochhaus-Komplex „Candid-Tor“ hat keinen leichten Stand. Bürger wittern Profitgier und werfen den Planern vor, eine echte Diskussion verhindern zu wollen.

München - Der langersehnte Bürgerworkshop zum Projekt „Candid-Tor“ stand schon zuvor unter keinem guten Stern. Viele der Anwohner hatten auch am Tag der Veranstaltung noch keine Einladung vom Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching erhalten. BA-Chef Sebastian Weisenburger (Grüne) sagte in der Turnhalle an der Säbener Straße, er bedauerte die Situation sehr. „Das darf natürlich nicht passieren. Es gab Probleme mit dem Dienstleister.“

Für die Bürgerinitiative „Candidplatz für alle statt ,Candid-Tor‘ für Investoren“ passt die Panne allerdings ins Bild. Sie hatte dem BA in der Sitzung vergangene Woche bereits vorgeworfen, die Bürger zu übergehen und damit den Investor zu unterstützen. Weisenburger wies diesen Vorwurf zurück. Die Meinung der Anwohner sei dem BA sehr wichtig. „Aktuell handelt es sich bei dem ,Candid-Tor‘ nur um eine Idee. Nach aktuellem Baurecht könnte das Gebäude so gar nicht gebaut werden. Die Entscheidung liegt aber auch nicht beim BA, sondern beim Stadtrat.“

Münchner Bürger unzufrieden über Workshop: „Zutiefst undemokratisch“

Investor Michael Ehret versuchte den Anwesenden das „Candid-Tor“ schmackhaft zu machen. „Wir wollen einen Ort für die Untergiesinger schaffen.“ Die Agenda des Abends mit Vortrag und anschließendem Workshop in kleinen Gruppen konnte die Anwesenden freilich nicht begeistern. „Das ist zutiefst undemokratisch“, fand Benjamin Rus von der Bürgerinitiative. „Eine Person steht da vorne und redet 20 Minuten. Wir sollen zuhören, unsere Fragen auf Zettel schreiben, und später werden wir in kleine Gruppen eingeteilt. Wir wollen vor allen diskutieren.“

Pläne zum Hochhaus-Komplex „Candid-Tor“
So soll der neue Hochhaus-Komplex „Candid-Tor“ in Untergiesing aussehen. © tz

Ehret begründete sein Vorgehen: „Bevor wir miteinander sprechen muss das Projekt ja erst einmal vorgestellt werden. Nicht jeder ist auf demselben Wissensstand.“ Weisenburger hingegen befürwortete die Lösung mit den Feedbackzetteln und den kleineren Gesprächsgruppen. „Es ist eine Herausforderung, offen vor so vielen Menschen zu sprechen. Das traut sich nicht jeder. So haben auch eher stille Menschen die Möglichkeit, ihre Meinung zu teilen.“

„Candid-Tor“: Viele Zwischenrufe während Präsentation

Und während Ehret versuchte, das Bild des neuen Candidplatzes mit viel Grün und moderner Atmosphäre zu zeichnen, herrschte Unmut bei einigen Teilnehmenden. So stießen etwa die Vorschläge, auch den Bereich unter der Brücke – derzeit ein Parkplatz – zu verschönern, auf Gegenwehr. „Das Grundstück gehört Ihnen doch gar nicht“, riefen einige Bürger dazwischen. „Vielleicht sind die Leute auf diese Parkplätze angewiesen? Wer sind Sie denn, dass Sie denken, Sie können uns so bevormunden?“

Während des anschließenden Workshops durften die Anwesenden noch einmal Fragen stellen und Anregungen schriftlich festhalten. Während einige das Angebot nutzten, gesellten sich andere lieber nach draußen zu der Bürgerinitiative, die ihre Sicht auf das Projekt schilderte und deutlich mehr Zuspruch bekam als der Investor. „Das war einfach eine Werbeveranstaltung. Die wollen nur ihr Projekt verkaufen, und kritische Stimmen werden gar nicht erst gehört“, fand Anwohnerin Verena Mildner. Gegen eine Neugestaltung des Platzes habe sie nichts, betonte sie. „Aber es sollte der Gemeinschaft dienen.“

Bürger haben andere Wünsche

Das war auch das eindeutige Ergebnis des Workshops. Die Untergiesinger wünschen sich Sport- und Kulturorte, Kitas und Seniorentreffs, Erholungsmöglichkeiten und öffentliche Dachterrassen. Ohne Monsterpreise und ohne Konsumzwang. Auch dem Wunsch nach einer Einwohnerversammlung stimmte Weisenburger zu – er gehe davon aus, dass der BA dem zustimmen werde. - Ann-Kathrin Kapteinat

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