Münchner Ex-Student (36)

Todesurteil in China: Das erwartet Philipp B.

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Dieses Foto entstand am Tatort in Xiamen 2010 kurz nach dem Doppelmord. Der Münchner Ex-Student Philipp B. (Archiv-Foto) wurde jetzt zum Tode verurteilt.

Peking/ München - Ein ehemaliger Münchner Student ist in China zum Tode verurteilt worden. Der 36-jährige Philipp B. war angeklagt, im Juni 2010 seine Ex-Freundin und deren Lebensgefährten brutal ermordet zu haben.

Zum ersten Mal ist ein Deutscher in China zum Tode verurteilt worden. Der 36-jährige Philipp B. war wegen Doppelmordes an seiner ehemaligen Freundin und deren Lebensgefährten angeklagt. Sein Anwalt sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa, das Mittlere Volksgericht der südostchinesischen Stadt Xiamen habe am Vortag das Urteil in erster Instanz gefällt. Es muss wie jedes Todesurteil vom Obersten Gericht in Peking bestätigt werden.

So reagierte Philipp B.

Der Anwalt des Deutschen teilte zudem mit, dass sein Mandant nicht überrascht über das Urteil war. Er habe damit sogar gerechnet und reagierte somit relativ recht gelassen. Das meldet Tagesschau.de

Das erwartet den Deutschen

Wie unser Partnerportal rosenheim24.de berichtet, sei der weitere Verlauf des Verfahrens "extrem schwer einzuschätzen". Das sagte Verena Harte, Asienexpertin von amnesty international Deutschland, der Redaktion. Allerdings ließe sich wohl schon sagen, dass Philipp B. nicht mehrere Jahre auf die Vollstreckung warten müsse, wie etwa in amerikanischen Todestrakten. Sobald der Rechtsweg ausgeschöpft sei, erfolge die Todesstrafe in der Regel sehr schnell. Laut Angaben von gut informierten Quellen vor Ort, sei allerdings nicht damit zu rechnen, dass das Urteil innerhalb des nächsten halben Jahres vollstreckt wird, so Harte.

Bundesregierung will Hinrichtung verhindern

Nicht ausgeschlossen sind diplomatische Verwicklungen: Die Bundesregierung will sich bemühen, den Tod des früheren Sinologiestudenten zu verhindern. Sie bekräftigte am Mittwoch „in kategorischer Form“ die Ablehnung jeder Form der Todesstrafe. Sie werde deshalb „alles in ihrer Macht stehende“ tun, damit das Urteil nicht vollstreckt werde, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Die Pekinger Regierung jedoch pflegt sich jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas zu verbitten.

Der Mann hatte laut Anklage im Juni 2010 seine frühere Freundin Jennifer aus Münchner Studententagen und deren neuen Freund auf offener Straße in Xiamen mit einem Hammer und einem Messer umgebracht. Der getötete Mann war ebenfalls Deutscher. Die Freundin hatte in München studiert, war aber Bürgerin Venezuelas.

Das Gerichtsverfahren war schon vor drei Jahren abgeschlossenworden. Die Medien in Xiamen hatten den Doppelmord gemeldet, auch auf örtlichen Internetforen gab es anfangs dazu lebhafte Diskussionen. Doch anschließend erging offenbar Order der Behörden, nicht weiter über den aufsehenerregenden Fall zu berichten, denn seitdem herrschte Stillschweigen.

Seit Sommer 2011 wartete der 36-Jährige auf das Urteil. Ob er in Berufung gehen wird, war unklar. „Wir wissen es noch nicht“, sagte sein chinesischer Anwalt Chen Liqun der dpa. „Er hat selbst noch keine Entscheidung getroffen.“

Die Berufung müsste innerhalb von zehn Tagen eingereicht und vom obersten Gericht der Provinz Fujian verhandelt werden. Auf jeden Fall muss das Urteil vom höchsten Gericht in Peking bestätigt werden. „Ich kann nicht sagen, wie lange es dauern wird.“

Auf die Frage, ob der 36-Jährige hingerichtet wird, sagte der Anwalt: „Es ist zunächst ein Urteil in erster Instanz.“ Er versicherte, der Angeklagte sei keinen besonderen Handel mit dem Gericht eingegangen sei. „Das gibt es nicht.“

Seehofer will nach China reisen

In München ist die Staatsregierung eingeschaltet: „Das Bayerische Staatsministerium der Justiz teilt die ablehnende Haltung der Bundesregierung in Bezug auf die Todesstrafe uneingeschränkt und begrüßt die intensiven Bemühungen des Bundes, die Todesstrafe in diesem Fall abzuwenden“, hieß es in der kurzen Stellungnahme des Ministeriums.

„Wenn es Möglichkeiten gibt, das zu erreichen, wird Bayern selbstverständlich jeden möglichen Beitrag dazu leisten.“ Seit längerem ist für Oktober ein Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofers (CSU) in China geplant.

Motiv des Doppelmordes war Eifersucht. Der Mann soll seine ehemalige Freundin und ihren Lebensgefährten vor den Haupteingang des in Xiamen jedermann bekannten „Marco Polo“-Luxushotels gelockt haben.

Philipp B. hat zwei Menschen regelrecht niedergemetzelt

Augenzeugen berichteten, er habe maskiert in schwarzer Montur den beiden auf offener Straße aufgelauert und sie regelrecht niedergemetzelt. Mehrere Menschen befanden sich in unmittelbarer Nähe. Die junge Frau soll noch auf den Knien um Gnade gefleht haben, bevor er sie umbrachte. Als Waise blieb ein inzwischen sechs Jahre altes Kind zurück, dass heute bei Verwandten in Deutschland aufwächst. Der Mann versuchte direkt nach der Bluttat, sich selbst zu töten, und verletzte sich dabei schwer.

Die Vorgeschichte reichte Jahre zurück: Der Täter und seine Ex-Freundin hatten an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gemeinsam Sinologie studiert. Sie trennte sich im Sommer 2005 von ihm. Anschließend begann der Ex-Freund, sie als Stalker zu verfolgen, wie Freunde berichteten. Nach unbestätigten Angaben aus dem Bekanntenkreis bedrohte er sie damals mehrfach, sie soll sich deswegen sogar hilfesuchend an die Münchner Polizei gewandt haben. 2006 zog sie nach Xiamen, eine lebendige Hafenstadt im Südosten Chinas. Mit ihrem neuen deutschen Lebensgefährten bekam sie das Kind.

So reagiert man in der Heimatgemeinde

Im Teisendorfer Rathaus ist der Fall bekannt, die Gemeinde hat sich jedoch nicht in den Mordprozess eingemischt. „Er ist bei uns zur Schule gegangen. Im öffentlichen Leben ist er eigentlich nicht aufgetreten“, sagte der zweite Bürgermeister Norbert Schader.

Sollte das Todesurteil vollstreckt werden, wäre der 36-Jährige der erste Deutsche, der in China hingerichtet würde. Der einzige Europäer, der in China jemals exekutiert worden ist, war 2009 ein gebürtiger Pakistani mit britischem Pass, der Rauschgift geschmuggelt hatte. In China kann eine Todesstrafe auch auf Bewährung verhängt werden, was in eindeutigen Mordfällen aber ungewöhnlich wäre.

dpa/kg

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