Münchner Comicfestival beginnt

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Der amerikanische Comiczeichner Robert Crumb.

München - Das Münchner Comicfestival beginnt am Mittwoch. Neben Ausstellungen zur bunten Disney-Welt soll auch die düstere Seite des Comics enthüllt werden. Zwei Altmeister erzählen.

Comics erzählen die Geschichten bunter Helden. Superman, Donald Duck, Micky Maus. Comics sind aber auch düstere, subversive Bildergeschichten über Sex, Gewalt und Verbrechen. So abgründig, dass sie in den 1950er Jahren von Lehrern, Ärzten und Politikern in den USA als Ursache für die Sittenlosigkeit der Jugend verteufelt wurden. All diese Facetten wollen die Veranstalter des Münchner Comicfestivals zeigen.

Von diesem Mittwoch an stehen bis zum 2. Juni Ausstellungen, Diskussionen, Signierstunden und Zeichenkurse an mehr als 20 Orten auf dem Programm. Superman-Zeichner Rags Morales wird von seiner Arbeit am Held im blauen Strampler erzählen, der in diesem Jahr 75 wird. Verschiedene Museen zeigen die Geschichte der Wickie- und Hägar-Comics oder der Entenhausener Ducks in Deutschland.

Zugleich haben die Veranstalter mit Robert Crumb (69) und Gilbert Shelton (72) zwei amerikanische Zeichner eingeladen, die in den sechziger Jahren mit anarchischen Underground Comics die heile Disney-Welt an der Schnittstelle zwischen Literatur und Kunst aufgemischt haben.Bei einer Konferenz zum Comicfestival am Montag sprechen beide in München über ihre Arbeit.

Shelton, nach eigenen Angaben in seiner Jugend als militäruntauglich eingestuft, weil er zugab, psychedelische Drogen zu konsumieren,ist bekannt für seine Serie über die Drogenbande „Fabulous Furry Freak Brothers“. Medien feiern ihn als „Papst des amerikanischen Underground Comics“. Er zeichne gerade eine neue Episode, sagt der 72-Jährige, aber das brauche Zeit. Seine Hand zittert.

Crumb - grauer Bart, Samtsakko, gelbe Fliege - gilt als menschenscheu, fotografiert werden will er nicht. Zuletzt hat er mit einer sexuell anzüglichen Bibel-Adaption für Aufsehen gesorgt. Fünf Jahre lang habe er daran gearbeitet, zum Teil in einer einsamen Waldhütte. Mit den Fingerspitzen rückt er seine rotgerahmte Brille zurecht. „Einmal pro Woche hat mir meine Frau Essen vorbeigebracht.“

In seinen Comics wimmelt es von Perversen, Sexsüchtigen, Frauenhassern. Crumb selbst nennt sie „sehr explizit und fleischig“. Pornografisch und frauenverachtend sagen Kritiker. Natürlich werde er deshalb von Feministinnen harsch angegangen. Verstanden habe er das nie. „Schon in den Sechzigern habe ich mich gewundert, dass selbst Hippie-Mädchen meinen Humor nicht verstehen.“ Er hebt die Schultern. „Vielleicht würde ich es als Frau auch nicht verstehen.“

dpa

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