Am Karlsplatz

600 Münchner auf Demo gegen Mietpreise

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Hunderte Demonstranten haben sich am Samstagmittag auf dem Karlsplatz versammelt

München - Rund 300 Menschen haben am Samstag in München gegen steigende Mieten demonstriert. Sie verlangen den Bau günstigerer Mietwohnungen.

„Mieten runter, Löhne und Renten rauf“, so lautete der Schlachtruf von rund 600 Münchnern, die am Samstag von 13 bis 18 Uhr am Stachus gegen die immer weiter steigenden Mieten auf die Straße gingen.

Bei der Großdemo „Stoppt die Mietpreisspirale“, organisiert von sechs parteiunabhängigen Münchner Organisationen wie dem Bündnis bezahlbares Wohnen, dem Mieterverein München oder dem Sozialverband VdK Bayern, demonstrierten Jung und Alt zusammen, alle mit denselben Anliegen: Mietpreisdeckelung, Schutz vor Eigentumsumwandlung, mehr sozialer Wohnungsbau.

Die Redner, unter anderem Beatrix Zurek vom Mieterverein, Christian Stupka von der Genossenschaftlichen Immobilienagentur oder Andrea von Grolman vom Bündnis bezahlbares Wohnen, stellten die prekäre Mietsituation für Normalverdiener in München dar und forderten soziale Gesetze statt Marktradikalismus zur Regelung des Mietpreises. „Münchner müssen Münchner bleiben können“, das war nicht nur Andrea von Grolmans Forderung, sondern das allgemeine Credo, das auch von Vertretern der SPD, ÖDP, den Grünen und der Piratenpartei unterstützt wurde. Der Versuch einiger Vertreter der rechtsextremen Bürgerinitiative Ausländerstopp, die Mietpreisthematik für rechte Propaganda zu instrumentalisieren, wurde von der Allgemeinheit der Demonstranten sofort verbal entkräftet.

Das Problem der konstant steigenden Mieten zog sowohl Studenten als auch Rentner, Alleinstehende und Familien an den Stachus. Allerdings: Mit rund 600 Teilnehmern wurde die erwartete Anzahl von 1000 Teilnehmern doch unterschritten.

Die tz hat mit einigen Demonstranten über ihre Beweggründe und ihr Schicksal als Mieter gesprochen.

Milena Heißerer

 

Miete 19 Prozent erhöht

Ich wohne in der Borstei und bin mit Nachbarn hier. Unsere Hausverwaltung hat die Mieten um den höchstmöglichen Prozentsatz von 19 Prozent erhöht, obwohl in der Borstei viele alte Leute wohnen und die Mieterhöhung laut Mietspiegel nicht rechtens ist. Jetzt läuft eine Klage der Hausverwaltung. Ich wohne mit Frau und Kind in einem 75-Quadratmeter-Altbau und zahle 900 Euro warm. Gerade ist es noch in Ordnung, aber nicht mit einer Erhöhung um 19 Prozent alle paar Jahre.

Martin Anz (34), Hubschrauberpilot aus Moosach

 

Musste schon umziehen

Wegen einer chronischen Erkrankung bekomme ich seit zwei Jahren Erwerbsminderungsrente. Ich wohne seit 30 Jahren in Schwabing, die Mieterhöhungen machen mir schwer zu schaffen. Erst musste ich im Haus in eine kleinere Wohnung ziehen, weil das Dachgeschoss luxussaniert wurde, jetzt kann ich mir meine 100-Quadratmeter-Wohnung nur noch mit Untermieter leisten. Wenigstens kann ich einen Studenten unterstützen – er zahlt mir nur die vom Studentenwerk vorgeschlagene Miete. Wir haben eine Initiative gegen Mieterhöhungen gegründet.

Birgit Dollase, Frührentnerin aus Schwabing

Wohnraum ist zum Leben da

Mit Miete darf kein Profit gemacht werden. Wohnraum ist dazu da, dass Menschen darin leben können. Ich wurde selbst aus Giesing „herausgentrifiziert“, konnte mir die Miete dort nicht mehr leisten. Jetzt vermietet eine Bekannte ihre Wohnung günstig an mich, da hatte ich Glück wie bei einem Sechser im Lotto. Wir zahlen zu zweit 520 Euro warm für 65 Quadratmeter.

Kerem Schamberger (27), Kommunikationswissenschafts-Student aus Giesing

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