Zahl rückläufig, aber Schadenssummen steigen

Einbruchsatlas: In diesen Vierteln sind die Gauner besonders aktiv

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Wohnungseinbruch

Sie kommen in der Dunkelheit, wenn sie sich unbeobachtet fühlen und die Bewohner nicht im Haus sind: Einbrecher. In München sind die Ganoven in einigen Vierteln besonders aktiv, wie ein aktueller Report zeigt.  

München - Gerade in den Wintermonaten sind Einbrecher in deutschen Großstädten und damit auch in München besonders aktiv sind. Zwar sinken die Fallzahlen für 2017 laut einer Schätzung der Polizei aus dem vergangenen Oktober, aber der finanzi­elle und materielle Schaden hat sich in den ­vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt. Wo und wann Einbrecher in München zuschlagen, wie Opfer mit den Taten umgehen und mit welchen Mitteln die Polizei das Verbrechen bekämpft lesen Sie hier:

In den Wintermonaten sind die Einbrecher unterwegs

In München wird immer seltener eingebrochen – das zeigt auch die ­sinkende Anzahl der Einbrüche, welche die Polizei in ihren Presseberichten meldet. Machte das Präsidium vor zwei Jahren noch insgesamt 180 Delikte publik, waren es im Jahr 2017 nur noch knapp 140 Taten. Besonders gefährlich sind demnach die Wintermonate. So meldete die Polizei allein im Dezember 20 Einbrüche mit jeweils hohem Schaden – so viele wie in ­keinem anderen Monat des Vorjahres.

Auffällig: Der Wert der Beute und der bei den oftgewaltsamen Einbrüchen entstandene Schaden werden trotz der sinkenden Fallzahlen immer ­höher. Seit 2015 – damals waren es knapp fünf Millionen Euro – hat sich diese Summe fast verdoppelt!

Darum ist München für Einbrecher so verlockend

  • Viele Münchnerinnen und Münchner horten ­große Mengen Bargeld und wertvollen Schmuck in ­ihren Privatwohnungen. Dabei wäre ein Konto oder ein Schließfach bei einer Bank die sicherere und im Schadensfall auch weitaus günstigere Variante zu den eigenen vier Wänden. Aber auch Geschäfte sind weiter ein Ziel der Kriminellen.
  • Ein weiterer Grund für die immer größeren Verluste: Die Täter kommen im ­Rudel! Dieser Trend lässt sich bereits seit zwei Jahren beobachten. Meist sind es Einbrecherbanden, die oft aus Südosteuropa anreisen, ihre Taten begehen und danach entweder weiterreisen oder in ihre Heimat zurückkehren.

Mehrere Täter können in kurzer Zeit größere Schäden anrichten als ein einzelner Einbrecher – wie ein Beispiel aus Schwabing zeigt: Im Oktober drangen mehrere Ganoven in die Wohnung eines Juristenpaares an der Habsburger Straße ein und machten sich mit einem 100 Kilo schweren Tresor in einem Fluchtfahrzeug davon. Der Stahlwürfel beinhaltete über 100.000 Euro Bargeld! Schwabing ist übrigens der Stadtteil, in dem Einbrecher den größten Schaden anrichten, wie auch schon im Jahr 2015.

Die sinkenden Fallzahlen sind keineswegs ein Grund zur Entwarnung. Zwar registrierte die Polizei bis zum 20. Oktober 2017 im Stadtgebiet 868 Einbrüche, ein Minus von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch da stand die dunkle Jahreszeit noch bevor…

Die heftigsten Fälle: Die Zahlen stehen für die Anzahl der Einbrüche mit einer besonders hohen (in der Regel mindestens fünfstelligen) Schadensumme in den Vierteln. Insgesamt meldete die Münchner Polizei im vergangenen Jahr 129 Fälle gemeldet.

Einbruch in Kiosk und Wohnung - Die Opfer erzählen

Von Sommer 2016 bis ins Frühjahr 2017 beschäftigte ein Kioskeinbrecher die Polizei. Der 45 Jahre alte Ungar hatte in acht Monaten ganze 39 Mal zugeschlagen und dabei Zigaretten im Wert von 40.000 Euro gestohlen. Sein Markenzeichen: Bei allen Taten warf er die Schaufenster mit einem massiven Pflasterstein ein. Doch Ende März war in Peer Siepes Kiosk an der Waldfriedhofstraße in Mittersendling Schluss. Der „Steinbrecher“, wie ihn die tz nannte, war gefasst.

Peer Siepe zeigt den Stein, mit dem der Serientäter im März 2017 auch in seinen Kiosk eingedrungen war.

Peer Siepe, 56 Jahre alt, wusste, dass ein Serieneinbrecher unterwegs ist. „Die Polizei hatte mich vorgewarnt, wir standen eng in Kontakt“, erzählte er, kurz nachdem bei ihm eingebrochen wurde. Zwei Minuten, nachdem der Ungar einen Stein durch sein Schaufenster schmetterte, war die Polizei da und nahm ihn fest. Siepe: „Mich wundert nur, dass die Nachbarn nichts mitbekommen haben.“ Der Kioskbesitzer hat bereits Erfahrung mit Einbrüchen. Zwei Jahre zuvor gelangte eine Bande in seinen Laden, klaute Zigaretten im Wert von 10.000 Euro.

Gertraud S. wenige Minuten, nachdem sie den Einbruch bemerkt hatte. Eine Kriminalpolizistin befragte die deprimierte und verängstigte Seniorin.

Doch so locker wie Peer Siepe gehen nicht alle mit den ­Folgen eines Einbruchs um. Gertraud S. aus Oberschleißheim beschäftigte die Tat im vergangenen Winter noch ­lange. Die heute 81-Jährige war an jenem Tag mit Freunden beim Wandern. Als die Dämmerung einsetzte, kletterten die Täter über Dach­rinnen an der Hausfassade entlang und gelangten schließlich auf den Balkon der Rentnerin im ersten Stock.

Die eigentlich gut gesicherte Tür hebelten die Ganoven mit einem Brecheisen auf. Die Einbrecher nahmen sich Zeit, durchwühlten alle Räume und nahmen Schmuck im Wert von rund 200 Euro mit.

Verstärkte Präsenz - Polizei setzt auf Abschreckung

Im bundesweiten Vergleich der Einbruchszahlen aller Großstädte steht München blendend da. Berlin meldete im Jahr 2016 ganze 11.500 Einbrüche, Hamburg folgt mit 7500, in Köln sind es immerhin noch knapp 4000. Obwohl München mit etwa 1500 Delikten als vergleichsweise sicher bezeichnet werden kann, wollen die zuständigen Ermittler und Fahnder die Einbruchskriminalität noch mehr eindämmen. Dies geschieht neben mehr Polizeipräsenz in Form von zusätzlichen Streifen in der heutigen Zeit vor allem mit einem ausgefeilten Früherkennungsprogramm.

Was nach einem Blick in die Glaskugel klingt, ist in Wirklichkeit eine komplizierte Software, die anhand von eingespeisten Daten und zahlreichen Algorithmen Wahrscheinlichkeiten und Verhaltensmuster berechnet. PRECOPS heißt das Programm, mit dem die Beamten zwar nicht vor dem Einbrecher am nächsten Tatort sind, aber immerhin gezielter Streifenbesatzungen in besonders gefährdete Gebiete schicken können. „Es ist keine Wunderwaffe“, sagt Bernhard Egger, Leitender Kriminaldirektor beim LKA. Aber: PRECOPS schreckt ab, wie die Zahlen der Kriminalstatistik seit der Einführung des Programms Jahr für Jahr belegen.

Bernhard Egger ist Leitender Kriminaldirektor beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA). An einer Grafik erklärt er, wie die Behörde mithilfe eines Computerprogramms besonders gefährdete Einbruchsgebiete erkennt.

Das LKA überwacht mit der Software 47 Zuständigkeitsbereiche in der Stadt sowie im Landkreis. Auf welche Stadtgebiete PRECOPS derzeit gerade ein Auge wirft, bleibt das große Geheimnis der Kriminaler. Egger: „Das wäre unserer Arbeit nicht dienlich. Auch wenn wir unsere Kontrollgebiete ändern könnten.“

Dass das System funktioniert, hat PRECOPS bereits mehrmals unter Beweis gestellt. Seit Einführung gingen dank Kommissar Computer zahlreiche Einbrecher ins Netz.

Ein Ganove packt aus: Das sind die Tricks der Täter

Als Kind aus ärmlichen Familienverhältnissen war es ein kurzer Weg in die Kriminalität – und ein lukrativer, wie ein ehemaliger Profi-Einbrecher erzählt. Der Mann Ende 30 will nicht erkannt werden, spricht aber in der tz über die Tricks der Täter und warum sie es manchmal so leicht haben.

Er selbst wurde in seiner aktiven Zeit nie bei seinen Taten erwischt. Denn: „Man überlässt nichts dem Zufall. Deshalb werden Profis nie geschnappt.“ Heute sagt er: „Ich habe schlimme Sachen gemacht, möchte deshalb der Gesellschaft ein Stück zurückgeben. „Heute berät er die Polizei beim Thema Einbruchsschutz. Was Einbrecher anlockt? „Alarmanlagen!“, sagt der Aussteiger. Denn diese würden signalisieren, dass sich in einem Gebäude wertvolle Dinge befänden, die besonders gut geschützt werden müssten. Ein einfacher Tipp, damit der Ganove fernbleibt: „Mit Schuhen vor der Haustür Besuch vortäuschen.“ Oder: „Einen wachsamen Hund anschaffen“.

Alle sieben Stunden wird in München eine Wohnung eingebrochen. Was die Täter magisch anzieht, zeigt eine Studie, in der erstmals die Einbrecher selbst zu Wort kommen.

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen

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Johannes Heininger

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