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Münchner erfindet Olympia-Protest

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Marc Strotmann (34) aus München zeigt, wie er sich den Protest vorstellt: Hände hoch, die vier Finger bedeuten „Free“, die fünf anderen „Tibet“.
Marc Strotmann (34) aus München zeigt, wie er sich den Protest vorstellt: Hände hoch, die vier Finger bedeuten „Free“, die fünf anderen „Tibet“. © Steffen Leiprecht

Ist es möglich, als Sportler, Zuschauer oder Journalist an den Olympischen Spielen in Peking teilzunehmen und trotzdem Solidarität mit dem geknechteten Tibet zu zeigen?

Diese Frage plagt Athleten und Sportbegeisterte derzeit in aller Welt. Die Lösung des Problems kommt jetzt aus München, sie ist wortlos und doch aussagekräftig:

Der 34-jährige Werbefachmann Marc Strotmann hat sich ein simples Symbol ausgedacht, mit dem China die internationale Meinung gesagt werden kann. „Alles, was man dazu braucht, sind zwei Hände.“ Vier Finger der einen Hand bedeuten „Free“ und fünf der anderen „Tibet“. Das muss sich jetzt nur noch rund um den Globus rumsprechen.

Ein Handzeichen – vielleicht eine Möglichkeit für die Mainzer Stabhochspringerin Anna Battke, die sich bei der Hallen-WM in Valencia mit Filzstift „Stop doping“ auf den Bauch geschrieben hatte und sich auch für Peking „etwas einfallen lassen will.“

Die Olympische Charta verbietet jede Art von politischer Propaganda bei den Spielen. Marc Strotmann sieht die „Kraft der Idee“ mit dem Zeichen vor allem darin, „dass es völlig unaggressiv ist, ein ganz unschuldiges Zeichen“ – im Gegensatz zur Faust oder auch dem Victory-Zeichen. Er selbst war nicht davon getrieben, „missionarisch ein politisches Statement zum machen“. Er will nur ein Sinnbild zur Verfügung stellen. Mit dessen Hilfe könnten im Sommer alle in Peking ein bisschen „zivilen Ungehorsam demonstrieren“.

Petra Schindel, die mit Strotmann in der Agentur xynias wetzel arbeitet, hat das Logo ausgearbeitet. Vorbild waren die Symbolzeichnungen von Otl Aicher, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München zum ersten Mal zum Einsatz kamen. „Die Piktogramme“ seien seither „Sinnbilder für Sport“, die „reduzierte Bildsprache“ ideal für das, was die zwei dargestellten Hände aussagen sollen.

Um die Verbreitung des Zeichens macht sich Strotmann keine Sorgen. Bisher hat er es nur per E-Mail im kleinen Kreise verschickt, und die Resonanz sei bereits enorm. „Vielleicht machen wir noch einen kleinen Film, ähnlich wie die Werbung für das iphone, und stellen es auf das Videoportal Youtube im Internet“, überlegt er sich. Er hofft jedenfalls, dass die schöne Geste bis zum Beginn der Spiele überall bekannt ist: „Hände hoch für ein freies Tibet!“

bw.

Erneute Unruhen – Solidarität in München

Bei neuen Unruhen in der von Tibetern bewohnten chinesischen Provinz Sichuan sind nach offiziell nicht bestätigten Berichten bis zu 15 Menschen getötet worden. Nach Angaben des US-Senders Radio Free Asia (RFA) vom Samstag starben allein elf Tibeter, als die Polizei das Feuer in der Region Ganzi auf Demon­-

stranten eröffnete.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete lediglich von „Warnschüssen“, die die Polizei abgefeuert habe, um gewaltsame Proteste zu stoppen. Bei Xinhua gab es keine Angaben über Tote und Verletzte.

Um Solidarität zu zeigen, startet die Tibet Initiative München jeden Montag zwischen 18 und 18.15 Uhr auf dem Odeonsplatz zu einem Umzug durch die Innenstadt. Am Mittwoch, 9. April, gibt’s zudem eine Lesung im Kokon (Lenbachplatz) aus dem Buch „Auf Wiedersehen, Tibet.“ Eintritt: 8 €.

Quelle: tz

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