Beim dritten Mal wird’s amtlich

„Ehe für Alle“: Zwei Münchner erzählen, was das für sie bedeutet 

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Hochzeit, die Erste: Christian Krosse (li.) und Thomas Holzhammer am Flaucher, ihrem Lieblingsplatz in München.  

Die „Ehe für alle“ macht ab dem heutigen Sonntag das Heiraten auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich. Zwei Männer erklären, was das für Homosexuelle bedeutet – und warum der Schritt für sie zu spät kommt.

München – Ihren großen Tag haben sie gleich zweimal gefeiert. Auf dem Standesamt machten Christian Krosse (39) und Thomas Holzhammer (37) im April 2016 zuerst den unromantischen Papierkram, ließen sich als Lebenspartner eintragen. Dann feierten sie, zwei Tage lang. Erst daheim in München, dann mit freier Trauung im Zillertal in Tirol. Seitdem sagen beide, dass sie verheiratet sind. „Wir sprechen ganz selbstverständlich von ,meinem Mann‘ und sagen nicht ,mein Partner‘“, sagt Holzhammer. Wenn ab 1. Oktober die „Ehe für alle“ mit einer Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) es möglich macht, dass homosexuelle Paare ihre Heirat auch Heirat nennen dürfen, wollen es Krosse und Holzhammer ein drittes Mal tun.

Es ist nur ein Satz im BGB. Unter Paragraf 1353 steht mit der im Juni beschlossenen Gesetzesänderung ab Sonntag: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Für diesen Satz haben Schwule und Lesben jahrzehntelang gekämpft. Seit 2001 können Paare wie Krosse und Holzhammer in Deutschland eine Lebenspartnerschaft amtlich eintragen lassen. Damit gingen sie eine abgeschwächte Variante der Ehe ein. Unterschiede, etwa im Miet-, Erb- oder Steuerrecht, wurden über die Jahre zwar beseitigt. Benachteiligungen aber blieben.

Warum die Anpassung zu spät kommt

Als Krosse, der Leiter der Marketing-Abteilung eines Münchner Unternehmens ist, und Holzhammer, der als Konditor arbeitet, sich als Lebenspartner eintragen ließen, stellte sich für sie die Frage nach der „Ehe für alle“ gar nicht. Es ging um ein persönliches Versprechen, um große Gefühle und nicht um Gesetze. Einen Punkt gab es aber, da wünschte sich das Paar Gleichberechtigung: Lebenspartner durften bis jetzt nicht gemeinsam Kinder adoptieren. Das durften nur Ehepaare. Dabei wollten die beiden Kinder. Die Anpassung komme für sie zu spät, sagen sie. Das Thema Kinder haben die Münchner abgehakt.

Es geht um Gerechtigkeit

Rechtlich ändert sich darüber hinaus nicht viel für Paare wie Christian Krosse und Thomas Holzhammer. Trotzdem ist die „Ehe für alle“ ein historischer Schritt. „Da spielt immer Gerechtigkeit mit rein“, sagt Krosse. „Wir freuen uns, wir sind dankbar. Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei dem Thema noch hinterher. Andererseits gibt es immer noch Länder, in denen man für Homosexualität verfolgt wird.“ Zudem sei die eingetragene Lebensgemeinschaft immer auch ein Zwangsouting gewesen, im Job, auf Ämtern. „Trägst du deinen Familienstand irgendwo ein, weiß natürlich jeder, dass du schwul bist.“ Nicht, dass die beiden es hätten geheim halten wollen. Aber sich automatisch outen zu müssen, finden sie nicht gut. „Ich freu mich drauf, wenn ich bald ,verheiratet‘ ankreuzen darf“, sagt Christian Krosse.

Jetzt also eine dritte, „echte“ Hochzeit? Lebenspartnerschaften werden nicht automatisch in Ehen umgewandelt, es braucht den Gang aufs Standesamt. Bisher eingetragene Lebenspartnerschaften bleiben bestehen, wer ab Sonntag den Schritt machen möchte, heiratet. „Wir hatten unseren besonderen Tag“, sagt Holzhammer. „Für uns ging es um die Symbolik, dass wir miteinander gesund und glücklich alt werden wollen.“ Wenn sie jetzt noch einmal heiraten, dann für sich, ganz privat. Und aus Prinzip. Einen Termin auf dem Standesamt gibt es noch nicht. Abgesehen davon, sagt Krosse, bräuchte es erst mal einen Antrag. Diesmal wäre übrigens er an der Reihe, die Frage aller Fragen zu stellen. Sein Mann meinte nämlich schon beim Kennenlernen vor vier Jahren: „Wie schaut’s aus mit Heiraten?“

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