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Münchner Falschparker-Report: Rücksichtslose Autofahrer verursachen oft Ärger und manchmal sogar Lebensgefahr

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Bei dem Feuer in Laim (li.) musste die Feuerwehr ohne ihre Drehleiter auskommen. Denn: Immer wieder blockieren Autos die Wege (Symbolfoto).
Bei dem Feuer in Laim (li.) musste die Feuerwehr ohne ihre Drehleiter auskommen. Denn: Immer wieder blockieren Autos die Wege (Symbolfoto). © STEFAN ROSSMANN

Ist ja bloß kurz, ein paar Minuten zum Semmelnholen. Sind ja bloß zehn Zentimeter überm Strich – solche Gedanken kennt wohl jeder Münchner Autofahrer, wenn er auf der Suche nach einem Parkplatz ist.

Abstellmöglichkeiten sind rar in der Stadt, und Falschparken wird als Kavaliersdelikt wahrgenommen. Was viele dabei nicht bedenken: Ganz schnell kann die Sache sehr ernst werden – im Extremfall geht es sogar um Leben und Tod wie unlängst bei einem Brand in Laim*, als die Feuerwehr* wegen eines falsch geparkten Autos die Drehleiter nicht einsetzen konnte.

Zum Teil kommen wegen falsch stehender Autos auch Trambahnen nicht mehr durch, wie auf diesem Foto an der Thierschstraße.
Zum Teil kommen wegen falsch stehender Autos auch Trambahnen nicht mehr durch, wie auf diesem Foto an der Thierschstraße. © MVG

München: 600 000 Verwarnungen pro Jahr für Falschparker

Dabei scheint das Unrechtsbewusstsein vieler Autofahrer grundsätzlich abzunehmen. Die Münchner* Polizei gibt auf Anfrage unserer Zeitung jedenfalls an, dass die Zahl der abgeschleppten Falschparker im Vorjahr um 2,8 Prozent zugenommen hat. Und das städtische Kreisverwaltungsreferat (KVR) stellt pro Jahr rund 600 000 Verwarnungen aus. Die können unterschiedlich teuer werden: von zehn Euro (zum Beispiel beim Parken näher als fünf Meter vor einer Einmündung) bis 55 Euro (zum Beispiel beim Parken auf einem Behindertenparkplatz). Bestimmte Verstöße (zum Beispiel Parken auf dem Gehweg) werden – wenn es zu einer Behinderung oder einem Unfall kommt – mit 70 bis 110 Euro und einem Punkt in Flensburg bestraft. Tatsächlich abgeschleppt wurden dann im letzten Jahr über 9000 Fahrzeuge.

Das ist noch deutlich weniger als vor Corona – aber der Trend geht wieder nach oben. Dabei zahlt ein Falschparker zwischen 120 und 190 Euro pro Abschleppvorgang. Zusätzlich erhebt die Polizei* Gebühren von mindestens 45 bis etwa 100 Euro.

München: MVG meldete letztes Jahr 445 Fälle von Falschparkern

Besonders viel Ärger gibt’s, wenn auch noch der öffentliche Nahverkehr betroffen ist – und das ist nicht selten der Fall. So meldete die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) allein im vergangenen Jahr 445 Fälle von Falschparkern, die bei Bus und Tram zu Ausfällen, Umleitungen und Verspätungen geführt haben – also mehr als einen pro Tag. Besonders betroffen waren die Tram-Linien 19, 20 und 21. Und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) klagt über zugeparkte Radwege* als ein „Massenphänomen, durch das Radfahrerinnen und Radfahrer auf fast jeder Fahrt innerorts gefährdet und gestresst werden“. Beim ADFC-Fahrradklima-Test würden zugeparkte Radwege regelmäßig als einer der größten Stressfaktoren benannt.

Wenn Radwege zugeparkt werden, kann es richtig gefährlich werden.
Wenn Radwege zugeparkt werden, kann es richtig gefährlich werden. © Wolfgang Kumm/dpa

Auch Grünen-Stadträtin Gudrun Lux ärgert sich über die Falschparker. Sie fordert: „Gerade die Polizei muss konsequenter durchgreifen!“ Und: „Falschparken sollte gesellschaftlich keine Akzeptanz finden.“ Den meisten Autofahrern sei gar nicht bewusst, wie gefährlich ein blockierter Zufahrtsweg ist. Das Bild des armen Autofahrers, der keinen Parkplatz findet, herrsche noch in den meisten Köpfen vor. Doch dabei sei nicht der Autofahrer arm dran – sondern derjenige Bürger, der aufgrund eines zugeparkten Weges nicht schnell genug ins Krankenhaus komme.

Falschparker in München: Kein Durchkommen für die Feuerwehr

Es ist 4.50 Uhr in der Früh in einem Mehrfamilienhaus an der Maxstadtstraße (Laim), als Martina F. (43, Name geändert) drei laute Schreie hört: „Hilfe! Hilfe! Hilfe!“ Die verzweifelten Rufe kommen von ihrem Nachbarn. Als Martina F. die Tür zum Flur öffnet, steht die Wohnung nebenan sperrangelweit offen, dichter Qualm zieht durchs Haus. Ein Brand im Haus.

14 Tage ist das jetzt her, und bei der Münchnerin waren die Bilder noch ganz greifbar, als sie unserer Zeitung Ende der vergangene Woche von den dramatischen Momenten berichtete: „Ich habe am Ende des Flurs ein grelles Licht gesehen.“ Sofort rannte sie zu ihrer Lebensgefährtin ins Schlafzimmer. Sie wollte sie wecken und dann zusammen mit ihr raus aus der Wohnung im ersten Stock. Aber: Dafür war es dann schon zu spät. „Ich habe die Tür nur zwei oder drei Sekunden wieder aufgemacht, sofort sind riesige Flammen durch den Türspalt geblitzt“, erzählte sie immer noch unter Schock. Der Weg durchs Treppenhaus: unmöglich.

Parkplätze findet man in München schwer – dieser BMW in Giesing steht verbotenerweise in der Kurve.
Parkplätze findet man in München schwer – dieser BMW in Giesing steht verbotenerweise in der Kurve. © Markus Götzfried

Die Rettung kam stattdessen durchs Küchenfenster: Auf einer Trageleiter stand dort ein Feuerwehrmann. Er half den Frauen nach unten, in Sicherheit.

Brand in München-Laim - ein Auto war in der Feuerwehrzufahrt geparkt

Martina F. hat diese Brandnacht überlebt – und das ist keine Selbstverständlichkeit. Für die Feuerwehr war das nämlich ein Einsatz unter erschwerten Bedingungen. Die Retter konnten nicht mit einer Drehleiter arbeiten, wie es in diesem Fall eigentlich am besten gewesen wäre. Denn: Ein Auto hatte verbotenerweise in der Feuerwehrzufahrt geparkt, also kamen die Retter mit dem Drehleiter-Lkw nicht zum Einsatzort. Stattdessen mussten sie herkömmliche Trageleitern einsetzen – was länger dauert und deshalb die Gefahr für die Opfer erhöht. Bei höheren Häusern geht das gar nicht.

Die Feuerwehrleute haben in jener Nacht insgesamt 14 Menschen und einen Hund aus dem Haus gerettet. Vier Menschen erlitten eine leichte Rauchvergiftung, ernsthaft verletzt wurde niemand bei dem Brand, der möglicherweise entstand, weil eine Couch neben einem Nachtspeicherofen Feuer gefangen hatte und der in einer Katastrophe hätte enden können – auch wegen eines falsch geparkten Autos. MIRIAM SCHUSTER *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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