Münchner Firmenchef verzweifelt gesucht

+
Zwei Bilder von Josef Schmutterer aus der Vermisstenanzeige.

München - Josef Schmutterer startete zu einer Skitour in Italien, sein Ziel war der Monte Baldo - jetzt fehlt seit einer Woche jedes Lebenszeichen des Münchner Firmenchefs.

Die letzten, die ihn sahen, waren die Angestellten des Frühstückservice im Hotel San Giacomo in Brentonico, idyllisch gelegen am Monte-Baldo-Massiv über dem Gardasee. Dort frühstückte Josef Schmutterer (46) am Freitag (17. Dezember) mit Cappuccino und Keksen, ließ sich noch drei Panini einpacken und startete dann um 10.45 Uhr zu seiner Skitour auf den Monte Altissimo (2079 Meter). Seitdem fehlt jede Spur von dem Münchner.

Lesen Sie auch:

Tourengeher aus München in Italien verschollen

Seine Freunde sind in größter Sorge, die italienische Bergwacht sucht seit Tagen und gibt nicht auf. Denn es besteht die große Hoffnung, dass der sportliche, kerngesunde und gut ausgerüstete Wirtschaftsingenieur lebt und verletzt auf Rettung wartet. Josef Schmutterer ist Geschäftsführer der Ernst Dozler GmbH (Bahntechnik) in Otto­brunn und lebt seit kurzem erst getrennt von seiner Familie in Trudering. Die Berge, das Mountainbike, Skifahren und die Kunst- und Segelfliegerei sind seine großen Passionen. Dafür ist gute Ausrüstung und körperliche Fitness Voraussetzung. Das könnte ihm nun das Leben retten. Einer seiner besten Freunde – der Münchner Journalist Matthias Lettenbichler – ist vor Ort und hofft stündlich auf Nachricht.

Nach seinen Recherchen übernachtete sein Freund Josef vom 16. auf den 17. Dezember in seinem weißen Ford Transit, fuhr damit morgens auf den Hotel-Parkplatz. Der Freund: „Wir gehen davon aus, dass Josef einen exzellenten Schlafsack, eine sehr gute Daunenjacke und seine neuesten Tourenski mitgenommen hat.“ Ferner nahm er offenbar auch seinen Campingkocher, Handy, Rucksack und Skistöcke mit. Im Hotel empfahl man ihm die Route 622 – der übliche, auch nicht sonderlich schwierige Aufstieg auf den Monte Altissimo. Es schneite leicht und die Sicht war schlecht, als der Münchner auf 1200 Meter Höhe loslief. In etwa drei Stunden müsste er das Refugio – die Hütte zehn Gehminuten unterhalb des Gipfels – erreicht haben. Ob er dort im Winterraum übernachtete, weiß man nicht.

Als der Wirt am Samstag um 11 Uhr kam, wirkte der Raum unberührt. Was nichts heißen muss: „Josef ist sehr ordentlich. Er würde auch die Decken noch ordentlich falten.“ Als der Münchner Ford Transit auch am Samstagabend noch immer auf dem Parkplatz stand, schlug der Hotelier Alarm. Alle Hütten wurden abtelefoniert. Am Sonntag stiegen sieben Teams der Bergwacht auf. Hubschrauber starteten. Wegen des perfekten Wetters am Sonntag und Montag waren viele hundert Menschen in dem Gebiet unterwegs. Alte Militärstollen wurden durchsucht, die vermutete Tour wurde mehrfach abgefahren. Es gingen keine Lawinen herunter. Doch von Josef Schmutterer fehlt jede Spur.

Matthias Lettenbichler steht in ständigem Kontakt mit Michele Sandonati, dem hochengagierten Chef des Rettungsteams: „Wir haben endlich die richterliche Erlaubnis, Josefs Handy-Daten abzurufen. Wenn wir wüssten, an welchem Sendemast es sich zuletzt eingeloggt hat, würde es das Gebiet eingrenzen. Hoffen wir, dass es beim Aufstieg noch eingeschaltet war.“ Die Ortung selbst ist fehlgeschlagen. In der Heimat stehen alle Fliegerfreunde für die Suche bereit. Doch das Wetter ist zu schlecht.

Am Donnerstag regnete es auf 1200 Metern. Weiter oben schneit’s. Trotzdem denkt niemand ans Aufgeben: „Ich habe mal von einem Mann gelesen, der mit schlechterer Ausrüstung zwei Monate in Nepal überlebte. Wir suchen weiter.“ Für die Familie und die Freunde ist die Ungewissheit kaum zu ertragen. Am Montag ist Josef Schmutterer 46 Jahre alt geworden. Da war er schon vermisst.

Dorita Plange

auch interessant

Kommentare