Jubiläum: 200 Jahre Münchner Dom

Münchner Liebfrauenkirche: Die Geheimnisse eines Gotteshauses

Dompfarrer Monsignore Franzl an seinem Lieblingsort: der kleinen Kapelle hinter dem Altar.
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Dompfarrer Monsignore Franzl an seinem Lieblingsort: der kleinen Kapelle hinter dem Altar.

In der Münchner Frauenkirche gibt es ein Jubiläum zu feiern: Seit 200 Jahren ist die Liebfrauenkirche der
Dom des Erzbistums München und Freising. Zeit für einen Rundgang - und einen Blick zurück in die lange Geschichte der Kathedrale.

  • Vor 200 Jahren wurde die Liebfrauenkirche zum Dom der Erzdiözese München und Freising.
  • Dompfarrer Monsignore Franzl kennt viele spannende Geschichten über die Kathedrale.
  • Anlässlich des Jubiläums finden dort jeden Werktag Kirchenführungen statt.

Wohl jeder Münchner kennt sie, die Geschichte vom Teufel und der Frauenkirche: Der Teufel hatte mit dem Baumeister um dessen Seele gewettet. Der Teufel werde ihm helfen, die Kirche zu bauen, aber sie dürfe keine Fenster haben. Als er am Eingang stand und tatsächlich keine Fenster sah, stampfte er vor Freude auf – es entstand der legendäre Fußabdruck. Übrigens: Der Teufel hat Schuhgröße 43. Kurz danach, einen Schritt weiter, stellte er fest, dass er der Geprellte war.

Die Geschichte vom Teufelstritt ist nur eine von vielen, die in der über 500 Jahre alten Kathedrale versteckt sind. Vor 200 Jahren wurde die Frauenkirche zum Dom der Erzbischöfe – anlässlich dieses Jubiläums hat uns Dompfarrer Monsignore Franzl durch die Kathedrale geführt.

Er erklärt, woher die beliebte Teufels-Geschichte eigentlich kommt: Die Frauenkirche wurde in nur 20 Jahren erbaut (1468 – 1488 von Jörg von Halspach) – für mittelalterliche Verhältnisse ein kleines Wunder. Da liegt die Vermutung, dass der Teufel seine Finger im Spiel gehabt haben muss, natürlich nahe.

Was mich an der Kirche beeindruckt: Höhe, Licht, Weite

Dompfarrer Franzl

Aber wie gelang es, die Kathedrale so schnell zu bauen? „Das hat einen simplen Grund. Das Baumaterial: Lehm.“ Den fand man damals direkt vor der Haustür, zum Beispiel in Berg am Laim (Laim – heute: Lehm). Damit brauchte es auch keine Künstler, den Dom zu erbauen, denn Lehm konnte jeder formen.

„Was mich an dieser Kirche beeindruckt, sieht man gleich, wenn man die Kirche betritt: Höhe, Licht, Weite“, schwärmt Dompfarrer Franzl. Eigentlich seien Kirchen aus der Gotik eher in einer mystischen Stimmung gehalten – nicht so die Frauenkirche.

„Ursprünglich wurde die Frauenkirche nicht für den heutigen Zweck gebaut, als ein Ort großer Gottesdienste, sondern eher für persönliche Andachten und Messfeiern in den kleinen Kapellen“, erklärt Franzl. Das führt uns auch schon zum Lieblingsort des Pfarrers: in eine kleine Kapelle hinter dem Altar. Hier hängt ein großes Gemälde von Maria, in einen gewaltigen Mantel gehüllt, unter dem die Münchner Bürgerschaft Schutz sucht. Ein Zufluchtsort: „Deswegen gehe ich gern hierher und ziehe mich zurück, wenn es mir nicht gut geht.“ Hier liegt auch ein Anliegen-Buch, in das Leute schreiben können – seit September sind schon zwei Bücher gefüllt worden.

In der Gruft liegen viele Wittelsbacher und Erzbischöfe begraben.

Hinter dem Altarraum führt uns Dompfarrer Franzl eine Treppe hinunter in die Krypta und weiter in die Kapitelgruft: Zahlreiche Wittelsbacher und Erzbischöfe von München und Freising liegen hier begraben. In den Seitenwänden der Gruft sind die Gräber eingelassen – insgesamt haben über 200 Menschen hier ihre letzte Ruhestätte. So auch Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel, der erste Bischof von München und Freising, der heuer vor 200 Jahren sein Amt antrat.

Anlässlich des Jubiläums gibt es übrigens seit dem 5. Juli immer werktags ab 11.30 Uhr Führungen durch die Frauenkirche.

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