„Vergesst nicht, was geschehen ist“

Hunderte Münchner gedenken Mordopfer Boulgarides

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Zehn Jahre nach der Ermordung von Theodoros Boulgarides gedachten ihm die Münchner in der Auferstehungskirche.

München - Die Münchner vergessen ihn nicht: Theodoros Boulgarides, der am 15. Juni 2005 ermordet wurde. Der Gottesdienst im Münchner Westend ist tiefgründig und traurig.

Auch zehn Jahre nach seinem Tod ist er in den Herzen geblieben: Im weißen Hemd lächelt Theodoros Boulgarides (41†) seine Angehörigen und Freunde an. Umringt von roten Chrysanthemen und Heiligenbildern steht sein Foto in der prall gefüllten Auferstehungskirche im Westend. Hier gedachten gestern 300 Münchner dem Griechen, der am 15. Juni 2005 ermordet wurde. Es ist ein tiefgründiger und trauriger Gottesdienst.

Denn bis heute ist der Terroranschlag in der Trappentreustraße nicht aufgeklärt. Mit drei Kopfschüssen wurde Boulgarides dort in seinem Schlüsseldienst-Geschäft erschossen – wohl vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). „Schön, dass wir so einen Menschen unter uns haben durften. Schlimm, dass er auf diese Weise von uns gehen musste“, sagt Erzpriester Ioannis Minas in seiner Predigt.

Er hebt hervor, wie sehr die Familie des Opfers monatelang leiden musste. Unter dem Tod von Theodoros, aber auch unter falschem Verdacht und Verhören. „Wir sind durch die Hölle gegangen“, sagt Gavriil Boulgarides (45), Bruder des Mordopfers, dem Münchner Merkur. „Wir hatten vor seinem Tod täglich Kontakt. Ich finde es schön und ehrenvoll, dass man ihn nicht vergisst.“ Das Vergessen – es ist das große Thema bei der feierlichen Andacht. „Bis heute hat sich der Anblick auf das entstellte Gesicht eingebrannt“, sagt Apostolos Malamoussis, bischöflicher Vikar.

„Die Kripo unterbrach damals ihre Spurensuche, damit ich das Gebet für Theodoros sprechen konnte. Seither habe ich eine enge Bindung zu seiner Familie.“ Sein Tod löst noch immer große Trauer bei den Angehörigen aus. Gemeinsam zogen sie nach dem Gottesdienst zum Tatort, legten Kränze nieder und sprachen das Vaterunser. Auch Claudia Roth (Grüne) kam im Namen des Bundestages. „Vergesst nicht, was geschehen ist“, mahnt sie. Und wünscht der Familie, „dass Sie bald wieder an Gerechtigkeit glauben können“. Ihnen verspricht sie feierlich: „Wir werden alles tun, um diese Verbrechen aufzuklären.“

Andreas Thieme

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