Münchner Gläubige zum Papst-Rücktritt

"Ich bete jetzt erst mal ein Vaterunser für ihn"

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Das Ehepaar Irene und Max Sperrer kann den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. noch gar nicht fassen.

München - Erst reagieren viele mit ungläubigem Staunen, dann kommt der Schock: Kaum einer kann die Nachricht vom Rücktritt von Papst Benedikt XVI. fassen. Was Münchner Christen zur Entscheidung des Kirchenoberhaupts sagen:

Es ist ruhig an diesem Tag. ­Zumindest in den Münchner Kirchen. Während draußen der Fasching tobt, sitzen die Menschen in Stille auf den Bänken in der Frauenkirche. Vom Rücktritt des Papstes weiß kaum jemand. Der bayerische Papst zurückgetreten? Glauben will das keiner. „Ein Papst tritt nicht zurück“, platzt es einem Kirchenbesucher heraus. Dann aber sitzt der Schock tief. Seine Frau neben ihm ist den Tränen nahe. „Wa­rum?“, fragt sie.

Krankheit? Demenz? Die Gründe sind noch offen. Doch die Münchner beten für ihren Papst. „Ich zünde eine Kerze für ihn an“, sagt Ursula Reimann (70) aus München.

Benedikt XVI. habe in letzter Zeit müde ausgesehen. „Und trotzdem hat er gute Arbeit geleistet.“ Der Kirchenbesucher neben ihr stimmt ihr zu. „Er hat tiefe Spuren hinterlassen, doch ich gönne ihm den Ruhestand.“

Für das Ehepaar Irene und Max Sperrer kommt der Rücktritt überraschend. „Darf der das?“, fragt Max Sperrer. Ja. Bereits einmal trat ein Papst zurück. Benedikt XVI. ist der zweite. Doch glauben können es die Sperrers nicht. „Das ist echt ein Wahnsinn. Wir beten jetzt erst mal ein Vaterunser für Benedikt.“

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Papst-Rücktritt

Die klösterliche Gemeinschaft von Sankt Bonifaz in München und Andechs ist ebenfalls völlig überrascht. „Die Entscheidung des Papstes verdient höchsten Respekt und zeugt von der Größe Benedikts XVI.“, meint Abt Johannes Eckert.

Pfarrer Rainer Schießler von St. Maximilian dachte erst an einen Faschingsscherz. „Aber irgendwie war das vorhersehbar: Dieser Papst ist nicht so wie sein Vorgänger, der quasi in der Öffentlichkeit gestorben ist. Dafür ist er zu eitel und zu diskret.“ Schießler findet die Entwicklung „interessant“: „Jetzt kommt wieder Bewegung in den Laden!“ Der Rücktritt sei auch eine Riesenchance für die Kirche.

Ähnlich sieht es Willi Geier (50), der am Montag in der fast leeren St.-Michaels-Kirche sitzt. Von der Nachricht hat er kurz zuvor erfahren: „Ich bin gespannt, wie es weitergeht.“ Es sei eine mutige Entscheidung.

Landespolizeidekan Monsignore Andreas Simbeck: „Sehr verantwortungsvoll von ihm. Man stelle sich vor, er würde irgendwann beispielsweise monatelang im Koma liegen, und die Kirche wäre handlungsunfähig. Ich behalte Papst Benedikt vor allem als großen Theologen mit einem faszinierenden Gedächtnis in Erinnerung.“

So überraschend die Nachricht kam, so sehr halten die Münchner zu ihrem Papst. Nur einer ist jetzt mächtig im Stress: Christian „Fonsi“ Springer. Er wird am Aschermittwoch nach der Abendmesse in St. Maximilian sprechen. Pfarrer Rainer Schießler: „Er ist die schnelle Reaktion auf aktuelle Ereignisse ja vom Nockherberg gewohnt. Ich bin mir sicher, dass der Papst-Rücktritt ein Thema am Mittwoch sein wird.“

awe/nba

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