Münchner ignorieren das Wiesn-Verbot

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Noch steht bei den meisten Zelten erst das Gerüst – und die Münchner spazieren trotz Verbots über die Baustelle.

Die Bauarbeiten auf der Theresienwiese schreiten voran - doch kaum einer schert sich um die Zäune.

So richtig erlaubt war das Betreten der Wiesn-Baustelle für Schaulustige und Passanten ja noch nie – aber heuer ist es zum ersten Mal so richtig verboten. Ganz offiziell, mit Zaun und Schildern. Allein: Den Münchner kümmert’s nicht. Wenn ihn sein Weg über die Theresienwiese führt, dann geht oder radelt er halt drüber. Und damit Basta.

Den Zaun nehmen die wenigsten ernst, zumal er nicht mal das gesamte Gelände umfasst. Die meisten gehen einfach links oder rechts am Gitter vorbei. Und selbst wenn die Stadt die ganze Theresienwiese eingezäunt hätte – die Münchner hätten bestimmt ein Schlupfloch gefunden, um auf ihre Wiesn zu gelangen!

Völlig selbstverständlich marschieren Mütter mit Kinderwagen an Baucontainern vorbei, strampeln Radler über die Wirtsbudenstraße, begutachten Touristen staunend die riesigen Zelte – oder was schon davon steht.

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Nichts los in der Wiesn-Kantine

Die Bauarbeiter stört’s nicht – sie sind ja dran gewöhnt. „Solang mich die Leut’ nicht von der Arbeit abhalten, ist mir alles wurscht“, sagt Baggerfahrer Josef Brandstedter pragmatisch. Von dem Verbot hat er bisher nichts gemerkt. Aber vielleicht kommt das noch: „Ich bin gespannt, ob im August wieder busweise Touristen die Bavaria besichtigen – und die Wiesn gleich mit, wenn sie schon da sind. Oder ob die Busse heuer ausbleiben?“, rätselt der Bauarbeiter vom Winzerer Fähndl.

Noch gibt es außer der Bavaria eh noch nicht viel zu sehen. Die großen Zelte stehen zwar schon – allerdings ragt bei den meisten nur das Gerippe in den Münchner Sommerhimmel. Klassenbeste sind bislang Weinzelt und Schottenhamel – hier steht schon die Fassade. Und vor der ansonsten noch recht nackten Bräurosl warten Biertanks auf ihre Installation.

Im Schatten der Bavaria suchen ein paar Münchner Schutz vor der Mittagshitze. Sie haben den besten Blick auf die Wiesn – und ihre Brotzeit dabei. In die Bauarbeiter-Kantine trauen sie sich seit dem Verbot dann doch nicht mehr.

Halten sich die Zaungäste an das Verbot?

Von der Bavaria alles im Blick

Ich verstehe das Verbot: Wenn sich Unbefugte auf der Baustelle verletzten, muss schließlich die Stadt haften. Klar, dass sich die Verantwortlichen ab­sichern möchten. Für mich kein Problem – den Wiesn-Aufbau kann ich mir auch prima von der Bavaria aus ansehen. Hier hat man eh den besten Überblick. Marei (25), Studentin aus München

Außenrum seh ich echt nicht ein

Natürlich fahr’ ich mit dem Radl über die Wiesn-Baustelle! Ich wohne an der Schwanthaler Höhe und arbeite am ­Goetheplatz – ­außenrum ist mir echt zu umständlich. Bis jetzt hat mich noch niemand aufgehalten. Aber mit meinem Radl wäre ich eh schneller als jede Wache. ­Denen fahr’ ich im Zweifelsfall davon … Frank aus München

Ich geh einfach trotzdem rein

Ich bin Tourist und zum Schauen hergekommen. Über zwei Monate Oktoberfest-Aufbau finde ich gigantisch. Bei uns am Niederrhein reicht eine Woche, dann ist die ­Kirmes fertig. Aber die Zelte hier sind ja riesig! Ich bin neugierig – ich glaube, ich geh einfach trotzdem rein!Emil Osthold aus Dinslaken

Wir halten uns lieber ans Verbot

Wir kommen aus Braunschweig und machen Urlaub hier in Bayern. Ich wollte den Kindern den Aufbau der großen Zelte zeigen – sie waren ja noch nie auf dem Oktoberfest. Und jetzt dieser Zaun! Schade, aber wir halten uns lieber an das Verbot.Björn (13), Nils (7), Annika (10) und Papa Gerhard Schnalke

Quelle: tz

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