Dubiose Zahlungen und Ausgaben

Kinderhilfsverein unter Geldwäsche-Verdacht

München - Ein Kinderhilfsverein steht unter dem Verdacht der Geldwäsche und des Betrugs. Die Betreiber des Vereins waren wegen ähnlicher Vorwürfe bereits 2010 zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden.

Sie lernen’s einfach nicht: Der Münchner Verein „Kinder in Not“ steht erneut im Verdacht, einen großen Teil seiner Spenden- und Mitgliedsbeiträge veruntreut zu haben! Pikant: Erst vor zwei Jahren wurden mehrere Mitglieder, unter ihnen Vereinsgründerin Heidrun S. (75) und ihr Sohn Carsten S. (42), zu zwei Jahren auf Bewährung und einer 170 000 Euro Geldstrafe verurteilt – weil sie mehr als fünf Millionen veruntreut hatten.

Gebracht hat’s allerdings nichts: Denn am Donnerstag durchsuchten Polizeibeamte erneut vier Objekte des Vereins, darunter die Geschäftsstelle und nahmen eine Tatverdächtige, die Schwiegertochter der Gründerin, fest. Ein weiterer Haftbefehl steht noch aus. In den Räumlichkeiten wurden haufenweise Unterlagen sichergestellt. Bereits im November fiel einer Bank auf, dass von dem Konto des Vereins hohe Geldbeträge an andere Konten ohne Vereinsbezug überwiesen wurden. Daraufhin erstattete die Bank eine Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche. Die Polizei ermittelte – und legte ein kompliziertes Geflecht offen. So verwalten und pflegen eine Liechtensteiner und eine Schweizer Firma den Mitgliedsbestand des Vereins. Sie betreiben die Vereinswerbung und die Mitglieder-Akquise. Für ihre Arbeit verlangen sie hohe Geldsummen vom Verein. Allerdings: Inhaberin und Gründerin dieser Scheinfirmen ist hier Heidrun S.! Ihr Sohn, der als freier Mitarbeiter angestellt ist, sowie seine Ehefrau bekommen ebenfalls stattliche Beträge aus der Vereinskasse überwiesen.

Der Verein Kinder in Not besteht seit 1985. Die Spenden und Mitgliedsbeiträgen sollten eigentlich Kindern und Jugendlichen in akuten Notsituationen zu Gute kommen. Der Verein begleitet auch Eltern und Alleinerziehende zu Ämtern und Behörden und versteht sich als „praktische Lebenshilfe“.

AW

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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