Stadt überrascht von Toleranz-Aktion

Darum trägt das Münchner Kindl jetzt Davidstern und Halbmond

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Das Münchner Kindl auf einem Plakat mit Kreuz, Halbmond, Davidstern, Dharma-Rad und Om-Zeichen, den Symbolen der fünf Weltreligionen. Eine Designagentur will damit für ein weltoffenes und tolerantes München werben.

München - So haben Sie das Münchner Kindl noch nie gesehen: Halbmond, Davidstern und andere religiöse Symbole zieren die Kutte des Stadtwappens - aber nur auf einem Plakat. Eine Designagentur will damit für mehr Toleranz werben.

Erst war es ein Mönch, dann wurde es zum Kind. Meistens hält es ein Eidbuch in der Hand, manchmal aber auch Radi und Bierkrug: Das Münchner Kindl musste in den vergangenen Jahrhunderten schon so einige optische Änderungen über sich ergehen lassen. Nun zeigt sich die offizielle Wappenfigur der Stadt mit Kreuz, Halbmond, Davidstern, Dharma-Rad und Om-Zeichen, den Symbolen der fünf Weltrelgionen. Zumindest auf Plakaten im U-Bahnhof Odeonsplatz und in der Paul-Heyse-Unterführung.

Dahinter steckt eine namhafte Designagentur, die damit für ein weltoffenes und tolerantes München werben will. "Die Weltreligionen, die unterschiedlichen Lebensentwürfe und Kulturen sind keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung für unsere Stadt", betont Initiator Peter Martin, Geschäftsführer der Agentur "Martin et Karczinski". Eine Anspielung auf die "Bagida"-Demonstrationen der vergangenen Wochen, aber auch auf die Friedens-Lichterkette, zu der sich kürzlich 15.000 Münchner zusammengeschlossen haben. Er sagt: „Wir wollten ein Thema aufgreifen, das die Menschen aktuell bewegt und berührt.“

Martins Stadtwappen-Entwurf, den er "Open Kindl" getauft hat, hat sich "Mia san mehr" zum Leitsatz genommen. Der 44-Jährige hofft, dass viele Münchner die Kampagne unterstützen. Er kann sich sogar vorstellen, eine Münchner Brauerei als Partner zu gewinnen, die das Wappen dann auf Flaschen und Bierdeckel druckt. So könnte das Open Kindl auch auf dem Oktoberfest für Toleranz und Weltoffenheit werben.

Auf der eigens eingerichteten Homepage www.mia-san-mehr.de können Unterstützer bereits für 45 Euro das "Open Kindl Kit" kaufen. Das Set enthält unter anderem Poster, Postkarten, Aufkleber und Stempel. Der Erlös kommt der "SchlaU-Schule" zugute, die junge Flüchtlinge ausbildet.

Könnte das neue Münchner Kindl sogar das bisherige Stadtwappen ersetzen? Die Stadt hält sich momentan noch bedeckt zu dem Thema. Im Rathaus ist man ein wenig verschnupft, weil das Open Kindl dort erst durch Medienanfragen bekannt wurde. "Grundsätzlich begrüßen wir immer Aktionen, die für Weltoffenheit und Toleranz werben", sagte Sprecher Stefan Hauf auf Anfrage, "aber bei der Verwendung des Stadtwappens müssen bestimmte Spielregeln eingehalten werden." Das Stadtwappen sei ein Hoheitszeichen, das - wenn überhaupt - nur mit Genehmigung der Stadt modifiziert werden dürfe. Man wolle nun das Gespräch mit der Designagentur suchen.

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