Münchner Lichtspielhäuser halten sich

Das Kino trotzt der Krise

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Auch das Mathäser darf sich über Besucherschwund nicht beschweren.

München - Zum Wintersporteln ist’s zu warm, zum Sonnen zu kalt – jetzt ist das perfekte Kino-Klima! Denn: Entgegen mancher Schwarzseher hat sich das Kino in München gehalten.

 Trotz immer größerer Hightech-Fernseher, trotz Computer und stetig steigender Freizeit-Angebote. Und weil die allermeisten Häuser die Zeichen der Zeit längst erkannt haben und auf digital umrüsten (umgerüstet haben), ist man auch technisch bestens dabei in unserer Technik-Time, pardon: Zeit.

Im Statistik-Quartalsheft der Landeshauptstadt kann man nachlesen, dass das Film-Fossil Kino zwar weit über 100 Jahre alt ist, aber immer noch quicklebendig – und in München ganz besonders. Die Berliner hatten zwar 2011 doppelt so viele Besucher wie die Münchner – also 9,13 Millionen gegenüber 4,5 Millionen –, aber auch 3,5 statt 1,4 Millionen Einwohner. Umgerechnet auf den Kinobesuch pro Einwohner geht jeder Münchner 3,3 Mal jährlich ins Kino, in Berlin nur 2,6 Mal. Deutschlandweit führt hier übrigens Karlsruhe (4,7). Böse Zungen sagen: kein Wunder.

Seit dem Jahr 1920 gibt’s Statistiken über die Besucherzahl. Einige Fakten: Am Höhepunkt des deutschen Films – also in der Weimarer Republik –, sahen in der bayerischen Landeshauptstadt im Jahr 1927 sage und schreibe 8,5 Millionen Einwohner einen Streifen! Das entspricht 12,3 Besuchen jährlich pro Münchner. Dies steigerte sich bis zu den Kriegsgräueln noch mal massiv: Noch im Jahr 1941 strömten 12,7 Millionen in die Kinos (18,4 Besuche pro Einwohner) – Ablenkung, und der Krieg war ja noch nicht hier.

Dann Zusammenbruch und Aufstieg bis zum Spitzenjahr 1957: 22,3 Millionen Münchner kaperten die Kino-Leinwände (22,6 Besuche/Einwohner).Die ersten Unkenrufe kamen in den 60ern: Das Kino stirbt wegen der Glotze! Wegen der Mobilität der Münchner, wegen des Massentourismus. Der Tiefpunkt der Kinolandschaft war 1971 – in der ganzen Stadt gab es nur noch 48 Filmtheater! In die ehemaligen Lichtspielhäuser zogen Supermärkte oder Lager. Freier Fall ins Nichts? Nein!

Die Branche berappelte sich – man ging weg von den großen Lichtspielhäusern zu Schachtelkinos, also dem Umbau eines großen Saals in mehrere kleine mit mehreren Sälen. Anfang der 90er entstanden dann die Multiplex-Kinos und mit ihnen ein respektabler Aufschwung: In München kletterte die Anzahl der Leinwände im Jahr 1993 um neun auf 83 und bis 1995 auf 89 – und das Publikum? Zog mit und nahm zu von 1992 auf 1993 um ein Fünftel (5,2 Millionen). Kinosterben sieht anders aus.

Klar, die alten Zahlen werden nie wieder kommen, aber das Kino trotzt der Krise, in der es schon seit Jahrzehnten steckt. Was allerdings die Statistik auch zeigt: Kino ist Zentrumssache. In Altstadt, Lehel, Ludwigs-, Isar- und Maxvorstadt tummeln sich je zehn und mehr Kinos – und in vielen Stadtteilen wie etwa Moosach, Pasing oder Hadern gar keines.

So, jetzt Text aus und Film ab! Wir seh’n uns im Kino!

Matthias Bieber

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