Klinik-Misere: Einschnitte beschlossen

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Im LMU-Klinikum Großhadern muss wie im LMU-Klinikum Innenstadt massiv gespart werden

München - Die Lage der Kliniken ist, so Eliza­beth Harrison, "dramatisch". Am Freitagabend wurden nun Einschnitte bei den städtischen Krankenhäusern beschlossen - Stellenstreichungen inbegriffen.

Sparkurs an der LMU

Höhere Gehälter, weniger Geld vom Staat und den Krankenkassen machen dem Klinikum der LMU mit seinen Häusern in Großhadern und in der Innenstadt zu schaffen. Konnte die Uniklinik 2010 noch drei Millionen Euro Überschuss erwirtschaften, wird es heuer einen Verlust von 6,5 Millionen Euro geben.

„Eigentlich hätten wir sogar einen Verlust von rund 17 Millionen Euro, wenn wir nicht rechtzeitig mit Sparmaßnahmen gegengelenkt hätten“, rechnet der Kaufmännische Direktor Gerd Koslowski vor. So schlugen die Tarifabschlüsse im Pflegebereich mit 5,865 Millionen an Zusatzkosten durch, die der Ärzte mit 1,55 Millionen. Die Verteuerung der Energie beziffert Koslowski mit 1,2 Millionen Euro. Gleichzeitig habe der Staat seine Zuweisungen für Forschung und Lehre um 2,144 Millionen Euro gekürzt, hinzu käme ein weiterer ungeplanter Verlust von 0,86 Millionen für die staatliche Umlage, die zwischen den bayerischen Unikliniken aufgeteilt wird. Daneben zahlten die Krankenkassen dem Klinikum 5,31 Millionen Euro weniger. Dabei muss das Klinikum Geld in Neu- und Umbauten investieren, die der Staat nur zum Teil bezahlt.

Der medizinische Direktor, Professor Burkhard Göke, spricht von einer „großen Herausforderung“. Denn: „Weder die Kassen noch die Träger sind bereit, uns zu helfen.“ Für die gestiegenen Personalkosten, die Professor Göke als „gerechtfertigt“ bezeichnet, gebe es keinen Ausgleich. „In anderen Bereichen des Staates ist es dagegen schon so, dass die Behörden mehr Geld für das Personal bekommen, wenn die Tarifabschlüsse steigen.“

Aufsichtsrat und Klinikleitung haben nun ein Sparkonzept erarbeitet, das derzeit mit dem Personal besprochen wird. So sollen Ambulanzen geschlossen werden, da sie nicht für Forschung und Lehre notwendig sind, dabei aber viele Problempatienten versorgen. Die Rede ist auch vom Abbau doppelter Strukturen, derzeit gebe es zum Beispiel zwei komplette Gefäßchirurgien in der Innenstadt und in Großhadern.

Nicht zuletzt spricht Verwaltungschef Koslowski von „deutlichen Personaleinsparungen“, vor allem in der Verwaltung und bei den Ärzten. Doch er verspricht: „Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben, wir wollen die natürliche Fluktuation nutzen.“

Gleichzeitig sollen profitable Bereiche wie die Transplantationsmedizin ausgebaut werden. Koslowski sagt darum: „Es ist kein Abbau, sondern ein Umbau.“

Johannes Welte

Städtische Häuser in Not

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Klinik-Skandal noch schlimmer

Misswirtschaft, Miese und geschönte Zahlen: Das Städtische Klinikum steht vor tiefen Einschnitten. Nach stundenlangen Beratungen genehmigte der Aufsichtsrat am Freitagabend einstimmig den Sanierungsplan der neuen Chefin Eliza­beth Harrison, die 340 Stellen vor allem bei den Ärzten streichen will. Zusätzlich muss die Stadt eine 100 Millionen Euro-Infusion anhängen. Es geht um Leben und Tod: Ohne die Operation würden die fünf städtischen Krankenhäuser Pleite gehen!

Heuer machen die Städtischen Kliniken fast 44 Millionen Euro Miese. „Die Lage ist dramatisch, aber die Sanierung machbar“, sagte Harrison. Verluste gebe es auch in den nächsten Jahren. 2015 rechnet die Chefin mit einer „schwarzen Null“ in der Bilanz. Aufsichtsratschef Hep Monatzeder sagte: „Jeder Stein wird umgedreht.“

Eliza­beth Harrison

Zunächst war es im Aufsichtsrat um Vergangenheitsbewältigung gegangen – auch, nachdem OB Ude in der tz Vorwürfe erhoben hatte: Die frühere Geschäftsführung habe Zahlen „geschönt“ – so war man heuer von einem Mini-Minus von 3,6 Millionen Euro ausgegangen. Drei Geschäftsführer (mit roten oder grünen Parteibüchern) waren nach dem Hygiene­skandal im Sommer 2010 gefeuert worden. Der vierte Chef ist noch im Amt: Der kaufmännische Geschäftsführer Franz Hafner ist seit Wochen und noch bis Monatsende krankgeschrieben …

Die Analyse der neuen Chefin mit Beratungsgesellschaften offenbart Misswirtschaft: Seit 2006 wachse der Markt in der Stadt um 2,5 Prozent pro Jahr, die städtischen Kliniken verloren dagegen Marktanteile von 21,4 auf 19,5 Prozent. Seit 2008 sei die Zahl der Stellen um 320 gestiegen, ohne dass Leistung oder Gewinne gewachsen seien. Die Kosten der Verwaltung lägen 35 Prozent über denen vergleichbarer Häuser. Die Organisation sei mangelhaft, Überstunden würden ohne Not angehäuft, teils seien Leistungen ohne Abrechnung erbracht worden.

An diesen Punkten will Harrison das Skalpell ansetzen: Von den 7100 Stellen sollen 340 vor allem unter den Ärzten und in der Verwaltung abgebaut werden – ohne Kündigungen im Rahmen des Kommens und Gehens der Mitarbeiter. Allerdings könnten befristete Verträge etwa von jungen Ärzten nicht verlängert werden. An der Pflege wird nicht gespart. Die Dienstpläne werden optimiert, moderne Computer-Verwaltung angeschafft, sämtliche Baumaßnahmen werden untersucht. Erst wenn das Programm einen Investoren-Test bestanden hat, darf die Stadt ihre rettenden 100 Millionen zuschießen.

David Costanzo

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