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Münchner Kliniken vor Corona-Kollaps: Verzweifelte Suche nach Intensivbetten

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Von: Andreas Beez

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Ärzte und Pflegekräfte kümmern sich um einen Coronapatienten.
Ärzte und Pflegekräfte kümmern sich um einen Coronapatienten. © dpa

Die vierte Corona-Welle trifft München mit immer größerer Wucht. Die Lage ist so ernst, dass schwerkranke Patienten bereits in Kliniken außerhalb Oberbayerns untergebracht werden mussten. Die Ärztlichen Krisenmanager schlagen Alarm.

„Situation so ernst und bedrohlich wie nie zuvor in dieser Pandemie“

Das Virus ist zurück – mit voller Wucht. Das Ausmaß des unerfreulichen Corona-Comebacks sei überraschend, sagen zumindest viele Politiker, und manche Ärzte pflichten ihnen bei. Zur Wahrheit gehört aber auch: Bereits im Sommer hatten Virologen und Intensivmediziner die maue Impfquote gerade in Bayern und weitreichende Lockerungen kritisch beäugt, vor einer dramatischen Verschärfung der Lage im Herbst gewarnt. Diese ist jetzt eingetreten. „Die Situation in den Kliniken ist so ernst und bedrohlich wie nie zuvor während dieser Pandemie“, sagten die Münchner Krankenhaus-Koordinatoren Privatdozentin Viktoria Bogner-Flatz und Dr. Dominik Hinzmann gestern der tz.

40 Kliniken auf Suche nach Intensivbett abtelefoniert

Die Folgen bekommen neben Corona-Opfern auch andere schwerkranke Patienten bereits zu spüren. Sie werden immer öfter vom Sanka ins Umland gekarrt, weil in München kein Intensivbett mehr frei ist. „In Einzelfällen haben wir vergeblich bis zu 40 Kliniken angerufen, um Intensivpatienten ohne Covid unterzubringen. Am Ende sind wir außerhalb Oberbayerns fündig geworden“, berichten die Ärztlichen Krisenmanager.

Intensivmediziner warnen vor „brandgefährlicher Gemengelage“

Sie beschreiben eine „brandgefährliche Gemengelage“ in Münchens Spitälern: „Wir haben zu viele Corona-Intensivpatienten, weil noch immer zu viele Menschen ungeimpft sind. Gleichzeitg gibt es mehr Notfallpatienten als bei den ersten Wellen, weil das tägliche Leben der Menschen kaum noch eingeschränkt ist. Dazu kommt der Pflegenotstand, nachdem immer mehr heillos überlastete Mitarbeiter erkranken oder kündigen“, so Bogner-Flatz und Hinzmann. Ihre eindringliche Warnung: „Die Inzidenzen müssen runter, sonst eskaliert der Versorgungsnotstand. Das klappt nur, wenn sich endlich mehr Menschen impfen lassen! Davon profitiert auch jeder Einzelne: Denn die allermeisten Geimpften landen niemals auf der Covid-Intensivstation – selbst dann nicht, wenn sie sich infizieren.“

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