Chefs sparen, Angestellte demonstrieren

Münchner Kliniken werden zum Notfall

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Beschäftigte der Städtischen Kliniken München demonstrieren vor dem Klinikum Schwabing für bessere Arbeitsverhältnisse.

München - Am Donnerstag sind die Angestellten der Münchner Kliniken auf die Straße gegangen. Wir erklären, warum die Krankenhäuser der Stadt zum Notfall werden.

Warum die Angestellten jetzt auf die Straße gehen Sie arbeiten an der Belastungsgrenze! Immer weniger Leute, aber gleichzeitig nicht weniger Aufgaben: Das ist die Lage an den Städtischen Münchner Kliniken. Die Angestellten leiden unter dieser Situation - und das zeigen sie jetzt auch öffentlich. Am Donnerstagnachmittag demonstrierten sie vor dem Klinikum Schwabing. Heinrich Birner, ver.di-Geschäftsführer in München, sagt: „Seit zwei Jahren wird im Städtischen Klinikum planlos Personal abgebaut. Offene Stellen werden einfach nicht mehr besetzt.“ Und das hat Folgen für die verbleibenden Angestellten … Krankenschwester Gabriele Vogler, die im Klinikum Neuperlach arbeitet, sagt: „Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass man sich in der Freizeit wirklich erholen kann.“ Denn: Immer wieder müssen Vogler und ihre Kollegen als Vertretung einspringen, weil die Personaldecke mittlerweile so dünn ist. Insgesamt sind rund 8550 Mitarbeiter bei den Städtischen Kliniken beschäftigt. Sie kümmern sich um circa 160 000 Patienten pro Jahr.

Warum die Städtischen Kliniken sparen müssen

Hygiene-Skandal, Misswirtschaft durch Chefs mit rot-grünen Parteibüchern, geschönte Zahlen, weit über 100 Millionen Euro Miese, drohende Pleite - und das alles erst seit 2010! Seitdem liegen die Städtischen Kliniken auf der Intensivstation, immer wieder braucht es Not-OPs. Erst im Sommer verabreichte der Stadtrat den fünf Krankenhäusern eine Finanzspritze über 200 Millionen Euro. Die Stadt hat die alte Führung gefeuert, im Februar 2011 übernahm Elizabeth Harrison die Geschicke, mittlerweile stehen ihr ein Arzt und ein Finanz-Chef zur Seite. Zunächst beruhigte sich die Lage kaum, zu groß war das Desaster aus der Vorzeit. In der Bau-Abteilung ging es drunter und drüber. In die Instandhaltung war praktisch nichts investiert worden. Jetzt geht es um Sanierungs- und Baukosten bis 1,5 Milliarden Euro! Um die zu drücken, droht den Häusern in Schwabing und Bogenhausen die Schließung - zugunsten einer einzigen neuen Nordklinik. Im vergangenen Jahr zeigte der harte Sparkurs erstmals im laufenden Betrieb Wirkung: 244 Stellen wurden eingespart, das Minus sank - sogar eine Million Euro stärker als erwartet. Eine schwarze Null ist aber frühestens 2015 drin.

DAC

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