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Münchner kochte für die Queen – Elizabeth erklärte ihm: „Man merkt schon, dass Du ein Deutscher bist“

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Von: Nadja Hoffmann

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Stefan Pappert aus München war jahrelang der Koch von Queen Elizabeth II. auf Schloss Windsor. Mit ihrem Tod ist seine berufliche Zukunft offen.

London/München – Menschen auf der ganzen Welt trauern um Queen Elizabeth II., die am vergangenen Donnerstag (8. September) 96-jährig gestorben ist. Denkt Stefan Pappert an die britische Monarchin zurück, kommen dem Spitzenkoch ganz besondere Erinnerungen. Seit 2017 stand er im Dienst der Queen und hat für sie an ihrem Wohnsitz Schloss Windsor gekocht. Dort, wo die Royals ganz privat sein können. Nun heißt es auch für den 44-Jährigen, dessen Karriere in München begonnen hat, Abschied zu nehmen.

Koch aus München bereitete Queen Elizabeth II. auf Schloss Windsor das Essen zu

Am Todestag der Queen hat Stefan Pappert im Wembley-Stadion gearbeitet. Der Küchen-Chef ist dort wie üblich am Herd gestanden, als er mittags eine Nachricht bekam. Alle Bediensteten der Queen wurden in den Buckingham Palast beordert.

Klar hatte Pappert zuvor die Nachrichten über den Gesundheitszustand gehört. Wie ernst die Lage ist, wurde allen aber erst an diesem Nachmittag bewusst. Über Stunden blieben die Mitarbeiter vor Ort. Eine Vorsichtsmaßnahme des Hofes, um ungewollte Interviews zu vermeiden. So lange, bis der Tod der Monarchin gegen 18.30 Uhr Ortszeit dann offiziell verkündet wurde.

Koch Stefan Pappert steht vor Schloss Windsor
Koch Stefan Pappert auf Schloss Windsor. © Stefan Pappert/Lucas Allmann/dpa

Münchner Koch bereitete der Queen das Essen zu – und bekam zur Wiesn Sonderurlaub

Seit Montag (12. September) ist Stefan Pappert nun zurück in München. Für einen Sonder-Urlaub, der ihm am Herzen liegt. Wie schon vor der Pandemie steht er während der Wiesn in der Küche des Löwenbräu-Zeltes. Sein Plan war, Anfang Oktober wieder in England zu sein. Genau dann, wenn Queen Elizabeth II. ihren Sommer-Aufenthalt in Schottland beendet hätte. „Das hat immer gut gepasst“, erinnert sich der 44-Jährige an das herbstliche Zusammentreffen auf Schloss Windsor.

Das Besondere an Windsor: Das Schloss diente seit einiger Zeit als Wohnsitz der Queen und ihrem Mann Prinz Philip, der 2021 gestorben ist. Hier konnten die beiden ganz privat sein. Wie Pappert erklärt, gab es dort – anders als im Buckingham Palast in London – keinen riesigen Apparat für das strenge höfische Protokoll, sondern nur einen Privatsekretär, der sich um alles gekümmert hat.

Weitere Zukunft als royaler Küchenchef ungewiss – König Charles III. hat eigenen Koch

Zum gesamten Privathaushalt von Queen Elizabeth II. gehörten neben ihrem Koch Pappert rund 300 Bedienstete: angefangen von der Floristin bis hin zum Gärtner. Der jetzige König Charles III. hat an seinem Wohnsitz Clarence House in London seinen eigenen Haushalt mit eigenen Angestellten. Zum Beispiel den Schweizer Koch Anton Mosimann.

Und Prinz William, der vergangene Woche nach Windsor ziehen wollte, lebt wieder nach eigenen Vorstellungen, wie Pappert erzählt. Viermal pro Woche kochen er und seine Frau Kate selbst für sich und ihre drei Kinder. Ob Pappert künftig noch für die Royals arbeiten wird, steht derzeit in den Sternen. „Dazu kann ich noch gar nichts sagen.“

Blickt Pappert auf die vergangenen fünf Jahre zurück, macht er das voller Dankbarkeit. Nicht nur wegen der schönen Erinnerungen an den royalen Alltag auf Schloss Windsor, sondern auch wegen der großen Ereignisse, die er als Koch begleiten durfte. Licht und Schatten lagen dabei nahe beisammen. Auf der einen Seite Glück und Freude bei der romantischen Traumhochzeit von Prinz Harry im Mai 2018. Trauer und Tränen dann bei der Beerdigung von Prinz Philip im April 2021. Das 70. Thronjubiläum der Queen in diesem Sommer war dann wiederum ein Kraftakt für das Küchenteam, mit bis zu 4000 Mahlzeiten pro Tag.

Queen Elizabeth II. mochte Papperts Kaiserschmarrn, Fleischpflanzerl und Blutwürste

Das erste Treffen mit der Monarchin? Sofort fällt Stefan Pappert ein spätes Sonntagsfrühstück ein: „Sie und Prinz Philip haben gern gebruncht.“ An jenem Sonntag im Jahr 2017 stand der Koch aus München bei eben einem solchen Brunch am Büfett und hat für die beiden Eier zubereitet. „Das war’s“, sagt er heute mit einem Lächeln. Die Situation sei für den gebürtigen Hessen ganz einfach und gleichzeitig auch ganz besonders gewesen.

Viel Zeit hat Pappert für die royale Familie während der Corona-Lockdowns am Herd verbracht. Die Queen war während der Pandemie über Monate mit ihrem Philip auf Schloss Windsor in Isolation. Eine schwierige Phase, die Pappert mit seinen Köstlichkeiten versüßt hat. Zum Beispiel mit Kaiserschmarrn samt Zwetschgenröster. Oder Christstollen, die extra aus München angeliefert wurden.

Wenn der Starkoch am Herd steht, dann greift er gern zu Rezepten seiner Großmutter. So werden seine Knödel genauso zu einem Fest wie Fleischpflanzerl oder – ganz herzhaft – seine Blutwürste. „Man merkt schon, dass Du ein Deutscher bist“, habe die Queen einmal zu ihm als Lob gesagt, erinnert sich der Küchenchef. Er durfte übrigens selbst nie das Wort an die Regentin richten. „Das ist ein No-Go.“ Umso schöner sei es gewesen, wenn sie ein Gespräch eröffnet hatte. Erinnerungen, die Stefan Pappert für immer bleiben.

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