Video: Münchner ließ es krachen

Krater-Edi sprengte den Frankfurter Uni-Turm

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Edi Reisch (48) im roten Schutzanzug auf dem Dach des ehemaligen Agfa-Geländes – hier hat der Feuerwerker den Kamin gesprengt.

München / Frankfurt - Eduard Reisch ist Sprengmeister aus Leidenschaft. Am Sonntag sprengte er erfolgreich den Frankfurter Uni-Turm. Doch Reisch hat sich auch schon "versprengt"...

Zweimal donnert es laut – dann kracht der riesige Turm in einer dicken Staubwolke zusammen. Sprengmeister Eduard Reisch (48) reibt sich die Hände. Wieder einmal hat der Münchner Feuerwerker ein Betonmonster in die Knie gezwungen – am Sonntagmorgen das 116 Meter hohe Universitätsgebäude in der Frankfurter Innenstadt. Es ist das höchste Haus, das je in Europa gesprengt wurde!

Rund 1000 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr sowie der Abbruch- und Sprengfirma sind im Einsatz, um die gefährliche Aktion begleiten – mit 32 Millionen Euro ist sie versichert. Etwa eine Tonne Gesteins-Sprengstoff zündet „Krater-Edi“, um das entkernte Gebäude mit 50 000 Tonnen Stahlbeton dem Erdboden gleich zu machen. Schon Wochen zuvor hat er den baufälligen Uni-Turm mit Sprengstoffstäben in 1400 Bohrlöchern geladen und verkabelt.

Edi Reisch (48) im roten Schutzanzug auf dem Dach des ehemaligen Agfa-Geländes – hier hat der Feuerwerker den Kamin gesprengt.

Am Sonntag ordnet der Sprengmeister eine Sperrzone an: Im Radius von 250 Metern wird alles evakuiert. Dennoch verfolgen 30 000 Schaulustige die Detonation um kurz nach 10 Uhr, die Reisch per Fernbedienung einleitet. Sie sehen, wie erst das Außengerüst des grauen Betonbaus, das 1972 hochgezogen wurde, in sich zusammensackt. Sekunden später zerbröselt auch der Gebäudekern. Der obere Teil fällt nach Süden, der untere nach Norden. Grauer Staub verdunkelt kurz den Himmel, danach wird der Blick frei auf die Lücke in der Frankfurter Skyline. Sekunden nach dem großen Knall gibt der Krater-Edi Entwarnung: Die Sprengung lief wie am Schnürchen! Eigens errichtete Erdwälle sowie eine Wasserwand der Feuerwehr mildern die Druckwelle auf umliegende Häuser und Straßen ab. „Des hod ois basst“, sagt Edi. „Meine Sprengungen sind chirurgische Eingriffe.“ Nur in einem nahen Hotel springen die Scheiben.

Generationen von Geisteswissenschaftlern hatten in dem Hochhaus der Frankfurter Goethe-Universität studiert, das Krater-Edi am Sonntag umgelegt hat. Auf dem freigewordenen Gelände will der Immobilienkonzern ABG zwei neue Büro-Türme bauen – sie werden Teil eines Geschäfts- und Wohnkomplexes, der bis 2019 entsteht. Bis dahin wird Edi Reisch noch einige Gebäude in die Luft jagen!

Die Dramen des Sprengmeisters

Ein Voll-Profi, einer der besten auf seinem Gebiet! Voll des Lobes ist Frank Junker, Chef der Frankfurter Baufirma ABG, über Eduard Reisch, der im Februar 2008 auch das alte Agfa-Hochhaus in Giesing gesprengt hatte. „Er ist ein über jeden Zweifel erhabener Sprengfachmann, einer der wenigen in der Republik.“

Auf 28 Jahre Erfahrung blickt Edi Reisch heute zurück, er hat Gebäude in der ganzen Welt geknackt. „Sprengmeister ist mein Traumberuf“, sagt er. selbst unter Wasser drückt er den Zünder, sprengt auch Kamine und Brücken. Mit fünf Jahren hielt er seinen ersten Feuerwerkskörper in der Hand. Aber er hat sich auch schon mal versprengt: In Hamburg sterben im Jahr 2000 zwei seiner Kollegen, als das Kesselhaus eines Heizkraftswerks umstürzt und die Männer unter sich begräbt. Reisch flüchtet, erhält vier Jahre Berufsverbot. Vor Gericht wird er wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zu seinem Spitznamen kommt „Kater-Edi“ 1995: Für einen Freund sprengt er in Andechs ein Loch, in dem ein Teich entstehen soll. Später behauptet ein Polizist, ein Meteorit sei dort eingeschlagen – und schlägt Alarm. Aus der ganzen Welt reisen Experten an – bis Edi alle aufklärt!

Andreas Thieme

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