Neuer Kniff soll bekannt gemacht werden

Nur sechs Minuten anstehen: So bekämpft das KVR erfolgreich die Warteschlangen

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Für den KVR das Idealbild der Marke „vorher - nachher“: Die elend langen Warteschlangen sollen durch die Onlineterminvergabe vergessen sein.

Die Stadt will Mitarbeitern in den Bürgerbüros eine Zulage von 200 Euro zahlen. Denn der tägliche Kampf mit Kunden ist wohl wenig attraktiv. Zudem ist eine Info-Kampagne über das neue System für Terminvereinbarungen geplant. Die erfolgen online und sollen Wartezeiten verringern.

München - Thomas Böhle wirkte dezent genervt. „Es steht immer nur in den Medien, was alles schlecht läuft“, sagte der Chef des Kreisverwaltungsreferates am Dienstag am Rande der Sitzung seines Ausschusses. Dass aber auch vieles schon gut laufe, die Wartezeiten sich verringert haben, das sei nirgends zu lesen. „Das schreibt niemand.“ Nun gut. Schreiben könnte man schon etwas. Denn das Kreisverwaltungsreferat hat bereits eine Onlineterminvergabe eingeführt, die aber nicht ausreichend bekannt ist. Daher sollen nun im Rahmen einer Kampagne für rund 183.000 Euro alle Haushalte informiert werden.

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Das hat der Ausschuss am Dienstag beschlossen. Ferner wird OB Dieter Reiter (SPD) gebeten, sich beim Freistaat dafür einzusetzen, dass den Mitarbeitern in den Bürgerbüros eine Zulage gezahlt werden kann, ähnlich wie das bereits in anderen Berufsgruppen, etwa durch die Arbeitsmarktzulage den Erzieherinnen, schon üblich ist. Denn neben der Umstellung auf die Onlineterminvergabe hat das KVR auch ein Problem mit der Personalgewinnung und dem -erhalt.

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Wartezeit auf Termin beträgt sechs Wochen

Die Terminvergabe funktioniert derzeit in den Außenstellen, die Zentrale an der Ruppertstraße soll noch umgestellt werden. Aktuell beträgt die Wartezeit auf einen Termin rund sechs Wochen - unabhängig von der gewünschten Dienstleistung. Saisonalbedingt können die Wartezeiten auf einen Termin variieren. Wer allerdings einen vereinbart hat, wartet im Bürgerbüro selbst laut KVR maximal sechs Minuten.

Die Verwaltung geht davon aus, dass von Anfang des Jahres bis zum 30. April etwa 243.000 Vorsprachen erfolgt sind, davon fanden 102.000 mit Termin statt und der geschilderten Argumentation zufolge ohne große Wartezeit. Das entspräche einem Anteil von 42 Prozent. Parallel zum neuen Terminvergabesystem baut das KVR das E-Government weiter aus, also die Erledigung von Behördengängen übers Internet.

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Suche nach neuen Arbeitskräften gestaltet sich schwierig

Das andere Problem Böhles ist das Personal. Die Akquise gestaltet sich schwierig, da München ohnehin nahezu vor der Vollbeschäftigung steht und Arbeitskräfte von außerhalb wiederum das Problem haben, in Stadt oder Umland eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Ferner ist in den Bürgerbüros eine hohe Fluktuation zu beklagen. 2017 betrug die Wechselquote 22,8 Prozent und lag deutlich über der des Vorjahres (16,7 Prozent). Laut Analyse der Verwaltung geht die „fehlende Kontinuität zu Lasten des Arbeitspensums und wirkt sich insgesamt negativ auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus“. Zum 1. Juni sind von 195 Stellen mit Parteienverkehr 34 Stellen unbesetzt. Dies entspricht einer Besetzungsquote von 87 Prozent.

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Neuer kommunaler Außendienst wird personell abgespeckt

Der neue kommunale Außendienst, der ab Juni im Bahnhofsviertel und in Teilen der Innenstadt patrouillieren soll, wird kleiner als geplant. Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) muss für dieses Haushaltsjahr sparen, 26 von den ursprünglich 100 genehmigten Arbeitsplätzen fallen weg. Die sind freilich noch nicht besetzt, mithin wird niemand entlassen. Gleiches gilt für die genehmigten neuen Stellen in den Bürgerbüros, davon entfallen 17. Beide Posten werden ins nächste Haushaltsjahr verschoben. Das hat der Kreisverwaltungsausschuss am Dienstag genehmigt.

Für die Opposition war das ein willkommener Anlass für Kritik. Grünen-Vize Dominik Krause wetterte: Es sei schon irritierend, wenn man etwas wie den Kommunalen Außendienst so dringend einführen wolle, „und dann aber ein Drittel der Stellen einspart“. Sebastian Schall (CSU) konterte, dass die Personalgewinnung derzeit nicht einfach sei. „Die war aber bereits letztes Jahr schon schwierig“, widersprach Cetin Oraner (Die Linke). Vor allem die Stellenstreichungen in den Bürgerbüros ergäben wenig Sinn, wenn man sich ständig über die langen Warteschlangen beklage.

Richard Progl (Bayernpartei) lehnte die Streichungen ganz ab, denn für das KVR seien die Stellen unerlässlich. Christian Vorländer (SPD) verteidigte die Sitzungsvorlage des KVR-Chefs. „Der neue Außendienst wird Anfang Juli draußen unterwegs sein, bis dahin können ohnehin nicht alle Stellen besetzt werden.“ Das rief Dominik Krause wieder auf den Plan, denn demnach ist ja nicht ausgeschlossen, dass 2019 sodann die gestrichenen Stellen wieder genehmigt werden.“ Jetzt heißt es, die Stellen hätten gar nicht besetzt werden können. Und dann stellen Sie sich hier als Sparfüchse hin.“

Sascha Karowski

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