Staatsanwalt versichert

Gurlitt soll hunderte Bilder bekommen

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Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz will Gurlitt hunderte Bilder zurückgeben.

München/Augsburg - Die Staatsanwaltschaft Augsburg will Cornelius Gurlitt zahlreiche Bilder "unverzüglich zur Rücknahme" anbieten. Mindestens 400 Werke gehören Gurlitt demnach zu Recht. 

Mehr als eineinhalb Jahre nach der Beschlagnahmung will die Staatsanwaltschaft Augsburg dem Kunsthändler-Erben Cornelius Gurlitt zahlreiche Bilder so schnell wie möglich zurückgeben. Dabei geht es um Kunstwerke, die nicht im Verdacht stehen, NS-Raubkunst zu sein und „zweifelsfrei im Eigentum des Beschuldigten stehen“.Diese sollen Gurlitt „unverzüglich zur Rücknahme angeboten werden“, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz am Dienstag mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft hatte laut „Sicherstellungsverzeichnis“ 1406 Kunstgegenstände beschlagnahmt. Das Justizministerium meldete 1280 beschlagnahmte Werke. Der Unterschied erklärt sich nach Einschätzung von Experten dadurch, dass manche Kunstwerke aus mehreren Einzelteilen bestehen. Bei etwa 970 Bildern wird geprüft, ob es sich um von den Nazis als „entartete Kunst“ verfemte Werke der klassischen Moderne oder um Raubkunst handelt. Somit wären es mehrere hundert Werke, die Gurlitt zustehen.

Doch dabei stellen sich praktische und rechtliche Fragen, wie Rechtsexperten im Bayerischen Landtag sagen. Das praktische Problem: Wenn Gurlitt die Bilder zurückbekommt, kann er sie nie mehr in seiner Schwabinger Wohnung aufbewahren - weil sie dort vor Kunstdieben nicht sicher wären. Der Wert der Sammlung ist unbekannt. Erste grobe Schätzungen hatten die Bilder auf einen Wert von mehr als einer Milliarde Euro taxiert. Die SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias regte den Bau eines „Museums mit spektakulärer Architektur“ an - in Würzburg.

SPD kritisiert das Vorgehen der Staatsanwaltschaft

Die rechtliche Frage: Durfte die Staatsanwaltschaft die Bilder überhaupt so lange behalten? „Es ist sehr erklärungsbedürftig, wie die Sache behandelt wurde“, sagte Franz Schindler (SPD), der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Landtag. Gurlitt wurde im September 2010 von Zollfahndern überprüft. Der Durchsuchungsbeschluss kam erst ein Jahr später. Die Beschlagnahmung folgte dann wieder ein halbes Jahr später vom 28. Februar bis 2. März 2012.

Das zeige, dass die Staatsanwaltschaft den Fall nicht für besonders dringlich gehalten habe. Gurlitt würden vergleichsweise kleine Straftaten vorgeworfen. Deswegen sei die lange Dauer der Beschlagnahmung eines so großen Vermögens „sehr fragwürdig“. Schindlers SPD-Kollege Georg Rosenthal hatte vergangene Woche sogar die Frage aufgeworfen, ob möglicherweise Schadenersatzforderungen Gurlitts auf den Freistaat zukommen. „Wenn der Mann einen guten Anwalt hätte, wäre der Teufel los“, mutmaßt Schindler.Am 28. November soll Justizminister Winfried Bausback (CSU) dem Rechtsausschuss im Landtag Rede und Antwort stehen.

Gurlitt soll keinen Anwalt haben

Soweit bekannt, hat Gurlitt nach wie vor keinen Anwalt. In einem am Wochenende veröffentlichten Interview des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ hatte der Kunsthändler-Erbe betont, er wolle alle Bilder wieder haben: „Freiwillig gebe ich nichts zurück.“

Die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim (1878-1937) forderten ein Bundesgesetz zur Rückgabe von NS-Raubkunst. Die Weigerung Gurlitts sei „eine schmerzhafte Nachricht für die noch lebenden Opfer des Nationalsozialismus und ihre Nachkommen“, erklärten die Anwälte der Erben Flechtheims.

dpa

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