Franziskus sieht's als Erster

Münchner Licht-Meisterwerk für den Papst

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In Blick in die Sixtinische Kapelle

München - Die wertvollsten Kunstschätze des Vatikan werden bald in einem ganz neuen Licht erscheinen, das Papst Franziskus als Erster sehen wird. Für die 7000 LEDs sorgt Osram aus München.

Die wertvollsten Kunstschätze des Vatikan werden bald in einem ganz neuen Licht erscheinen. Genauer gesagt: die rund 500 Jahre alten Gemälde in der Sixtinischen Kapelle, allen voran die berühmten Deckenfresken von Michelangel. Sie sollen künftig noch heller, noch farbenprächtiger und noch harmonischer zur Geltung kommen – dank eines lichttechnischen Meisterwerks, das Spezialisten von Osram in der wichtigsten Kapelle der Welt installiert haben. Sozusagen eine Münchner Erleuchtung für Papst Franziskus.

Seit mehr als zwei Jahren tüfteln die Osram-Profis bereits an dem neuen Konzept. Sie verbauen etwa 7000 LEDs und stimmen diese mit Hilfe von digitaler Steuerungstechnologie genau aufeinander ab. Das ehrgeizige Ziel: „Jedes einzelne Gemälde soll toll beleuchtet, aber kein Kunstwerk besonders hervorgehoben werden“, erläutert Projektleiter Mourad Boulouednine. „Die Farben wurden anhand von 280 Messpunkten exakt auf die Werke in der Kapelle fein­justiert.“

Die neue LED-Hightech garantiert eine Beleuchtungsstärke von 50 bis 100 Lux – etwa zehn Mal so hell wie bisher (fünf bis 10 Lux). Sie setzt die Kunstschätze aber nicht nur schöner in Szene, sondern vor allem schonender als alle anderen künstlichen Beleuchtungen. Denn die LEDs kommen ohne schädliche Wärme- und UV-Strahlung aus. Und: „Sie verbrauchen etwa 60 bis 80 Prozent weniger Strom als die bisherigen Leuchten“, sagt Osram-Manager Boulouednine.

Den Zuschlag für das Prestigeprojekt erhielt das Münchner Unternehmen übrigens im Rahmen eines EU-Wettbewerbs. Die Europäische Union übernimmt die Hälfte der Gesamtkosten von 1,9 Millionen Euro. Empfohlen hatte sich Osram unter anderem durch sein innovatives Lichtkonzept fürs Münchner Lenbachhaus. Im Vatikan arbeiten die Deutschen jetzt mit Experten aus Ungarn, Spanien und Italien zusammen.

Dabei darf nicht das Geringste schiefgehen: „Die Sixtinische Kapelle beinhaltet die außerordentlichsten Werke, die das menschliche Hirn jemals konzipiert hat“, betont Antonio Paolucci, Direktor der Vatikanischen Museen. „Sie ist Michelangelos Meisterstück. Sie zu beleuchten, ist eine heikle und verantwortungsvolle Aufgabe. Die gesamte Welt blickt dabei auf uns.“ Und vor allem Paoluccis Chef: „Der Allererste, der die neue Beleuchtung sehen wird, ist der Papst. Denn es ist seine Kapelle: die wichtigste Kapelle der Welt.“

Nach Franziskus dürfen bald auch seine Schäfchen das Wunderwerk aus alten Meistern und neuer Technik in Augenschein nehmen: Die Fertigstellung der Lichtanlage ist für den 18. Februar 2014 geplant. Dann jährt sich der Todestag von Michelangelo zum 450. Mal.

Ein Besucheransturm ist garantiert: Schon jetzt stehen sich täglich etwa 25 000 Menschen – oft stundenlang – die Beine in den Bauch, um einen Blick in die Sixtinische Kapelle werfen zu können.

Bei Osram hofft man, dass sich die Lichtanlage als Leuchtturmprojekt erweist, der dem Konzern den Weg zu weiteren Großaufträgen ebnet. Dabei bleibt der Vatikan den Münchnern hoffentlich als Vorzeige-Kunde erhalten. Jedenfalls lässt Museums-Chef Paolucci schon mal durchblicken: „Nach der Sixtinischen Kapelle sollen Raffaels Werke von LEDs beleuchtet werden. Ziel muss es sein, die gesamten Vatikanischen Museen umzurüsten.“ Klingt nach neuen Licht-Highlights made in München . . .

Andreas Beez

Licht lohnt sich

Osram ist ein Münchner Traditionsunternehmen, das seit über 100 Jahren mit Leuchtmitteln wie Glühbirnen, LEDs und anderen Produkten rund ums Thema Licht Geschäfte macht. 2012 erwirtschaftete der Konzern – unser Foto zeigt den neuen Hauptsitz in der Parkstadt Schwabing – einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Osram betreibt 39 Werke in 15 Ländern, für die Licht-AG arbeiten 39 000 Menschen. Bis zum Börsengang am 23. September 2013 war Osram 35 Jahre lang eine 100prozentige Tochter der Siemens AG. Heute hält Siemens noch 17 Prozent der Aktien. Osram ist an der Frankfurter Börse im MDAX vertreten.

Wichtigste Kapelle der Welt

Die Sixtinische Kapelle – erbaut 1475 und 1483 – liegt im Herzen des Kirchenstaats, unmittelbar nördlich des Petersdoms. In dem Gotteshaus, das zum Apostolischen Palast gehört, wird traditionell das Konklave (Wahl des Papstes durch die Kardinäle) zelebriert. Zudem beherbergt die wichtigste Kapelle der Welt berühmte Kunstschätze, Gemälde von bedeutenden Malern der Renaissance zieren die Wände. Besonders berühmt sind die Deckenmalereien von Michelangelo Buonarroti. Der Meister schuf die Fresken zwischen 1508 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II. Sie zeigen Szenen aus der Genesis auf insgesamt 520 Quadratmetern mit 115 überlebensgroßen Charakteren, darunter die „Erschaffung Adams“ (Quelle: Wikipedia)

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