Münchner Maler gehen auf Bohlen los

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DSDS-Juror Dieter Bohlen

München - Der Kandidat soll etwas aus seinem Leben machen, er wolle doch „kein Hartz-IV-Empfänger oder Anstreicher werden“. Mit diesem „guten Rat“ bringt DSDS-Chef-Juror Dieter Bohlen die Münchner Maler in Rage. Ihr offener Brief an den Pop-Titan.

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Samstagabend, 20.15 Uhr, RTL, Deutschland sucht den Superstar. Der Münchner Roland Keil (58) liegt gemütlich auf dem Sofa und sieht gar nicht richtig hin. Plötzlich reißt es ihn. Hat Bohlen das gerade wirklich zu dem Kandidaten gesagt? „Es wäre Perlen vor die Säue, wenn du irgendwann Hartz IV-Empfänger bist oder irgendwie Anstreicher oder so …“

Sind empört: Geschäftsführer Roland Keil und Maler Markus Podolack von der Münchner Reinhold Knoll GmbH

„Dieser Vergleich ist unterirdisch und eine Sauerei!“ Bohlens Worte an den Ex-Knacki Nico Raecke (23) treffen ins Mark des Chefs des Familien-Malereibetriebs Reinhold Knoll. Auch bei seinen 37 Angestellten in Obersendling gibt es seither nur dieses eine Thema. Der Tenor: „Ja, spinnt der? Wir sind doch nicht doof!“ Rückendeckung gibt’s von Michael Doll der Malerinnung München: „Es gibt so viele Dummschwätzer!“ Auch in vielen Internetforen machen Maler ihrem Ärger Luft. So schreibt einer etwa: „Ein Anstreicher wird wohl mehr geleistet haben als diese kleine Witzfigur im gesamten Leben.“ Ein anderer kommentiert: „Finde es ’ne Sauerei von Bohlen bei Nico Hartz IV-Empfänger und Anstreicher gleichzustellen. Solche abwertende Kommentare sind unnötig und gehören nicht ins TV!“ Maler-Aufstand gegen Bohlen!

Keil wurmt vor allem, dass Bohlen ein Vorurteil nährt: „In Deutschland denken ohnehin zu viele, dass Handwerker nichts im Kopf haben. Genau wegen diesem Image haben wir im Malerberuf Nachwuchsprobleme.“ Und nun diese Worte vor 6,73 Millionen Zuschauern. „Das ist eine Verleumdung eines ganzen Berufsstandes.“ Keil ist so wütend, dass er an diesem Abend keine Ruhe findet. Er setzt sich an den Rechner und schreibt einen offenen Brief an Dieter Bohlen und schickt ihn an die tz. „Nur so erfährt die Öffentlichkeit, dass solche Äußerung ein absoluter Schmarrn sind.“ Dieser Berufszweig sehr komplex und stelle hohe praktische und intellektuelle Anforderungen (siehe unten). „Ein Maler ist bei uns auch mit der dekorativen Malerei, im Vollwärmeschutz, der Betonsanierung und dem Korrosionsschutz beschäftigt.“ Er trage eine große Verantwortung: Wenn einer seiner Angestellten etwa einen Alkyd-Harzlack auf einen Acryllack auftrage, dann bekämen die Fenster Risse und Blasen. „Das ist ein Riesen-Schaden. In der Betonsanierung geht es sogar um Menschenleben, wenn zum Beispiel Säulen in der Tiefgarage oder Balkone sicher gemacht werden müssen.“ Nicht selten komme es vor, dass ein Auftrag Monate dauere und ein Arbeitstag von 6.30 Uhr bis 17.45 Uhr gehe.

Zudem sei der Beruf des Malers auch einer mit guten Karriere-Chancen. Roland Keil: „Ein Facharbeiter verdient ohne Zulagen etwa 2400 Euro im Monat. Und wenn er seine Gesellenprüfung geschafft hat, kann er nach zwei Jahren auf die Meisterschule gehen und danach Firmen mit Umsätzen in Millionenhöhe führen. Der Diplom-Ingenieur Keil hat nach dem Tod des Schwiegervaters den Betrieb übernommen und kann nun jährlich ein Umsatzvolumen von durchschnittlich 3,1 Millionen Euro vorweisen. Die Aufträge können sich sehen lassen: Elf U-Bahnhöfen hat die Firma zu neuem Glanz verholfen, zuletzt dem in Moosach. Die Angestellten haben im Nationaltheater die Säulen marmoriert, am Arco-Palais die Fassade aufpoliert und dem Mittelbau von Schloss Schleißheim zu seinem Glanz verholfen. „Ich lade Herr Bohlen gerne ein, mal einen Tag bei uns vorbeizuschauen. Dann wäre er schnell kleinlaut.“

Nina Bautz

Innung: So schwer ist eine Gesellenprüfung

„Die Carbonatisierungstiefe wird mit Hilfe von Phenolptha-leinlösung an einer Schadstelle geprüft. Beschreiben Sie die Durchführung dieser Prüfung und erklären Sie das Prüfergebnis.“ Sie verstehen nur Bahnhof, liebe Leser? Das ist eine Aufgabe aus der Gesellenprüfung Sommer 2010 im Ausbildungsberuf Maler und Lackierer, Prüfungsteil B2 „Instandhaltung und Bautenschutz“. „Das beweist wohl, dass es bei diesem Beruf nicht nur darum geht, Wände weiß anzustreichen“, sagt der Leiter des Berufsbildungszentrums der Münchner Malerinnung, Michael Doll. „Ich stelle infrage, ob Herr Bohlen unsere Gesellenprüfung bestehen würde?“ Er führt an, das etwa 25 Prozent der jährlich um 130 Maler-Lehrlinge in München die Gesellenprüfung nicht packen würden. Sie besteht aus zwei Teilen: Fünf Stunden schriftliche Prüfung mit 80 Prozent offenen Fragen aus den Bereichen Wirtschaft- und Sozialkunde sowie Gestaltung und Instandhaltung. „Da sind vor allem chemische, physikalische und fachmathematische Kenntnisse gefragt.“ Dazu kommt eine 24-stündige praktische Prüfung mit bis zu zehn Aufgabenstellungen.

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