Ferenczy: Der „Doyen der Macht“ starb als armer Mann

München - Er war Medienmanager, als es diesen Beruf hierzulande noch gar nicht gab, und er hat geholfen, seine Wahlheimat München zu einer internationalen Medienstadt zu machen. Jetzt ist Josef von Ferenczy im Alter von 92 Jahren gestorben.

Josef von Ferenczy fiel auf bei den Empfängen und Gesellschaften, die sich mit seiner Anwesenheit zierten, und bei den legendären Festen, die er selbst gab. Nicht durch Körpergröße, auch nicht durch den großen Auftritt, wie ihn etwa ein Rudolph Moshammer zu inszenieren wusste. Der Mann, der jahrzehntelang Medien, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenbrachte und zusammenhielt, bestach durch das, was er zu seinem Lebensmotto gemacht hatte: Haltung.

Edler Anzug, Seidenkrawatte, das Haar so korrekt getrimmt wie das Menjou-Bärtchen – ein Grandseigneur, der die Verbeugung und den Handkuss beherrschte, als wäre er bei einem Zeremonienmeister der k.u.k-Monarchie in die Lehre gegangen: Ein wenig schien der gebürtige Ungar mit dem unverwechselbaren, sorgsam kultivierten Puszta-Akzent aus einer anderen, längst vergangenen Zeit zu stammen. Wären da nicht die wachen, dunklen Augen gewesen, der untrügliche Geschäftssinn und das unbedingte Interesse an der Gegenwart, das ihn noch im hohen Alter zum begehrten, aber oft auch unbequemen Ratgeber machte.

Von Ferenczy, am 4. April 1919 im ungarischen Kecskemét geboren, musste schon als Jugendlicher miterleben, wie die Familie verarmte. Er schleppte Obstkisten und verkaufte Leitungswasser im einzigen Kino des Ortes. Mit 19 gründete er in Budapest ein eigenes Reklamebüro. Als Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten 1944 interniert und 1948 zeitweise verhaftet, kam Josef von Ferenczy 1951 über Wien nach München – völlig mittellos und ohne ein Wort Deutsch zu sprechen.

Früher als andere erkannte er, dass Information eine Ware ist. Der Durchbruch im Mediengeschäft gelang ihm mit einem Dokumentarfilm über die Fußball-WM 1954, die später als deutsches „Wunder von Bern“ in die Geschichte einging. Dann ging es lange Zeit beruflich nur noch aufwärts: Die „Ferenczy Media Holding“ stieg zur wichtigsten deutschen Medienagentur auf. Ferenczy entdeckte den Schriftsteller Heinz G. Konsalik, verlegte die Memoiren von Willy Brandt, begleitete den Siegeszug des Aufklärers Oswald Kolle in deutsche Wohn- und Schlafzimmer. Nebenbei erfand er die Illustrierten-Serie – mit 40 Folgen über die Nürnberger Prozesse in der „Münchner Illustrierten“, aus der später die „Bunte“ hervorging. Eher im verborgenen blühte ein weiteres Talent Ferenczys: Er verhalf Firmen diskret zu einem besseren Image, lange bevor es den Begriff „Public Relations“ gab. Der Spiegel titulierte ihn als „Erfinder der atmosphärischen PR“ und „Doyen der Macht“.

Neben dem wahr gewordenen Traum vom Erfolg hatte der „leidenschaftliche Ungar, treue Deutsche und begeisterte Europäer“ eine Vision: Den „Dialog der Gegensätze“, der eine in Ost und West geteilte Welt einen sollte. Getreu dem Motto: „Wenn etwas nicht geht, dann mache ich es“, beriet er gleichzeitig Franz-Josef Strauß und Willy Brandt, zählte den Palästinenserführer Yassir Arafat ebenso zu seinen Freunden wie den jüdischen Schriftsteller Ephraim Kishon. Als „Weg zu den Menschen“ beschreibt er das in seiner Biografie. Wie viele internationale Größen ganz ohne öffentliches Aufsehen in seiner Grünwalder Villa zu Gast waren, wusste wohl nur er selbst.

Privat musste Ferenczy den Verlust jener Menschen hinnehmen, die ihm am meisten bedeuteten. Seine Söhne Csaba und Andreas wurden nur 52 Jahre alt. Im Mai vergangenen Jahres musste Ferenczy – krank und im Rollstuhl – auch von seiner geliebten Frau Katharina Abschied nehmen, mit der er 60 Jahre lang glücklich verheiratet war. Hatte er 2001 die Insolvenz seines Firmenimperiums noch kämpferisch quittiert („Nur wer sich aufgibt, ist ein Verlierer“), raubte ihm dieser Schicksalsschlag den Lebensmut. „Zutiefst traurig“ ließ er, den Zwangs-Auszug aus seiner Grünwalder Villa vor Augen, im Dezember 2010 Hab und Gut versteigern. „Ich hoffe sehr, dass ich den Tag nicht mehr erleben muss, an dem ich mein Zuhause verlassen muss“, sagte er dieser Zeitung. Vor wenigen Wochen zerschlug sich diese Hoffnung. Josef von Ferenczy, der große Freund der Mächtigen, starb Sonntagnacht verarmt im Grünwalder Altenheim Römerschanz.

Peter T. Schmidt

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