1. tz
  2. München
  3. Stadt

Der Erbkrieg im Hause Finck

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Helmut Baron von Finck (50) will mit einer Klage vor Gericht die Enterbung seiner Brüder Wilhelm und August jun. erreichen. © Sigi Jantz

München - Erbstreit in einer der reichsten Familien Deutschlands: Helmut von Finck wurde 1985 mit 65 Millionen D-Mark abgefunden – jetzt will er einen ordentlichen Nachschlag.

Die Anwälte dürfen sich schon jetzt die Hände reiben: In einer der reichsten Familien der Welt, der Münchner Geld-Dynastie von Finck, ist der Kampf um ein Milliardenvermögen entbrannt. Helmut von Finck (50), Spross des 1980 verstorbenen Milliardärs August von Finck, will seine beiden Halbbrüder enterben lassen. In den nächsten Tagen will er beim Münchner Landgericht Klage einreichen und damit durchsetzen, dass der Vertrag, mit dem er vor 25 Jahren für 65 Millionen Mark auf einen Großteil seines Erbes verzichtete, für nichtig erklärt wird. Das berichtet der Spiegel.

null
Ein Bruder von Baron Helmut: August von Finck jun. © dpa

Es wird ein schwieriger Gang für den 50-jährigen Baron, der sich heute am liebstem auf einem Gut bei Soltau in der niedersächischen Provinz aufhält, wo er Pferde züchtet. Denn die Auseinandersetzung ist alles andere, als ein Kampf auf Augenhöhe. Auf der einen Seite stehen die erfolgreichen Erben der Familie: Halbbruder August (79), der nach Angaben des US-Magazin Forbes 4,6 Milliarden Euro schwer ist, und Wilhelm von Finck jun, Sohn des 2003 verstorbenen Bruders Wilhelm, dessen Vermögen das manager magazin auf 1,7 Milliarden Euro beziffert. Auf der anderen Helmut von Finck, der über sich selbst dem Spiegel sagte: „Ich war immer das scharze Schaf.“

Das sind die reichsten Deutschen

Tatsächlich ist der Werdegang des Milliardärs-Sohnes ein Beispiel dafür, dass Geld das Leben nicht unbedingt immer leichter machen muss – zumal, wenn man unter dem Liebesentzug des Vaters leidet.

Der ist bei der Geburt des Sohnes schon 61 und hat wenig übrig für den Bub seiner zweiten Frau Gerda Mau. Nur Leistung zählt für den knorrigen Grandseigneur – und die kann der kleine Helmut nicht liefern. Als er zwölf Jahre alt gewesen sei, so erzählt er dem Spiegel, habe der Vater zum letzten Mal mit ihm gesprochen. Er wird ins Internat abgeschoben, scheitert trotzdem am Abitur, wird drogensüchtig und zieht schließlich als Bhagwan-Mönch in die USA. Als der Vater 1980 schließlich stirbt, demütigt er Helmut noch einmal: Zwar sieht das Testament eine Dreiteilung vor, aber seine Finanzen sollen bis zu seinem 38. Geburtstag unter Aufsicht gestellt werden! Und danach ist er auch nur Vorerbe – erst sein Sohn Nino soll nach seinem Tod frei über das Erbe verfügen dürfen. Doch das ist Helmut von Finck zu diesem Zeitpunkt alles egal. Er habe genug vom Geld, sagt er 1984 einer Journalistin.

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Die seriösen Brüder August und Wilhelm von Finck fürchten die Allüren des Familien-Hippies und wollen ihn loswerden. Das gelingt am 14. Februar 1985, als Helmut – nach „etlichen LSD-Trips“, wie der Spiegel schreibt, für 65 Millionen Mark einen Vertrag unterschreibt, in dem er auf alle persönlichen Ansprüche aus dem Erbe verzichtet – und als Gesellschafter auch aus der Bank ausscheidet.

65 Millionen statt einiger Milliarden – kein Wunder, dass sich Helmut von Finck heute über den Tisch gezogen fühlt. Aber wie will er an das Geld seiner Verwandten kommen?

August und Wilhelm von Finck haben die Familienbank 1990 an Barclays verkauft. Das hätten sie nicht tun dürfen, sagt Helmut von Finck, dies sei ein Verstoß gegen das Testament des Vaters. Ob dies auch die Richter so sehen? Nino von Finck hat sich bei einer Machtprobe mit der superreichen Verwandtschaft schon die Zähne ausgebissen. Vor drei Jahren wollte er wissen, wie groß sein zu erwartendes Erbe sei. Doch die Richter lehnten das Auskunftsbegehren ab. Der Vater hofft, dass er erfolgreicher ist. Unterstützt wird er dabei laut Spiegel von reichen Unternehmern. Die finanzieren ihm den Prozess – und hoffen auf ein dickes Stück vom Milliardenkuchen.

tz

Auch interessant

Kommentare