Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Münchner müssen Packerl immer öfter in Filialen holen

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Viele Paketboten haben neue Verträge in einem Subunternehmen der Post und sind damit unzufrieden.

München - Viele Münchner bekommen ihr lange erwartetes Paket nicht mehr vom Postboten, sondern müssen es in der Postfiliale abholen. Das nervt derzeit viele Münchner.

Sie waren ganzen Tag zu Hause, haben das Radio leise gestellt und nicht mal den Müll runtergebracht. Trotzdem landet Ihr lang erwartetes Paket in der Postfiliale. Wenn der Postmann nicht mehr klingelt – das nervt derzeit viele Münchner. Und sie beobachten, wie ständig neue Packerlboten in ihrem Viertel unterwegs sind. Grund für das Packet-Wirrwarr ist eine Umstrukturierung bei der Post.

Seit 1. April sind viele Paketboten in einem regionalen Subunternehmen der Post angestellt, der DHL Delivery GmbH. Dort wurden Zusteller, die befristet beschäftigt waren, laut Postmitteilung „bevorzugt eingestellt“ und erhalten einen unbefristeten Vertrag. Doch die langersehnte Festanstellung hat einen Haken: Es gibt weniger Geld. Die tz klärt auf:

Anton Hirtreiter ist Post- und Logistikexperte bei Verdi und kritisiert die Post für das neu gegründete Subunternehmen scharf.

Warum gibt’s weniger Lohn? Für die Befristeten galt bislang der Haustarif, das sind 1970 Euro im Monat plus zahlreiche Zulagen. In der neuen Gesellschaft werden die Beschäftigten nach den Bestimmungen der Speditions- und Logistikbranche bezahlt. Laut Anton Hirtreiter von Verdi verdienen Postler jetzt 2000 Euro weniger im Jahr. „Mit jedem Jahr wird der Unterschied zwischen Postlern und Delivery größer“, sagt Hirtreiter. Denn nach zwei Jahren werden die Postler höher eingestuft, die Kollegen von der Delivery nicht. Das Weihnachtsgeld ist gestaffelt, 807 Euro gibt’s nach zehn Arbeitsjahren.

Wer ist mein Paketbote? In München fahren 250 Mitarbeiter für die Delivery. Laut Post ist etwa die Hälfte vorher bei der Post angestellt gewesen.

Warum kommt ständig ein neuer Paketbote? Weil immer mehr Pakete verschickt werden, wurden neue Paketboten eingestellt. Zustellbezirke wurden neu aufgeteilt. Pakerlboten, die jahrelang im selben Viertel gearbeitet haben, beliefern neue Gebiete oder werden als Springer eingesetzt.

Warum klingelt der Postbote nicht mehr? Laut Gewerkschafter Hirtreiter hat die Post Schwierigkeiten im neuen Betrieb. Die Delivery ist im Gegensatz zur Post klein, Krankheitsvertretungen sind schwierig zu organisieren und es gibt keine Kollegen mit langjähriger Erfahrung. Die neuen Kollegen müssen eingelernt werden. „Bei der Delivery müssen Überstunden bezahlt werden, aber wir hören da anderes“ kritisiert Hirtreiter. Die Boten werden auf ihrer Tour nicht fertig, weil’s zu viele Pakete sind.

Werden in München sonntags Pakete geliefert? Auf Nachfrage der tz erklärt die Post, dass am Sonntag, den 17. Mai Paketboten unterwegs waren. Wegen des Streiks waren Päckchen liegengeblieben. Delivery darf nicht streiken.

Ständig andere Postboten

Lagerist Stefan (34), Sarah (33) und Philipp (2) Gasler aus Nymphenburg: "Wir haben die Vermutung, dass der Packerlbote es gar nicht mehr bei uns zu Hause versucht, sondern unsere Pakete direkt hier in der Postfiliale landen. Früher hatten wir immer denselben Boten, den haben wir auch gekannt. Aber mittlerweile kommt ständig ein anderer Postbote. Unser Tipp ist, sich die Pakete in die Arbeit liefern zu lassen. Das sollte man aber mit dem Arbeitgeber absprechen. Dann spart man sich den ständigen Gang zur Post nach Feierabend."

Bin Stammgast auf der Post

Susanne Sabbahi (38), Bankkauffrau aus Neuhausen: "Seitdem ich schwanger bin, bin ich Stammgast auf der Post. Ich bestelle viel für das Baby. Samstags bin ich eine Stunde angestanden. Meine Nachbarn haben erzählt, dass der Postbote oft nicht mehr klingelt. Sonst müsste er wahrscheinlich viele Überstunden schieben. Ich wollte auch nicht mit den Postboten tauschen.

Ich bin tagsüber selten daheim

Andreas Rust (48), Diplom-Ingenieur aus Neuhausen: "In meinem Paket ist ein gebrauchtes Blitzgerät für meine Kamera, das ich gerade abgeholt habe. Ich musste gar nicht lange Schlange stehen, heute scheint nicht viel los zu sein in meiner Postfiliale. Ich bestelle nicht besonders oft Dinge im Internet. Aber wenn ich ein Paket erwarte, dann bin ich sicher nicht daheim. Deshalb landen die Pakete immer bei einem Nachbarn oder in der Postfiliale."

Jasmin Menrad

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