Ude ist jetzt Doppel-Prof. in China

Münchner OB Ude von Uni Shanghai geehrt

+
Die ideale interkulturelle Mischung: OB Ude zeigt, wie man eine Weißwurst mit Stäbchen isst. Neben ihm die Fotokünstlerin Xiao Hui Wang.

Shanghai - Christian Ude sammelt neuerdings akademische Ehren­titel fernab der Heimat: Jetzt wurde er von der Tongji-Universität Shanghai zum „beratenden Professor“ ernannt.

Genauer gesagt zum Advisory ­Professor – eine noch höhere Würdigung als die Position des Gastprofessors, die er 2003 in der Nankai-Universität in der drittgrößten chinesischen Stadt Tianjin erhielt.

Vor seiner Ernennung zum „Prof.-Prof.“ hielt Ude, einen Tag nach seinem 62. Geburtstag, eine Vorlesung vor 800 Studenten. Großartig vorbereiten musste er sich nicht, denn sein Thema lautete „Das Leben in München“. Stadtgeschichte, kulturelle und ökonomische Entwicklung, kommunale Selbstverwaltung, all das schüttelt Ude aus dem Ärmel. Wichtig waren ihm in der sich rasend schnell verändernden chinesischen Metropole vor allem die Aspekte einer „humanen Stadtsanierung und die Potenziale eines ökologischen Stadtumbaus“.

Das ist Udes Weg, an der einen oder anderen Stelle ein wenig Einfluss auf die Entwicklung im Riesenreich zu nehmen. „Ich habe nie behauptet, China sei ein demokratischer Rechtsstaat,“ sagt er. „Aber der Dialog ist für uns die einzige Chance und der sinnvollste Weg.“ Deshalb bedeuten ihm die Gespräche mit Kommunalpolitikern und Studierenden so viel: Ihnen kann er etwa ans Herz legen, „Stadtquartiere nicht einfach auszuradieren, weil das auch den sozialen Zusammenhalt zerstört“. Jedes Jahr im Herbst begibt sich der Münchner OB in die chinesische Gegenwart. Begleitet wurde er auch heuer wieder von seiner Gattin Edith von Welser-Ude: Die Fotografin hat hierzulande schon mehrere Ausstellungen veranstaltet, in denen sie die rasanten Veränderungen in chinesischen Städten dokumentiert. So war sie vor einigen Jahren verblüfft, dass die gewohnten Radlerhorden auf den Straßen Shanghais mit einem Schlag fast verschwunden waren. Alle wollten ein Auto – eine erschreckende Vorstellung.

Diesmal bemerkten die Udes Zeichen eines ökologischen Umdenkens: „Umwelt­belastende Betriebe sind beseitigt worden,“ so der OB zur tz. Abgeholzte Flächen würden aufgeforstet, seine Amtskollegen hätten von Anstrengungen berichtet, die Energieproduktion umweltfreundlicher zu gestalten.

Beim Treffen mit dem Shanghaier Oberbürgermeister Zheng Han war die Entwicklung des Messewesens ein weiteres Thema – die Münchner Messe ist durch ein Joint Venture an der Messe Shanghai beteiligt. Han sicherte schon Udes nächste China-Reise: Er lud ihn zur Expo 2010 ein. Bei der Weltausstellung wird auch die Wahl-Münchnerin Xiao Hui Wang vertreten sein.

Die Architektin und Fotokünstlerin lebt auch in Shanghai und wirkt dort als Professorin an der Tongju-Uni. Für die Expo bereitet die 52-Jährige einen Pavillon vor. Die Ausstellung heißt Better City, Better Life. „Mein Lieblingsthema,“ freut sich Ude. Die Messe Peking, wo der OB auch Station machte, ist nach dem Vorbild der Münchner Hallen errichtet. „Dass München Pate stand, sagen die sogar in ihrer Werbung!“

In Anting vor den Toren Shanghais hielt Ude einen Vortrag „mit dem provozierenden Titel: Städte ohne Kultur – Städte ohne Seele“. Die Erweiterung Anting New Town (German Town) wurde vom Frankfurter Architektenbüro Albert Speer nach dem Vorbild deutscher Mittelstädte geplant. „Von den zehn größten Autozulieferern sind sieben in der sogenannten Autostadt Anting vertreten,“ so Ude. Er appellierte, nicht nur das bauliche kulturelle Erbe zu erhalten, sondern auch die soziale Zusammensetzung in sanierungsbedürftigen Wohnquartieren. In Anting bekam Ude den goldenen Stadtschlüssel, und er darf sich jetzt „Bürger ehrenhalber“ nennen.

Daheim in München hingegen hat sich Ude bei einer Milliarde Chinesen unbeliebt gemacht. Sie alle seien böse auf ihn, das behauptete zumindest die Generalkonsulin der Volksrepublik, nachdem er 2003 den Dalai Lama empfangen hatte. Yao Yazhen tadelte den OB schriftlich. Ude fand den Vorwurf „vollkommen haltlos“. Er schrieb zurück: „Ich lasse mir von niemandem das Recht nehmen, bedeutende Persönlichkeiten in München willkommen zu heißen.“

Barbara Wimmer

Auch interessant

Meistgelesen

Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Münchner lockt mit lebenslanger Döner-Flatrate - wenn Sie ihm diesen kleinen Gefallen tun
Münchner lockt mit lebenslanger Döner-Flatrate - wenn Sie ihm diesen kleinen Gefallen tun

Kommentare