Münchner (27) will Flaucher schützen

Sauber! Er kämpft gegen die Saubären

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Sebastian Genrich (27) verteilt kostenlos Mülltüten – und Zettel, die zur Sauberkeit mahnen.

München - Sebastian Genrich ist ein Vorbild. Der 27-Jährige setzt sich für die Sauberkeit am Flaucher ein und verteilt kostenlose Müllbeutel.

An jedem Wochenende geht Sebastian Genrich an der Isar auf die Pirsch. Sein Revier ist Münchens größte Grillhalde am Flaucher. Seine Waffen sind Müllbeutel, selbstgemachte Schilder und Appelle an die Vernunft. Der 27-Jährige ist Münchens Saubären-Jäger!

Am Morgen nach jedem schönen Sommerabend am Wochenende erwacht der Flaucher unter einer Mülldecke. Genrich langt’s! Seit heuer Sommer verteilt er kostenlos Müllbeutel, spricht die Griller an und stellt mahnende Schilder auf. Von 14 Uhr bis 24 Uhr ist er unterwegs, oft auch schon am Freitagabend. Mit Erfolg! „Die meisten Reaktionen sind sehr positiv, oft wird mir sogar ein Bier spendiert“, sagt er.

Logisch: Ab und zu, wenn auch selten, kommt Kritik: „Einmal hat mich eine blonde Frau gefragt, ob ich nichts Besseres zu tun habe.“ Genrich lässt sich nicht drausbringen von solchen Kommentaren. Er macht das, was er für richtig hält – ohne, dass er dabei ein Spaßverderber sein möchte. „Ich feier ja auch oft mit den Leuten, trinke ein Bier mit.“ Es gehe ihm nur darum, dass das Partyvolk den Müll auch wieder wegräumt.

Wenn Genrich merkt, dass sein Anliegen angenommen wird, ist er zufrieden. „Die Leute erkennen einen wieder. Manche, denen ich am Vortag noch Tüten geschenkt habe, haben am nächsten Tag ihre eigenen dabei.“ So was freut ihn.

Die Tüten bezahlt der Saubären-Jäger übrigens aus der eigenen Tasche. Aber das sei schon in Ordnung: „Da kriegt man ein paar Hundert für fünf Euro.“

Dennoch muss sich der Mann auch ab und zu ärgern. „Da kommt man am nächsten Morgen – und im Wasser liegen ganze Grills! Und neben dem ganzen Müll liegen noch die unberührten blauen Müllsäcke!“ Für diese Fälle hat sich Genrich seine „Tafel der Schande“ einfallen lassen. Darauf soll ein Foto von der Müllhalde die abendlichen Besucher darauf hinweisen, wie es noch am Morgen ausgesehen hat, bevor die Stadt aufgeräumt hat.

Grundsätzlich ist Genrich aufgefallen, dass es nur wenige Saubären-Gruppen gibt – aber die lassen besonders viel Müll liegen. „Meistens junge Leute, die erst spät kommen. Da fehlt oft das Bewusstsein.“

Und genau das will er schaffen: „Die Renaturierung der Isar soll sich gelohnt haben. Ich will, dass die Leute sensibler werden und selbst mal ihren Nachbarn auf seinen Müll hinweisen.“

Sebastian Horsch

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