Wirte jubeln, Nachbarn sind entsetzt

Münchner sollen draußen bis 24 Uhr feiern dürfen

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Die Shopping-Nacht hat’s vorgemacht: Künftig sollen die Münchner bis Mitternacht in den Lokalen draußen sitzen dürfen Fotos: Jantz

München - KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle will die Münchner diesen Sommer länger draußen sitzen und feiern lassen. Die Wirtschaften jubeln, die Nachbarn sind entsetzt. Auch für den Umgang mit Bettlern und Musikern gibt es neue Pläne.

Jacke aus, Sonne im Gesicht, Mittagspause draußen: Am Montag hatte es schon 11 Grad, in der nächsten Woche könnten es schon 17 Grad sein. Da steigt die Vorfreude auf die lauen Abende – und die sollen heuer noch schöner werden: KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle will die Münchner diesen Sommer länger draußen sitzen und feiern lassen. Probeweise soll in den mehr als 2200 Kneipen und Cafés mit Freischankfläche an Freitagen und Samstagen statt um 23 Uhr erst um Mitternacht Zapfenstreich sein. Das letzte Wort hat der Stadtrat – kurz nach der Wahl im April.

Die Wirtschaften jubeln, die Nachbarn sind entsetzt: „Viele Anwohner leiden schon jetzt darunter“, sagt Wolfgang Püschel (SPD), Chef des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel, der mit 800 Lokalen die meisten in der ganzen Stadt hat – manche schon heute mit Ausnahmegenehmigung bis Mitternacht. Der Chef von City-Partner, Wolfgang Fischer, ist dagegen zufrieden: „Bei der Shopping-Nacht gab es auch keine einzige Beschwerde.“ Die beiden waren sich bei ihrer Jahresvorschau einig, dass die Stadt ein Bürgertelefon für Beschwerden einrichten solle.

Tatsächlich plant Blume-Beyerle zunächst eine Probezeit von Anfang Juni bis Ende August: Bei zu vielen Klagen über den Lärm müssen die Wirte ihre Gäste wieder um 23 Uhr reinholen. Aber der Zeitraum hat es in sich: Da liegt die Fußball-WM in Brasilien mit den späten Anstoßzeiten drin – ein Volltreffer! Wie passend, dass der KVR-Chef künftig draußen auch die „Übertragung herausragender Fußballereignisse“ zulassen will. Das werden heiße Sommermärchennächte – sicher nicht nur wegen der WM.

Überhaupt will Blume-Beyerle die Stadt ein bisserl lockerer machen: In der Neufassung der Sondernutzungsrichtlinie fallen – so der Stadtrat will – auch andere bürokratische Regeln. Die Stadt soll künftig nicht mehr vorschreiben, welche Gaststätte eckige und welche runde Blumenkübel aufstellen darf, oder Bußgelder verhängen, wenn der Buchsbaum auf 1,45 Meter gewachsen ist, statt der vom Amtsschimmel verordneten 1,40 Meter.

Auch hier gehen die Meinungen auseinander: Während City-Partner Fischer die angekündigte Liberalisierung lobt, sorgt sich BA-Chef Püschel um die denkmalgeschützten Fassaden in der Altstadt, wenn davor überall die Palmen wedeln.

Diese Münchner Läden müssen Sie gesehen haben

Ein Stück München in seiner ganzen Vielfalt – das sind die Traditionsgeschäfte, die das neue Buch "111 Geschäfte in München, die man erlebt haben muss" vorstellt. Neben kleinen Anekdoten zur Geschichte der Läden wird auch amüsant von den Inhabern erzählt. Hier sind kleine Secondhand-Läden ebenso wie Mode-, Schmuck- oder Teegeschäfte versammelt. Die 111 Läden sind alles – nur nicht langweilig oder gewöhnlich. Sechs davon stellen wir Ihnen hier vor. (Erschienen bei Emons, 237 Seiten, 14,95 Euro.) Ramona Anner © 
Männerträume: Das ist ein Laden für echte Männer: Gasoline Alley. Inhaber Burkhard Pflug bietet hier alles an, was Männerherzen höherschlagen lässt. Seefahrt, Kleinmaschinen-Fliegerei und Motorräder – fünf restaurierte Maschinen stehen mitten im Shop – sind die Hauptthemen des Ladens. Die Raritäten sind zum Teil 100 Jahre alt. Gasoline Alley in der Corneliusstraße 5 hat dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet, Telefon 260 31 00. © 
Schuhe für den Papst: Hier hat schon der einstige Papst Benedikt XVI. seine Schuhe gekauft: beim Schuh-Bertl. © 
Seit 1989 näht der Schuster in seiner winzigen Werkstadt im Glockenbachviertel von Hand feinste Lederschuhe für Herren und Damen. Außerdem hat er Lederhosen, Gürtel und Taschen im Angebot. Der Laden in der Kohlstraße 3 hat dienstags bis freitags von 11 bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Telefon: 29 71 62. © 
Pfeifen mit Tradition: Schon in der vierten Generation führt Inhaber Georg Huber das 1863 eröffnete Traditionsgeschäft Pfeifen Huber. Der Pfeifentabak stammt aus den besten Anbaugebieten der Welt und wird durch 64 exklusive Huber-Spezialmischungen ergänzt. In einem begehbaren Klimaraum lagern edle Zigarren aus aller Welt. Der Laden im Tal 22 hat montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Telefon: 24 23 51 70. © 
Schick für untendrunter: Ob sinnlich, sanft oder sportlich – hier kauft der Münchner seit weit über 100 Jahren ein: Im 19. Jahrhundert lieferte Firmengründer ­Bruno Lewandowski seine edle ­Unterwäsche an den Hofadel. ­Heute ist hier das Reich von Ladenchefin Adeline Dilz. Das Geschäft in der Sendlinger Straße 62 hat montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Telefon 26 58 39. © 
Schönheit aus Porzellan: Liebevoll gestaltet und in echter Handarbeit hergestellt werden die Kunstwerke in der Porzellan ­Manufaktur Nymphenburg. Sie liegt samt dazugehörigem Geschäft im Nördlichen Schlossrondel 8. Die Manufaktur ist montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, der Laden von 10 bis 18.30 Uhr und zusätzlich samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Telefon 179 19 70. © 
Süße Versuchungen: Locker, lecker, leicht – das sind sie, die verführerischen Köstlichkeiten, die man in der Zimtschneckenfabrik in Obergiesing kaufen kann. © 
In dem Laden, den Thomas Zwink mit seiner Ehefrau betreibt, backt Konditorin Miriam Raab immer frisch und ohne Zusätze – natürlich nicht nur Zimtschnecken. Das Geschäft in der Chiemgau­straße 81 hat dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Telefon 0160/158 68 53. © 

Bei anderen Themen der Innenstadt sind sich die beiden einig: Die Sendlinger Straße soll nicht als Fußgängerzone, sondern als „Begegnungszone“ von Autos, Radlern und Fußgängern verlängert werden, damit auch Senioren und Behinderte mit dem Auto hinkommen. Und während Straßenmusiker weiter erwünscht sind, aber nicht zu lange an ein und demselben Ort spielen sollen, warnen Püschel und Fischer vor organisierten Bettler-Banden. „Es geht nicht um die wirklich Bedürftigen“, sagt Fischer. Am besten sei es, wenn Bürger den Bettler-Banden gar nichts mehr geben.

David Costanzo

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