Neues Konzept

Münchner sollen sich Parkplätze teilen

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Freie Stellplätze soll man in München künftig online buchen können.

München - Einen freien Parkplatz zu finden, ist in Münchens Innenstadt oft eine nervenaufreibende Angelegenheit. Abhilfe könnte das sogenannte Parkplatz-Sharing schaffen.

Die Geschichte hinter der Unternehmensgründung von „parku“ ist eine, wie sie jeder wohl selbst schon mal erlebt hat. Man ist mit dem Auto unterwegs zu einem wichtigen Termin. Weit und breit lässt sich jedoch kein Parkplatz finden. Das Zeitfenster wird immer kleiner - und das Nervenkostüm immer dünner.

So ähnlich erging es auch Urs Fischer und seinen beiden Freunden vor knapp zwei Jahren in Amsterdam. Kurze Zeit später war die Idee für parku geboren. Das Schweizer Startup-Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, auf seiner Internet-Seite oder per Gratis-Smartphone-App Parkplätze zu vermitteln, die sonst leerstehen würden. Das kann die Tiefgarage eines großen Unternehmens sein, ein privater Parkplatz oder die Kundenparkplätze eines Metzgers oder Friseurs. Die Idee: Der vorhandene Parkraum soll effizienter genutzt werden. Wer zum Beispiel abends ins Kino, Theater oder Restaurant will und aufs Auto angewiesen ist, könnte so die lästige Parkplatzsuche vermeiden.

Die Parkflächen können im Voraus auf der Website oder in Echtzeit über die App für einen bestimmten Zeitraum gebucht werden. Eine Art Navigationssystem leitet die Kunden zum Ziel. Für die Inhaber der Parkplätze eine Einnahmequelle, für Autofahrer eine gute Möglichkeit, „um die Nerven und den Geldbeutel zu schonen“, wie es parku-Sprecherin Anja Hansen ausdrückt. Die Bezahlung erfolgt entweder sofort per Kreditkarte, via PayPal oder über das Guthaben auf dem Kundenkonto. Die Gebühr bekommt der Besitzer, abzüglich der von parku einbehaltenen Provision - in der Regel um die 30 Prozent. Die mobile Parkplatzbörse wurde von parku binnen kürzester Zeit von Zürich auf neun andere Schweizer Städte ausgedehnt, was laut Anja Hansen prima funktioniert hat: „Das System wird begeistert angenommen.“

Mittlerweile befindet sich die Firmenzentrale in Berlin. Hansen sieht einen sehr großen Markt in Deutschland, wobei die Strategie ein wenig anders ist als in der Schweiz. Während dort eher mit kleinen Firmen kooperiert wird, würden in Berlin in erster Linie Parkplätze in privaten Tiefgaragen und Parkhäusern von Hotels und Verwaltungen vermarktet. In Berlin stehen Parkplätze an 50 Standorten und prominenten Lagen wie etwa der Tiefgarage des Hotels „Waldorf Astoria“ bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche zur Verfügung. Mit der parku-App können neuerdings auch Schranken- und Torsysteme geöffnet werden. Die eigens dafür entwickelte Technologie heißt „SESAM“ - in Anlehnung an das Ali Baba-Märchen aus Tausendundeiner Nacht.

„München, Essen und Köln sind nun die nächste Priorität“, erklärt Hansen. Derzeit hat parku etwa 3500 Parkplätze im Angebot, der Großteil nach wie vor in der Schweiz. Derzeit, so Hansen, seien die Akquisiteure von parku auch in München fleißig unterwegs und würden Firmen, Hotels oder öffentliche Verwaltungen abklappern. Bundesweit könnten bald etwa 8000 Parkplätze dazukommen.

Das Kölner Unternehmen „ampido“ (Slogan: „Parken macht Spaß“) ist Pionier in Deutschland im Bereich Parkplatz-Sharing und ebenfalls gerade dabei, seine noch magere Münchner Kapzität von bislang 30 angebotenen Parkplätzen zu erweitern. Zu den Anbietern zählt beispielsweise das Hotel „Blauer Bock“ am Sebastiansplatz, aber auch viele einzelne Privatkunden. Geschäftsführer Adalbert Rajca: „Gerade in München waren wir überrascht, wie viel Parkplatz-Potenzial in Hinterhöfen schlummert.“

Als Vorreiter hat ampido bereits Förderpreise gewonnen. In ganz Deutschland werden derzeit etwa 2000 Parkplätze angeboten. Rund die Hälfte davon in Köln, wo ampido seine Wurzeln hat. Dort liegen laut Rajca die Gebühren pro Stunde bei durchschnittlich 1,50 Euro. In München rechnet er in Innenstadtlagen mit bis zu drei Euro, in Randlagen mit deutlich weniger. Wobei: Den Preis bestimmen ohnehin die Vermieter der Parpkplätze selbst. Die Kunden der Börse klassifiziert Rajca in zwei Hauptkategorien: Ortsfremde und regelmäßige Nutzer, die viel mit dem Auto unterwegs sind.

Auch bei ampido gab es ein Schlüsselerlebnis vor der Firmengründung. In Köln wurde Mitte 2012 ein Parkhaus nahe der Universität abgerissen. „Die Parkplatz-Situation hat sich danach gelinde gesagt zugespitzt“, erzählt der ampido-Geschäftsführer. In unmittelbarer Umgebung standen jedoch tagsüber etwa 500 Garageneinfahrten und Privatparkplätze leer. Mit seinem Kompagnon Yasotharan Pakasathanan suchte Rajca das Gespräch mit Anwohnern. Nach anfänglicher Skepsis hätten sich viele Privatleute bereiterklärt, auf der Börse Parkmöglichkeiten anzubieten - die Geburtsstunde von ampido. Rajca glaubt, dass die Parkplatzbörse auch in München ein Erfolgsmodell werden wird: „Wir kommen hier ziemlich schnell voran."

Klaus Vick

 

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