Schwerstarbeit für die Polizei

Straftaten in München: Das sind die Brennpunkte

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Rund um die Uhr im Einsatz: Die Münchner Polizei ist immer auf Achse.

München - Die Polizei hat in der Stadt jede Menge zu tun. Dabei haben sich einige Hotspots für Straftaten herauskristallisiert. Wir präsentieren den anderen Stadtplan Münchens.

Drogen, Raub, Vergewaltigung, Einbruch - täglich hat die Münchner Polizei mit den verschiedensten Straftaten zu tun. Doch nirgendwo konzentriert sich die Kriminalität auf den Straßen so sehr wie im Herzen unserer Stadt. Die Polizeiinspektion 11 in der Hochbrückenstraße ist das Revier von rund 190 Beamten, die täglich 40 Anzeigen entgegennehmen und pro Jahr 500 Einsätze abarbeiten. Flächenmäßig hat die Altstadtwache einen der kleinsten Zuständigkeitsbereiche in ganz Bayern, personell stellt sie aber die größte Inspektion. Eine halbe Million Menschen ist jeden Tag in der Innenstadt unterwegs: Arbeiter, Studenten, Touristen - und Kriminelle. Natürlich ist auch die Polizeiarbeit im digitalen Zeitalter angekommen. Die PI 11 markiert aber nach wie vor alle Delikte mit Stecknadeln. Die tz zeigt die Brennpunkte der Innenstadt.

Maximiliansplatz & 089 Bar

Maximiliansplatz.

Wir befinden uns hier am nördlichen Ende der ­sogenannten Feierbanane: Die 1,2 Kilometer lange Partymeile erstreckt sich in einer krummen Linie am Westrand des Zuständigkeitsbereiches der Altstadtwache. Vor allem an den Wochenenden, an denen nicht selten bis zu 13.000 Menschen pro Abend durch die Straßen ziehen, haben die Beamten alle Hände voll zu tun. In den vergangenen Jahren wurde es bereits deutlich, in diesem Jahr hat sich der Maximiliansplatz mit seinen umliegenden Diskotheken und Clubs zur absoluten Problemzone entwickelt.

Vor allem Drogenhandel und -konsum beschäftigten die Polizei auch heuer wieder. Insgesamt sechs Fälle von schwerem Raub registrierte die PI 11 im Zeitraum von Januar bis Ende November. Besorgniserregend: Auch neun Sexualdelikte haben sich in der Grünanlage und vor den Clubs in diesem Jahr bereits zugetragen. Immer wieder berichtet die Polizei von Übergriffen in der Dunkelheit auf junge Frauen. Auffällig ist auch die Vielzahl jugendtypischer Gewalttaten wie gefährliche Körperverletzung. Von insgesamt 26 Fällen ist in 2016 die Rede.

Stachus

Das Rondell am Karlsplatz, den in München ja eigentlich niemand so nennt, ist seit jeher Treffpunkt für Touristen und Jugendliche. Hier vermischen sich Nationalitäten, Kulturen, Altersgruppen und Gesinnungen. Logisch, dass ein solcher Platz im Herzen der Stadt auch großes Konfliktpotenzial birgt. Im Sommer war der Brunnen das Mekka für alle, die im Bann des virtuellen Spielhits Pokemon Go gefangen waren.

Seit ein paar Monaten versammeln sich am Stachus auch immer mehr Asylbewerber - das kostenlose WLAN ist mitunter ein Grund. Viele können nur dadurch mit Freunden und Familien in ihren von Krieg und Krisen gebeutelten Heimatländern kommunizieren. Auch deshalb stieg hier die Zahl der Straftaten, die von Jugendlichen begangen wurden. Erst kürzlich, am Abend des 20. November, mündete eine zunächst harmlose Schubserei vor dem McDonald’s-Restaurant in eine Massenschlägerei unter mindestens 30 Personen. Zwei junge Afghanen erlitten sogar Stichverletzungen. Neben Drogendelikten (34) und Raubüberfällen (18) ist die Zahl der sexuellen Übergriffe (27) hoch.

Herzog-Wilhelm-Straße

Schmierereien, Vandalismus, Obdachlose - die Rathaus-CSU schlug erst Ende November Alarm wegen der Zustände an der Herzog-Wilhelm-Straße. Der dortige Grünstreifen würde zunehmend verwahrlosen, klagte CSU-Stadtrat Richard Quaas. Obdachlose verrichten ihre Notdurft, Junkies und Jugendliche glühen nachts vor und hinterlassen Müllberge. Hinzu kommen die Vandalismus-Schäden - wie an der Pferdeskulptur und diversen Graffiti-Schmierereien erkennbar. Kurzum: Der Park mutiert nach und nach zum Schandfleck der Stadt. Die Karte der Altstadtwache bestätigt die Vorwürfe der Stadtpolitiker.

An der Herzog-Wilhelm-Straße hat sich eine gefährliche Drogenszene breitgemacht. Alleine 52 Delikte sind für heuer registriert. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein. Und das, obwohl die Behörden die Kontrollen zunehmend verschärfen. Auch Streetworker versuchen, dem Problem Herr zu werden. Trotzdem habe die Stadt dafür zu sorgen, dass das Areal wieder aufgewertet und für die kriminelle Szene deutlich weniger attraktiv werde, sagte Quaas.

Müllerstraße

Alkohol und Drogen senken die Hemmschwelle. In der Müllerstraße, wo sich eine Bar an die nächste reiht, stellt die Polizei auch in diesem Jahr fest, dass sich dieser Mix auf die Zahl der sexuellen Übergriffe auswirkt. 33 Taten wurden heuer bereits zur Anzeige gebracht.

Sendlinger Tor

Sendlinger Tor.

Die traurige Geschichte der Brennpunkte endet auch am Sendlinger Tor nicht. Auch hier fällt auf: Drogenhandel und Konsum machen die Mehrzahl der Straftaten in diesem Jahr aus. Besonders heftig ist die Fallzahl unmittelbar vor dem Eingang zur Sendlinger Straße. Also dort, wo Menschen im Untergrund der U-Bahn blitzschnell verschwinden oder eben auch auftauchen können. Für die rasche Übergabe von Marihuana, Ecstasy und Kokain beispielsweise.

Aber auch das dortige Kino und der Irish Pub sind mögliche Anziehungspunkte für entsprechendes Klientel. Dort, wo sich Menschen ansammeln, wittern Dealer ihr Geschäft, und Abhängige finden oft ihren nächsten Kick. Der Altstadtwache ist das Problem bekannt. Ein Meer aus roten Stecknadeln, die für Rauschgiftdelikte stehen, übersät die Karte in diesem Bereich. Auch Vergewaltigungen passierten 2016 schon am Sendlinger Tor. Erstaunlich: Am gegenüberliegenden Sendlinger-Tor-Platz ist es vergleichsweise ruhig. Einen Raubüberfall, eine Handvoll Drogendelikte sowie einige Einbrüche in Büros meldet die Polizei.

Marienplatz

Der Marienplatz ist ein Beispiel dafür, dass es an prominenten Orten einer Stadt durchaus harmonisch und weniger kriminell zugehen kann. Tausende Touristen überqueren den Vorplatz zum Rathaus, lauschen dem weltbekannten Glockenspiel und knipsen Selfies mit dem neogotischen Bauwerk im Hintergrund. Nur ein Raubüberfall binnen elf Monaten ist der Polizei dort bekannt. Angesichts der minutenlang nach oben starrenden Menschen beinahe ein Wunder, dass Taschendiebe dort nicht öfter zugeschlagen haben. Sechs Anzeigen gingen bei den Beamten ein, wonach sich Frauen sexuell belästigt fühlten oder sogar körperlich angegangen wurden. Am häufigsten werden am Marienplatz Jugendliche straffällig. Drogen werden hier nur selten verkauft. Drei Delikte führt die Polizei auf.

Altstadtwache

Ausgerechnet direkt vor der Altstadtwache sollen Drogengeschäfte abgewickelt werden? So zeigen es die sieben Stecknadeln auf der Karte. „Irrtum“, sagt ein Polizeisprecher. „Es kommt vor, dass bei Personen im Rahmen ­einer anderweitigen Sachbearbeitung auf dem Revier Drogen gefunden werden.“

Viktualienmarkt

Der Viktualienmarkt.

Vor zehn Jahren nahmen die Vorfälle auf dem Viktualienmarkt ein derartiges Ausmaß an, dass die Polizei eigens für die Sicherheit der Standl zusätzliche Streifen eingesetzt hat. Vandalismus und Einbrüche, ja sogar mit Brandstiftung haben die Betreiber zu kämpfen. Seitdem hat sich die Lage spürbar beruhigt. Aber noch immer sind die kleinen Verkaufsstandl ein Magnet für Einbrecher, die auf das schnelle Geld aus sind.

Abgesehen davon, dass die Geschäftsleute ihre Tageseinnahmen über Nacht nie in den Kassen zurücklassen, sind die Sachschäden durch die Aufbrüche um ein Vielfaches höher als der finanzielle Verlust. Bis November wurde auf dem Viktualienmarkt 48 Mal eingebrochen oder zumindest versucht, ein Standl zu knacken. Das bedeutet, dass sich beinahe jede Woche ein Täter an den Buden zu schaffen macht.

Auch andere Märkte in der Innenstadt leiden unter den Standlknackern. Erst vor wenigen Wochen berichtete die tz über eine Einbruchsserie am Schwabinger Elisabethmarkt. Auch hier war der Sachschaden höher als der Beutewert.

Isartorplatz

Die Parkanlage am Isartorplatz ist bekannt für ihre Alkohol- und Drogenszene. Im Schutz der Dunkelheit, versteckt hinter Hecken und Büschen, laufen die Geschäfte und wird Stoff konsumiert. Auch heuer hat die Polizei einige Händler und Abnehmer erwischt. Gegen 16 Personen laufen entsprechende Ermittlungsverfahren. Den Drogensumpf auch dort trockenzulegen, ist das Ziel der Beamten der Altstadtwache und der Drogenfahnder. Anwohnern und Lokalbetreibern ist der Platz am Eingang zur Innenstadt schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Jeden Tag halten dort bis zu 50 Reisebusse - ein denkbar schlechter erster Eindruck. Auch die Stadt will das negative Image des Platzes bekämpfen.

Johannes Heininger

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