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„Abhängigkeit im Alter wäre das Schlimmste“: Münchner TV-Star sorgt nach traumatischem Verlust vor

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Von: Andreas Thieme

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Michaela May
Schauspielerin Michaela May wird 70. © Britta Pedersen/dpa-zentralbild/dpa

Michaela May ist heuer 70 geworden, aber fühlt sich noch jung, „weil ich das Leben so liebe“. Mit dem Justizministerium bewirbt die Schauspielerin jetzt Broschüren, die Hilfestellung zur Vorsorge geben sollen. Unser Redaktion erklärt die Münchnerin, wie sie sich das Alter vorstellt.

München - Ihr Lächeln strahlt in den Raum. „Auch mit 70 Jahren fühle ich mich noch jung, weil ich das Leben so liebe“, sagt Michaela May. Doch die Münchner Schauspielerin hat auch Verluste in ihrem Leben erlitten: Drei Geschwister starben, als sie noch jung war - 2019 dann ihre geliebte Mutter Anneliese mit 97 Jahren. „Das war für mich der Anlass, auch meine Vorsorge zu regeln“, sagt May. Für den Freistaat stellt sie nun neue Broschüren des Justizministeriums vor, mit denen man genau das tun kann: Vorsorge treffen für den Fall der Fälle.

„Man denkt ja immer, ich bin noch jung - zu jung für diese Sachen. Aber Vorsorge ist sehr wichtig. Nicht nur finanziell, sondern eben auch für die Gesundheit und das Alter“, sagt May. Sie selbst hat bislang nur eine Patientenverfügung, die Maßnahmen für den Krankheitsfall regelt. Es geht dort um Fragen wie: Wer entscheidet über meine ärztliche Therapie, wenn ich selbst dazu nicht mehr in der Lage bin? „Das habe ich für mich geregelt, meinen Mann als Vertrauensperson eingesetzt und in Vertretung meine Kinder.“

Lebenserhaltende Maßnahmen sind mitunter ein Streitfall. „Ich habe das mitbekommen bei einer Freundin, die an der Nervenkrankheit ALS leidet“, sagt May. In dem Fall ging es um künstliche Ernährung durch eine Magensonde: „Sie hat das zum Glück noch selbst entscheiden können.“

München: Schauspielerin Michaela May verlor ihre Mutter (97) - jetzt sorgt sie vor

Doch viele Menschen lassen diese persönlichen Regelungen offen - ein Risiko, nicht nur für sich, sondern auch für Angehörige, wie Justizminister Georg Eisenreich (52, CSU) betont. „Ob nach einem Unfall, einer schweren Krankheit oder im Fall einer Demenzerkrankung: Jeder von uns kann in die Situation geraten, wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst treffen zu können“, sagt Eisenreich. Häufig werde das Thema lange Zeit verdrängt. „Aber es ist wichtig, sich rechtzeitig Gedanken zu machen und Vorsorge für den Fall der Fälle zu treffen. Mit unseren Broschüren erleichtern wir Bürgerinnen und Bürgern den Weg zur selbstbestimmten Vorsorge.“

Georg Eisenreich
Georg Eisenreich (CSU), bayerischer Justizminister. © Tobias Hase/dpa/Archivbild

In den Broschüren zu Vorsorge und Betreuung findet sich nicht nur Überblickswissen. Auch konkrete Vorsorge-Formulare können kostenlos ausgefüllt und gedruckt werden. „Früher waren solche Formulare so kompliziert, dass man auch einen Arzt befragen musste“, erinnert sich Michaela May. „Ohne fachlichen Rat hat man kaum verstanden, was bestimmte Formulierungen bedeuten. Das ist jetzt viel einfacher geworden, zum Glück.“

Wichtig: Die persönlichen Regelungen bei Vorsorgevollmacht, Patienten- oder Betreuungsverfügung können jederzeit abgeändert oder auch später widerrufen werden. Die Anpassung ist oft bei längerer Krankheit sinnvoll. „Man braucht grundsätzlich weder einen Anwalt noch einen Notar“, sagt Eisenreich. Nur wenn die Vollmacht auch Grundstücksgeschäfte umfasse, bedarf es einer Beglaubigung durch einen Notar.

Schauspielerin Michaela May sagt: „Abhängigkeit im Alter wäre das Schlimmste“

Es gibt keine Verpflichtung, seine Vorsorge-Dokumente zu hinterlegen. „Aber natürlich macht es Sinn“, sagt Eisenreich. Vor allem die Familie oder ein Betreuer sollten Bescheid wissen. Zudem kann man seine Dokumente auch im Zentralen Vorsorge-Register hinterlegen - Gericht oder der Arzt erfahren dann im Bedarfsfall davon. Beim Thema Vorsorge denkt Michaela May auch an das Alter: „Ich kann mir auch vorstellen, 100 Jahre alt zu werden“, sagt sie, „wenn die Gesundheit stimmt.“ Was sie nicht möchte: anderen zur Last fallen. „Abhängigkeit im Alter wäre das Schlimmste.“

Als Teenager waren Mays Eltern in den Fünzigern. „Da dachte ich: Die sind alt. Ich selbst habe mich mit 53 neu verliebt. Da hat meine Tochter, damals 21, gesagt: ‚Mama, in dem Alter!‘ Aber ich sagte: Warum nicht?“

Altern beginne, „wenn Dinge nicht mehr so funktionieren wie früher“, sagt May. „Ich schau eher: Was kann ich noch?“ In die Berge gehen etwa oder Yoga. „In meinem Beruf habe ich das Glück, mit vielen jungen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten. Das hält jung. Ich war früher die Jüngste am Set und bin jetzt meist die Älteste.“

Auch Neugier sei ein Jungbrunnen. Interesse an anderen Menschen. Und den Fokus auf das legen, was kommt. Nicht auf das, was war. „Das habe ich von meiner Mutter“, sagt May.

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