Münchner startet seine verrückte Verlosung

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Ein Blick ins Wohnzimmer. Früher lebten hier Stinys Eltern.

Das ist mit Sicherheit Münchens verrückteste Immobilien-Aktion: Für sage und schreibe 19 Euro ist in Baldham (Gemeinde Vaterstetten) derzeit eine Doppelhaushälfte samt Grundstück zu haben.

Ein Mann mit Ideen: Volker Stiny.

156 Quadratmeter Wohnfläche, knapp 500 Quadratmeter Grund mit schönem, altem Garten, Baujahr 1974, zentral gelegen. Der Wert liegt laut Eigentümer bei 570 000 Euro. Allerdings ist der Erwerb Glückssache. Denn der Münchner, dem das Haus gehört, verlost es – in einer deutschlandweit einmaligen Aktion.

Ursprünglich hatte Volker Stiny sein Elternhaus ganz regulär verkaufen wollen. „Trotz starker Nachfrage kam es aufgrund der zurückhaltenden Kreditvergabe-Politik der Banken aber zu keinem Verkauf. Dabei hatte ich sogar einen professionellen Makler eingeschaltet“, sagt der 52-Jährige. Das Haus in der Karl-Böhm-Straße 40 in Baldham hatte der gelernte Bankkaufmann vor 19 Jahren für seine Eltern gekauft. Doch nachdem sein Vater 2006 gestorben war und seine 86-jährige Mutter jetzt in ein Pflegeheim gezogen ist, kann er sich die Raten nicht mehr leisten.

Auf die Idee mit der Verlosung kam Stiny durch ähnliche Aktionen in Österreich, England und den USA. Doch ganz so einfach, wie er sich das vorgestellt hatte, war es nicht, sein Haus-Gewinnspiel auf den Weg zu bringen. „Drei Anwälte habe ich verschlissen, bis ich den Richtigen hatte“, erzählt der Münchner. Denn eine solches Verlosung ist in Deutschland genehmigungspflichtig: „Ich bin oft falsch geschickt worden.“ Jetzt aber ist alles unter Dach und Fach und wird von der Regierung von Mittelfranken als zuständige Behörde beaufsichtigt.

Und so soll das Gewinnspiel rund ums Eigenheim funktionieren: Wer teilnehmen möchte, muss sich zuerst auf Stinys Homepage www.winyourhome.de registrieren lassen und die 19 Euro Teilnahmegebühr bezahlen. Dann muss er ein Mini-Quiz lösen. Eine reine Verlosung ohne Quiz hatte das Finanzamt untersagt.

Verlost werden deshalb neben dem Haus auch noch 99 weitere Preise wie zum Beispiel ein Kleinwagen im Wert von 8500 Euro, ein Roller im Wert von 800 Euro oder ein LCD-Fernseher. Damit die Ziehung beginnt, müssen 48 000 Spieler teilnehmen. Wird diese Zahl bis zum 15. März, dem bis jetzt als Ausspieldatum vorgesehenen Tag, nicht erreicht, verlängert sich die Spielzeit um vier Wochen. „Eine pfiffige Idee. Wenn ich ein Haus suchen würde, würde ich auch mitmachen. Es liegt ganz zentral“, lobt da sogar Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß.

Volker Stinys Rechnung könnte aufgehen. Im Moment haben sich bereits 10 000 Spieler bei ihm registriert: „Sogar aus der Türkei, aus Spanien und Südamerika bekomme ich Anmeldungen.“ Läuft alles glatt, verdient er mit der Verlosung 912 000 Euro. Davon gehen 20 000 Euro an die Stiftung Kinder in Afrika, rund 195 000 sind für die anderen Gewinne weg. Macht immer noch 697 000 Euro für Stinys Häuschen in Baldham. Abzüglich seiner Anwalts- und Notarkosten dürfte dem Münchner in etwa der reguläre Marktpreis übrigbleiben.

Für den Haus-Gewinner, ist es aber auch kein schlechtes Geschäft. Die Chance auf das Eigenheim liegt für jeden Teilnehmer bei 1:48 000. Würden Sie versuchen, das Geld für das Häuschen über einen Lottogewinn zu bekommen, läge Ihre Chance bei 1:15 537 573. Das ist die theoretische Quote für einen Sechser, der im Schnitt rund 466 000 Euro einbringt.

M. Seeholzer/ck.

Quelle: tz

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