Der große Blackout im Osten

Münchner Strom-Anschlag: Polizei liegt Bekennerschreiben vor - Hinweise auf Brandbeschleuniger entdeckt

Wurden Tausende Münchner, die am Freitag ohne Strom auf dem Trockenen saßen, Opfer eines gezielten Anschlags? Der Polizei liegt jetzt ein Bekennerschreiben vor. Die Beamten ermitteln.

Update vom 25. Mai, 18.23 Uhr: Die Ermittlungen der Polizei nach dem Stromausfall in München vom vergangenen Freitag (21. Mai) laufen weiter auf Hochtouren. Momentan wird eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen „EG Volt“ eingerichtet, die sich um die Hintergründe kümmern soll. Durch die EG Volt werden intensive Ermittlungen, insbesondere hinsichtlich der Brandursache und möglicher Tatverdächtiger geführt.

München: Nach Stromausfall - Hinweise auf Verwendung von Brandbeschleuniger

Nach ersten Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht auf vorsätzliche Brandstiftung, da sich Hinweise auf die Verwendung von Brandbeschleunigern ergaben. Die Ermittlungen werden in allen Richtungen geführt. Hierbei wurde auch ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben bekannt, welches sich aktuell noch in der Auswertung befindet. Weiter wurden Anwohnerbefragungen durchgeführt und ein schriftlicher Zeugenaufruf per Aushang, im Umfeld der Tatörtlichkeit veröffentlicht. Über das Wochenende gingen mehrere Hinweise ein, welche aktuell Gegenstand der Ermittlungen sind.  

Erstmeldung vom 25. Mai 2021:

München - Plötzlich abgeschnitten! 20.000 Haushalte im Münchner Osten waren am Freitag ohne Strom*, nachdem ein Kabelbrand Teile von Ramersdorf, Berg am Laim und Haidhausen lahmgelegt hatte. Waren die Betroffenen die Leidtragenden eines Anschlags? Möglich. Auf der Internetplattform Indymedia wurde jetzt anonym ein Bekennerschreiben zu dem Vorfall veröffentlicht. Der „Angriff“ sei die Antwort „auf den jämmerlichen Stadtratsbeschluss, den Forst Kasten abzuholzen, um dort Kies zu fördern“, schreiben Extremisten dort. Die Polizei nimmt das Schreiben ernst und ermittelt.

München: Verfasser haben gleich mehrere Feinde gleichzeitig im Visier

Das Motiv der Bekenner bleibt diffus, denn die Verfasser haben gleich mehrere Feinde gleichzeitig im Visier. In dem Schreiben heißt es weiter: „Das primäre Ziel dieser Aktion war der Rüstungskonzern Rohde & Schwarz am Münchner Ostbahnhof.“ Die Stadtwerke würden ein Kohlekraftwerk und den Atommeiler Isar 2 betreiben. „Deshalb werden wir auch in Zukunft ihre Infrastruktur angreifen.“ Am Ende des Schreibens wird aufgefordert: „IAA angreifen“. Gemeint ist die Internationale Automobil Ausstellung, sie soll heuer erstmals in München stattfinden. Ein mysteriöser Rundumschlag.

Auf Anfrage bestätigt die Münchner Polizei die Existenz des Bekennerschreibens. Doch ist es auch echt? Dazu geben die Ermittler keine Auskunft. Der Staatsschutz ermittelt.

Einer der Baumbesetzer im Forst Kasten distanziert sich

Wer könnte hinter dem Schreiben stecken? Ingo Blechschmidt (32), einer der Baumbesetzer im Forst Kasten, distanziert sich gegenüber der tz von dem Anschlag: „Unsere Symbolsprache sind Baumhäuser. Wir protestieren friedlich, mit Stromausfällen haben wir nichts am Hut.“ Etwa 15 Klimaaktivisten hatten seit Dienstag bis zur Stadtratsentscheidung für eine Rodung am Donnerstag im Wald friedlich demonstriert*. Die Münchner Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) hat am Montag von dem Bekennerschreiben erfahren. Sie will sich aber an keinerlei Spekulationen beteiligen: „Die Sache liegt nun in den Händen der Polizei. Man muss abwarten, was dabei herauskommt.“

Die Umstände des Kabelbrands* erinnern an frühere Anschläge auf Mobilfunkmasten im Stadtgebiet. Da hatte es sich um Brandstiftung gehandelt. Dazu sagt Polizeisprecher Andreas Franken: „Ob ein Zusammenhang des aktuellen Falls zu früheren besteht, können wir derzeit nicht sagen.“

Bis Samstagnachmittag hatte es gedauert, bis die Stadtwerke (SWM) die betroffenen Stadtteile wieder vollständig mit Strom versorgen konnten. 50 Stromkabel wurden zerstört. 150 Trafostationen waren in Folge ausgefallen, die nun wieder laufen. Die Reparaturarbeiten an den Kabeln dauern an. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Feuerwehr München/dpa

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