Brief der Eisbach-Surfer

Gehen München die Surfer-Wellen aus?

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Surfer an der Flosslände in Thalkirchen. Diese soll nach Plänen der Münchner Riversurfer wieder verstärkt genutzt werden.

München - In München werden die Wellen knapp. Jetzt fürchten die Eisbach-Surfer um Münchens Status als Hauptstadt des Riversurfens. Mit einem offenen Brief an die Stadt wollen sie die Wellen retten.

Sie sind ein Aushängeschild für München, mit dem die Stadt auch gerne wirbt: Die Surfer vom Eisbach. München gilt in der Szene als die Hauptstadt des Riversurfens. Doch dieser Status Münchens ist bedroht. Das Problem: In der Landeshauptstadt gibt es kaum noch Gelegenheiten für den Surfernachwuchs, das Handwerk zu erlernen und zu perfektionieren. Die mittlerweile weltbekannte Eisbachwelle ist selbst für Profis schwer zu reiten. "Unter Wasser sind dort in drei Reihen von Steinblöcken am Boden", erklärt Marcelo Hiering (30), selbst begeisterter Surfer. "Wenn man dort falsch reinfällt - und als Anfänger ist das eigentlich der Regelfall - kann man durch den starken Wasserdruck gegen diese Steine gespült werden und Knochenbrüche erleiden." Erst kürzlich verletzte sich ein Surfer bei einem Sturz schwer, in der vergangenen Woche kam es dann noch einmal zu einem Unfall.

Was viele Münchner nicht wissen: Bis vor fünf Jahren gab es deutlich mehr Stellen in der Stadt, wo sich mit den Brettern ins kühle Nass gestürzt werden konnte. Ganze zehn Wellen gab es in München. Bestes Beispiel ist die Floßlände in Thalkirchen, die 1972 zur weltweit ersten Flußwelle für Surfer wurde. Doch diese läuft durch neue Durchflussregelungen von Seiten des Wasserkraftwerkes seit einigen Jahren nur noch an wenigen Tagen im Jahr - zu wenigen Stunden. 2012 wurden für die Erhaltung der Welle in Thalkirchen Unterschriften gesammelt. Aktuell ist dort nur Surfen nach Stundenplan möglich.

Die Interessensgemeinschaft Surfen in München (IGSM) hat sich nun mit einem offenen Brief an die Parteien der Stadt gewandt, der auch im Internet-Blog achtneun.com veröffentlicht wurde (hier nachzulesen). Er richtet einen Appell an die Verantwortlichen: "Bitte helfen Sie (...) eine ausreichende Anzahl an Wellen im Stadtgebiet zu reaktivieren, damit Anfänger im Surfen auch eine sichere Möglichkeit haben den Sport zu erlernen. Genauso sollen auch für Fortgeschrittene anspruchsvolle Wellen zu Verfügung stehen, damit auch in Zukunft Europameister aus München wie Gerry Schlegel und Tao Schirrmacher kommen." Die Eisbachwelle war bereits vor einigen Jahren durch die überparteiliche Zusammenarbeit mit dem Verein Großstadtsurfer und der IGSM gerettet worden.

FDP reagiert positiv auf den Brief

Als erste und bislang einzige Partei meldete sich die FDP-Fraktion im Stadtrat zu Wort. Diese beantragte bei Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) die Einberufung eines runden Tisches mit Vertretern der Stadt, des ehrenamtlichen Stadtrates, der Surfer sowie der Stadtwerke. Auch die FDP erkennt die Gefahren der Eisbachwelle und sieht die Notwendigkeit den Anfängern einen geeigneteren Ort zur Verfügung zu stellen.

Als Orte für neue, beziehungsweise reaktivierte Wellen nennen die Surfervertreter folgende Stellen in München, die auch die Fraktion der Liberalen aufgreift:

  • Floßlände: Hier gäbe es die Option der Errichtung einer künstlichen Welle im Stile der Flughafen-Anlage.
  • "Schaukelpferd" oberhalb der Floßlände: Bis vor 20 Jahren gab es 200 Meter oberhalb der Floßlände eine kleiner Welle zum Üben. Könnte diese reaktiviert werden?
  • Maria Einsiedel: Das Freibad Maria Einsiedel wird von einem Seitenkanal der Isar durchflossen. Hier könnten die Surfer auf eigene Kosten eine Welle errichten.
  • Wittelsbacherbrücke: Durch die Renaturierung ist diese Welle heute nicht mehr nutzbar. Das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie seitens der Stadt ist bislang nicht bekannt.
  • Großhesseloher Brücke: An der Wehranlage ließe sich durch das Öffnen bestimmter Tore eine Welle erzeugen. Diese wäre ungefährlich, da diese sich erst zehn Meter hinter dem Wehr auftürmt.

Stadt und Surfer haben schon einmal erfolgreich zusammen gearbeitet. Vielleicht sind sie auch diesmal auf einer Wellenlänge. 

Florian Weiß

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