Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung

Mit Herz durch harte Zeiten - Münchner berichten: So hilft die Tafel während der Pandemie

Eine lange Schlange mit Bedürftigen steht vor der neuen Ausgabestelle der Münchner Tafel in Pasing. 
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Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung: In Pasing wurde eine neue Ausgabestelle eröffnet..

Wir lassen niemanden im Stich: Das stand für die Münchner Tafel schnell fest, als im Frühjahr 2020 die Corona-Krise das Land lahm legte. Auch für die Helfer war es nicht immer leicht. Doch alle sind sich sicher: Es hat sich gelohnt.

Wir machen weiter ! Das war das Motto der Münchner Tafel, als im Frühjahr 2020 die Corona-Krise das ganze Land lahm legte. Es war eine Mammutaufgabe: Während des ersten Lockdowns schlossen die 28 in der Stadt verteilten Ausgabestellen, stattdessen wurden die Lebensmittel an einer zentralen Stelle am Westtor des Großmarkts ausgegeben. Innerhalb kürzester Zeit musste alles organisiert und die Gäste informiert werden. Weil viele Ehrenamtliche zur Risikogruppe gehörten und nicht mitarbeiten konnten, waren neue Helfer notwendig. Die Tafel machte einen Aufruf – und über 3000 vor allem junge Menschen meldeten sich. Nach einigen Wochen konnte die Tafel wieder an die dezentralen Stellen zurückkehren. Die Armut ist nach der Einschätzung der Helfer im Laufe der Pandemie gewachsen: Die Organisation registrierte zehn Prozent mehr Bedürftige, rund 22 000 Menschen unterstützt die Tafel derzeit. Jede Woche verteilen die Helfer rund 125 Tonnen Lebensmittel. Damit werden jährlich rund 6,5 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Entsorgung gerettet. Hier erzählen Helfer von ihren Erfahrungen.

Aufgabe, die einen sehr erfüllt

Tafel-Helfer Wilhelm Scharf

Wilhelm Scharf ist einer der neuen Helfer, die sich nach dem Suchaufruf gemeldet haben. „Mir war klar, dass eine größere Ausnahmesituation auf die Bevölkerung zukommt“, sagt er. Schon länger überlegte er, sich sozial zu engagieren. „Das war für mich der Stein des Anstoßes“, erzählt der 29-Jährige. „Es ist eine sehr erfüllende Aufgabe. Besonders schön waren die Momente, wenn glückliche Gäste sich mit einem Lächeln auf den Lippen bedankt haben“, sagt er. Was ihn erschreckt: „Wir haben hautnah miterlebt, was für Auswirkungen die Pandemie für manche hat.“

200 Anrufe und 50 E-Mails täglich

Tafel-Helferin Evi Schaflitzl.

Das Telefon hat bei Eva Schaflitzl vergangenes Frühjahr durchgehend geklingelt. Über 200 Anrufe gingen täglich ein, dazu rund 50 E-Mails. Die 59-Jährige ist die Kontaktperson für neue Helfer – und das waren enorm viele. „Damit hätten wir gar nicht gerechnet“, sagt sie. „Die Motivation bei allen war riesig.“ Sie erfasste alle Kontaktdaten. „Wir hatten einen Fragenkatalog, um herauszufinden, wer geeignet ist“, erklärt sie. Viele Helfer sind dabei geblieben und engagieren sich noch immer. Eva Schaflitzl denkt gerne daran zurück, wie sie am letzten Tag in der Großmarkthalle war: Es lief ihr Lieblingslied „Hotel California“, überall war die Begeisterung zu spüren – ihr traten vor Rührung die Tränen in die Augen..

Wir sind eng zusammengewachsen

Tafel-Helferin Shauna Speck

Shauna Speck ist Stationsleiterin bei der Tafel in der Blumenau und in Milbertshofen. „Die Corona-Zeit war ein riesiger Lernprozess für uns, auch jetzt ist noch vieles anders“, sagt sie. Zum Beispiel gelte weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht und es werde Fieber gemessen. In der Großmarkthalle betreute die 62-Jährige unter anderem die Mitarbeiter, führte Namenslisten, sorgte dafür, dass der Abstand eingehalten wurde und wusch nach einem langen Arbeitstag daheim sogar noch die Schürzen.
Die Helfer wuchsen durch die Herausforderung noch enger zusammen, berichtet sie: „Wir sind wie eine Familie geworden.“Es wir

Es kommt der Gesellschaft zugute

Tafel-Helferin Tanja Waldner

37 Tafeln Schokolade zum 37. Geburtstag: Einen Teil der Überraschung spendete Tanja Waldner 2017 der Münchner Tafel – und blieb als Helferin dort. Jeden Samstag engagiert sie sich in der Großmarkthalle, auch in der Krise: Als dort Bedürftige aus der ganzen Stadt ihre Lebensmittel abholten, nahm sie die Gäste in Empfang und ihre Daten auf. „Am Anfang war es schon eine Umstellung, dass so viele Leute da waren“, sagt sie. Große Angst, sich zu infizieren, hatte sie nicht. „Es wurde Abstand gehalten, wir trugen Masken und Handschuhe und konnten uns zum Glück früh impfen lassen.“ Warum sie hier hilft? „Man spürt ganz nah, dass man etwas macht, was der Gesellschaft zugutekommt.“

Eine wirklich aufregende Zeit

Tafel-Helfer Hubert Kühling

Jeden Montag sorgt Hubert Kühling an der Philippuskirche in Giesing dafür, dass dort bei der Lebensmittelverteilung alles glatt läuft. „Corona war natürlich eine große Aufgabe für uns“, sagt er. „Aber wir haben es hingekriegt.“ Im Frühjahr 2020 kümmerte sich der 67-Jährige in der Großmarkthalle überwiegend um die Verteilung des Personals und den Einlass. Er erinnert sich an viele schöne Situationen: Zu Ostern zum Beispiel konnten die Helfer 30 000 Schoko-Hasen verteilen. „Wir haben auch kistenweise selbstgenähte Masken bekommen“, berichtet er. „Es war eine aufregende Zeit, jeden Tag haben hunderte Leute Waren abgeholt.“ Inzwischen ist alles etwas ruhiger und er leitet wieder die Giesinger Station..

Bei uns kam keiner zu kurz

Tafel-Fahrer Karl Roschewski

Am frühen Morgen fährt Karl Roschewski zu den Läden, um die Lebensmittel einzusammeln. „Für uns hat sich gar nicht so viel geändert“, erzählt er. Auch wenn zu Beginn in den Supermärkten einige Produkte, wie zum Beispiel Nudeln, Mangelware waren: „Bei uns ist keiner zu kurz gekommen“, betont der 61-Jährige. „Als die Gastronomie geschlossen wurde, haben wir auch von dort Lebensmittel bekommen, die ansonsten weggeworfen worden wären.“ Die letzten Monate waren zwar stressig, trotzdem will er den Job noch ein paar Jahre machen. „Solange ich mich bewegen und Kisten stemmen kann, bin ich dabei.“

Viele halfen ganz spontan

Tafel-Helfer Axel Markwardt.

Anfangs, erzählt Tafel-Vorstandsmitglied Axel Markwardt, war die Unsicherheit groß: „Aber uns war es wichtig, alles zu tun, damit die Lebensmittelausgabe nicht unterbrochen wird.“ Natürlich sei der Weg zum Großmarkt für manche Gäste schwieriger gewesen. „Aber die Ausgabestellen im Stadtgebiet sind teilweise beengt“, erklärt er. Masken und Abstand gehörten immer zum Konzept. „Ich bin am Anfang die ganze Zeit mit dem Meterstab herumgelaufen“, erinnert sich der 71-Jährige, „und viele Helfer haben gleich Stoffmasken genäht.“ Eines freut ihn besonders: „Es war schön, wie viele Menschen sich spontan bereit erklärt haben zu helfen.“

Fühlten uns immer sicher

Tafel-Helferin Ilse Lerch

„Ich stehe zum Glück auf der einen Seite vom Tisch und bin froh, nicht auf der anderen zu sein“, sagt Ilse Lerch. Seit zwei Jahren engagiert sich die 73-Jährige bei der Giesinger Tafel, auch während der Corona-Zeit blieb sie dabei. Drei Tage in der Woche war sie in der Großmarkthalle am Empfang. „Es war anstrengend, aber ich habe auch für mich persönlich viele Erfahrungen mitnehmen können“, erzählt sie. „Und es war interessant, einmal den Betrieb in der Großmarkthalle kennenzulernen und zu erleben, wie es dort wuselt.“ Sie betont, sich immer sicher gefühlt zu haben. „Fast alle Gäste waren sehr diszipliniert“, berichtet sie.

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