Die verzweifelte Suche am Pleisen

Münchner Physiker (42) verschwindet bei Skitour spurlos

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Physiker Stefan H. (42) absolvierte die Münchner LMU mit Auszeichnung.

Scharnitz/München - Seit dem Wochenende wird ein Tourengeher aus München (42) in Tirol vermisst. Er hatte auf die Pleisenhütte gehen wollen - und kam nicht an.

Seine Ehefrau, der Sohn (5) und die Tochter (3) warten in Laim auf den Papa: Seit Samstag ist Stefan H. (42) verschwunden – auf einer Skitour im Karwendel. Rettungsteams suchen fieberhaft nach ihm – doch die Hoffnung schwindet von Stunde zu Stunde.

Stefan H. ist ein Vorzeigemann: Der Physiker ist ein international gefragter Experte, er erstellt Studien über den Solarenergiemarkt. Auch Privat läuft alles bestens. Stefan H. ist verheiratet, hat zwei Kinder. Und sportlich macht ihm so schnell keiner was vor: Rennrad, Marathon oder Skitouren: Der Sportler nutzt jede freie Minute für die Fitness.

So auch am Samstag: Stefan H. brach mit seiner Frau zu einer Skitour zur Pleisenspitze bei Scharnitz in Tirol auf. Beim Aufstieg klemmte etwas an ihren Tourenschiern. Stefan H. ging alleine weiter, seine Frau fuhr zur Pleisenhütte. „Dort wartete sie auf ihn, doch er kam bis zur Dämmerung nicht an“, so Hüttenwirt Sigi Gaugg zur tz. Dessen Freunde, die gerade zu Gast waren, brachen auf in die Dämmerung, um nach Stefan H. zu schauen, doch keine Spur von ihm. Ein anderer Skitourengeher hatte ihn noch gegen 15 Uhr am Gipfel gesehen. Ein Helikopter stieg auf, nichts zu sehen, auch am Sonntag, als 30 Bergretter auf den Berg stiegen. Nebel und Schneetreiben behinderten die Sicht. „Möglicherweise ist er über einen Stein gestürzt, die sich im Schnee verstecken. Es liegt ja nicht viel Schnee“, so Hüttenwirt Gaugg.

Auch gestern stieg der Helikopter auf, brachte Retter an den Berg. „Es hat seit Samstag 40 Zentimeter geschneit. Wenn er irgendwo liegt, können wir ihn nicht sehen“, so Thomas Lehner von der Begrettung Scharnitz. Stefan H.s Ehefrau war Samstag und Sonntag bei der Suche dabei, sie wird jetzt von Psychologen betreut. Zwei Nächte mit Temperaturen von minus zehn Grad und Wind machen Lehner pessimistisch. „Die Wahrscheinlichkeit, dass er noch lebt, ist gering.“

Am Dienstag teilte Polizei-Einsatzleiter Christoph Kirchmair der deutschen Presseagentur dpa mit, dass die Suche nach einem erneuten Hubschraubereisatz am Montagnachmittag "vorläufig" eingestellt worden sei.

J. Welte, J. Heininger

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