Der Münchner Trambahn-Krieg

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So würde sie im Fahrbetrieb ausschauen, die neue Tram.

München - Seit gut einem Jahr stehen sie jetzt schon im Betriebshof. Acht neue Straßenbahnen, die MVG-Chef Herbert König nicht einsetzen darf. Einen Probelauf gab’s zwar, aber dann war auch gleich wieder Schluss. Lesen Sie hier den Grund dafür.

Die Regierung von Oberbayern als technische Aufsichtsbehörde (TAB) verweigert mit immer neuen Argumenten die Zulassung der sogenannten Variobahn des Herstellers Stadler. Weil die Genehmigung auch bis Jahresende nicht sicher erscheint, müssen die geplanten Fahrplanverbesserungen wahrscheinlich verschoben werden. Auf der Linie 12 kann’s sogar sein, dass Busse anstatt Trambahnen eingesetzt werden müssen.

Denn die MVG will auf alle Fälle die Neubaustrecke nach Sankt Emmeram in Betrieb nehmen. MVG-Chef König ist jetzt der Kragen geplatzt. In einer Presseerklärung bestreitet er die Fachkompetenz der Regierung von Oberbayern. König: „Ich bezweifle doch zunehmend, dass ein Mitarbeiter der TAB am grünen Tisch und ohne jegliche Betriebserfahrung alle Fragen im Zusammenhang mit der Betriebssicherheit besser beurteilen kann als Betriebsleiter und Techniker, die dafür speziell ausgebildet wurden.“

So sieht’s im Stellwerk Ost aus

So sieht's im Stellwerk Ost aus

Aber auch bundesweit schütteln Experten den Kopf: „Es ist ein Skandal, was in München abläuft“, sagt ein leitender Mitarbeiter des Herstellers zur tz. Züge dieser Art (bis auf Kleinigkeiten identisch) rollen bereits in Graz, Bochum, Bergen in Norwegen, Nürnberg und Potsdam. Zulassung ohne Probleme. Eine Stadler-Sprecherin zur tz: „Für Potsdam wurde die Zulassung im Juli beantragt, jetzt ist sie schon da.“

Warum gibt’s also in München die Probleme? Heinrich Schuster, Sprecher der Regierung von Oberbayern, sagt der tz: „Jede Stadt ist anders, das kann man nicht vergleichen“. Das gilt allerdings auch für die Behörden – die sind auch verschieden. In Nürnberg waren zum Beispiel Breiten-Tests für die Fahrbahn mit Farbspray okay – in München muss das dagegen genauestens berechnet werden.

Und: Obwohl die Variobahn leichter ist als Vorgänger-Modelle, muss die MVG die Tragfähigkeit aller 50 Brücken nachweisen. Kurios: Auf einem Tieflader dürfte die MVG die Züge ohne Probleme über die Brücke fahren. Ein weiteres Bürokratie-Beispiel: Wegen eines versetzten Haltewunsch-Tasters verlangt die TAB eine ausführliche „Änderungsauswirkungsanalyse“. Schönes Wort, oder?

K.H. Dix

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