13 Minuten in der Schneehölle

Münchner überlebt Lawinen-Drama: Kamera filmt alles

+
Sebastian Flad liegt mit gebrochenem Bein auf seiner Couch.

München - Sebastian Flad (27) ist von einer Lawine überrollt und von den Schneemassen begraben worden. Dass er noch am Leben ist, hat er der Hilfe seiner Freunde und seiner Sicherheitsausrüstung zu verdanken. Kurios: Das Unglück wurde gefilmt!

"Burschi, am 5. Januar feierst du in Zukunft Geburtstag“, sagten seine Retter zu ihm. Denn was Sebastian Flad (27) vor vier Wochen in den Ötztaler Alpen erlebt hat, grenzt an ein Wunder. Der Münchner Polizist wurde von einer Lawine überrollt und von den Schneemassen begraben. Dass er noch am Leben ist, hat er der Hilfe seiner Freunde und seiner Sicherheitsausrüstung zu verdanken. Kurios: Flad hat das Unglück mit seiner Kamera gefilmt! In der tz spricht der Snowboarder jetzt über den dramatischen Tag …

Sebastian Flad mit seinem Kumpel Pascal kurz vor dem Unglück.

Ein Bruch des Oberschenkelhalses, schwere innere Verletzungen, Prellungen – Sebastian Flad ist trotzdem noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Doch der Reihe nach: An jenem Montag herrschten perfekte Bedingungen. „Das Wetter war genial, der Schnee ein Traum“, erinnert sich Flad. Er und seine Freundin hatten zusammen mit zwei Kumpels bereits eine Woche Abfahrtsspaß hinter sich. „Es sollte ein lockerer Tag werden“, sagt der 27-Jährige. Am Vormittag war die Gruppe auf den Pisten des Skigebietes Obergurgl-Hochgurgl unterwegs. Gegen Mittag wagen sie dann den Ausflug in den Tiefschnee. Flads Freundin Christl macht es sich derweil in einer Hütte gemütlich. Sehen sollten sie sich erst wieder im Innsbrucker Krankenhaus.

Es herrscht Lawinenwarnstufe drei. „Wir waren vorsichtig“, betont Flad. Die Abfahrt führte sie durch das Königstal. Sebastian Flad fährt an dritter Position. Kurz vor einem Waldstück dann der Albtraum: Flad wird von einem 50 Meter breiten Schneebrett, das von oben herunterraste, erfasst und rund 300 Meter mitgerissen. Wie eine Welle brechen die Schneemassen über ihn herein. „Ich war wie gelähmt, konnte nicht einmal die Fingerspitzen bewegen.“ Der 27-Jährige wird von einer eineinhalb Meter dicken Schneeschicht begraben. Nach 30 Sekunden ist er bewusstlos. Seine Kamera filmt weiter. Das Bild ist schwarz, nur das rote Aufnahme-Licht seiner „GoPro“ blinkt.

Seine Freunde, die sofort einen Notruf absetzen, beginnen mit der Suche nach ihrem verschütteten Kumpel. Mit Sonden und dank seines Lawinenpiepsers ist Flad schnell geortet. Mit Schaufeln und bloßen Händen arbeiten sie sich vor. Drei Bergretter und ein Suchhund werden mit Helikoptern an den Hang geflogen. Erst nach 13 Minuten ist der Kopf freigelegt. Nach 22 Minuten ist er aus seinem eisigen Gefängnis befreit und wird mit dem Heli nach Innsbruck geflogen. Da ist Sebastian Flad schon wieder bei Bewusstsein. „Ich zitterte, hatte Schmerzen und konnte nicht sprechen. Im Kopf war ich aber klar.“ Seine Retter erklären ihm, dass er gestorben wäre, hätte man ihn nur drei Minuten später gefunden. Zumal seine Körpertemperatur schon auf unter 34 Grad gesunken war.

Im Krankenhaus beglückwünschten ihn die Ärzte. „Ich war verwirrt: Wieso gratulierte man mir?“ Anfangs sah er sich selbst als Opfer, vom Pech verfolgt. Vier Wochen danach denkt er jedoch komplett anders: „Ich hatte wahnsinniges Glück. Es hört sich komisch an, aber es ist alles perfekt gelaufen.“ Vor allem seine Sicherheitsausrüstung, bestehend aus Helm, Lawinenpiepser und Rückenprotektor, war so etwas wie seine Lebensversicherung. Flad mahnt jedoch trotzdem zur Vorsicht: „Unsterblich macht dich das Zeug auch nicht.“

Johannes Heininger

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion