Lilalu – pleite, aber nicht am Ende

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Lilalu ist pleite

München - Seit Montagmittag ist es amtlich: Lilalu ist pleite. Doch das muss nicht das Ende sein. Insolvenzverwalter Maximilian Breitling ist zuversichtlich, die Ferienprogramme des Vereins fortführen zu können.

Dass dem Verein, der mit Workshops und Mitmach-Angeboten allein in den vergangenen Sommerferien 5000 Kinder begeisterte, das Geld ausging, war kein Geheimnis. An vielen Ecken und Enden, vom Personal bis zur Abschluss-Urkunde, sei zuletzt gespart worden, berichten Eltern. Vor dem Jahreswechsel gab es dann auch noch eine Bettel-Aktion am Telefon.

Doch das reichte nicht: Sponsoren zahlten immer weniger, und zuletzt platzte auch noch eine offenbar mündlich bereits zugesagte EU-Förderung in „mittlerer sechsstelliger Höhe“, wie Insolvenzverwalter Maximilian Breitling berichtet. Als dann die Hausbank den Geldhahn abdrehte, mussten Vorsitzender Willi Wermelt und die Geschäftsführerin Anna Seliger beim Amtsgericht Insolvenz anmelden.

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Auch die Stadt hat ihre Fördermittel eingefroren. Direkte Finanzzuschüsse sowie die Personalkosten der Stadt-Angestellten Seliger summierten sich auf 131 400 Euro im Jahr. Die Bewilligung für 2012 sollte gestern erfolgen, wurde aber von der Tagesordnung genommen. „Es hat keinen Sinn, einen Zuschuss an einen insolventen Verein auszuzahlen“, sagt Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD).

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl übt indirekt Kritik an der Vereinsführung: „Ich muss irgendwann einmal erkennen, dass ich meine Einnahmen und meine Ausgaben irgendwie synchronisieren muss. So eine Pleite kommt ja nicht über Nacht“ . Doch auch Reissl ist bereit zu helfen, „wenn das in einem Verhältnis steht“.

Jutta Koller (Grüne) sieht das ein wenig anders: „Unser Hauptanliegen muss sein, das Angebot für die Kinder zu erhalten“, sagt sie. Auch die Kreativität, mit der Anna Seliger neue Wege eingeschlagen habe, dürfe nicht verloren gehen.

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Lilalu steht vor der Pleite

Auch Marian Offman (CSU) sieht die Stadt in der Pflicht: „Es wäre fatal, wenn es Lilalu nicht mehr gibt“, sagt er. Viele berufstätige Eltern, seien darauf angewiesen, ihre Kinder in der Ferienzeit betreut zu wissen. Insofern sei das Ferienangebot weitaus mehr als eine Attraktion für Kinder. Offman sieht sich durch zahlreiche Briefe von Eltern in dieser Auffassung bestätigt. Hilfe will allerdings auch er an Bedingungen knüpfen: Lilalu brauche „ein nachhaltiges Finanzierungskonzept“ und einen Manager, der Erfahrung mit einem Projekt dieser finanziellen Größenordnung habe.

Dieser Manager heißt vorläufig Maximilian Breitling und sieht die Zukunft von Lilalu gar nicht so düster. Das Faschings-Programm vom 20. bis 24. Februar in der Käthe-Kollwitz-Turnhalle, für das der Kartenverkauf läuft, hat der Insolvenzverwalter bereits freigegeben: „Das wird wie geplant durchgezogen“, versicherte er gestern. Über die Oster-Workshops werde noch diese Woche entschieden. „Ich bin heiß daran interessiert, die auch durchzuführen, und die Chancen stehen da ziemlich gut“, so Breitling. Über die Sommerveranstaltungen will er sich erst äußern, wenn er sich ein genaues Bild der Lage gemacht hat. Angestrebt ist jedenfalls „die Aufrechterhaltung aller Angebote für das Jahr 2012.“ Laut Breitling ist bereits ein potenzieller Investor in Gesprächen mit dem Verein. Er selbst steht in Kontakt mit Stadt, Hausbank und Förderern.

Breitling hat als Insolvenzverwalter neben diversen Firmen auch schon einmal einen Verein aus der Pleite geführt: den ESV Ingolstadt-Ringsee. Lilalu ist für ihn dennoch ein Sonderfall: Vergangenes Jahr hat sein Sohn an einem Sommer-Workshop teilgenommen, 2010 war Breitling bei der Abschluss-Gala dabei. Das Resultat: „Ein emotionales Interesse daran, dass dem Lilalu-Verein geholfen wird, weil ich die Werthaltigkeit dieser Angebote kenne.“

Peter T. Schmidt

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