Der neue Tunnelblick: MVG plant U-Bahn-Fernsehen

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Déjà-vu: Vor Jahren gab's schon mal U-Bahn-Schirme.

In jedem der 520 Wagen sollen bald mehrere Bildschirme Informationen, Unterhaltung und Werbung bieten.

Der Münchner U-Bahn steht eine multimediale Revolution bevor: Zuerst kommt diesen Sommer der Handyempfang im Untergrund (wir berichteten) – und nun will die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ihren Fahrgästen auch noch eine Art Fernsehen in der U-Bahn anbieten. Bis zu acht Monitore pro Wagen sollen die Reisenden informieren und unterhalten. Zudem soll der Fahrgast künftig schon in der Bahn sehen können, wann sein Anschlusszug fährt.

Es ist ein gewaltiges Unterfangen: Etwa 3 000 bis 4 000 Monitore will die MVG insgesamt in ihren 520 Waggons installieren. Ende dieses Jahres soll der Einbau beginnen. Jeder Wagen erhält dann voraussichtlich drei oder vier Bildschirm-Paare, von denen jedes zwei Funktionen erfüllt. Ein Bildschirm zeigt jeweils Fahrgast-Informationen, der andere "Infotainment" – eine Mischung aus Nachrichten, Unterhaltung und Werbung.

Die Fahrgast-Informationen könnten es den Münchnern bald leichter machen, ihre Reise im Untergrund zu planen. "Bisher helfen dem Fahrgast nur die Ansagen der Fahrer", sagt U-Bahn-Chef Günter Pedall. Das sei nicht mehr zeitgemäß. In einem ersten Schritt sollen die neuen Schirme jeweils die nächsten Haltestellen und Umsteigemöglichkeiten anzeigen. Später will die MVG das System so aufrüsten, dass es sogar dynamische Informationen ausstrahlt: Dann könnte ein Fahrgast, der die U-Bahn zum Marienplatz nimmt, schon im Zug lesen, in wie vielen Minuten dort die nächsten S-Bahnen abfahren. Wann es soweit sein wird, ist laut MVG aber noch nicht klar.

Gleich neben den Monitoren mit Fahrgast-Information sollen Infotainment-Schirme die Welt in die U-Bahn holen. Ähnlich wie die "Infoscreens" an den Bahnhöfen sollen sie die neuesten Nachrichten aus der Region und der Welt bieten, aber auch kurze Schmankerl – etwa Comic-Strips oder einen Spruch des Tages. Um Werbung kommt der Zuschauer auch beim U-Bahn-Fernsehen nicht herum: Bis zu 20 Prozent des Programms soll sie ausmachen – so würde sich das Projekt finanzieren. Derzeit sucht die MVG allerdings noch nach Firmen, die das Infotainment betreiben wollen. "Es haben sich mehrere Interessenten gemeldet, wir sind optimistisch", sagt Pedall. Und selbst wenn sich kein Betreiber für das Infotainment findet – die Fahrgast-Information wolle man künftig in jedem Fall bieten.

Ganz neu ist die Idee freilich nicht: Vor sieben Jahren gab es schonmal U-Bahn-Fernsehen in München – testweise in zwei Zügen. Das Problem: Damals ging der Betreiber pleite, die Monitore mussten wieder abgebaut werden. Doch Umfragen hätten gezeigt, dass das Tunnel-Fernsehen gut ankam, sagt Pedall. Deshalb wolle man den neuen Versuch wagen.

Johannes Patzig

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