Münchner spricht nach Unglück

Mein Freund starb nach dem Gipfelsturm

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Absturzopfer Fabian H. konnte alles am Berg: auch extreme Routen klettern

München - Dass Hans W. (19) noch lebt, grenzt an ein Wunder. Doch darüber freuen kann sich der Münchner nicht. Er hat Mittwochnacht am Ortler seinen gleichaltrigen Bergkameraden verloren. 

Dass er schon wieder daheim ist, noch dazu wohlauf, grenzt an ein Wunder. Doch freuen kann sich Hans W. (19, Name geändert) darüber nicht. In seine Stimme mischt sich tiefe Trauer: Mittwochnacht hat der Münchner am Ortler (3905 Meter) seinen gleichaltrigen Bergkameraden Fabian H. (19) verloren. Das Drama nach dem Gipfelsturm!

Hans und Fabian sind trotz ihres jungen Alters bereits versierte Bergsteiger. Deshalb reisen sie auch zeitig zum Ortler hin. Kurz nach vier Uhr beginnt der Aufstieg, alles verläuft planmäßig, doch dann nehmen sie versehentlich einen Umweg. „Wir haben da drei Stunden Zeit verloren“, erzählt Hans. Aber die beiden sind ja topfit, top ausgerüstet und sie schrecken auch vor extremen Touren nicht zurück. Also marschieren sie den Berg weiter hinauf. Sie erreichen den höchsten Punkt Südtirols gegen 21 Uhr und genießen oben kurz ihren Erfolg. Doch für den Abstieg reicht die Zeit nicht mehr. Die Freunde entschließen sich, unterhalb des Gipfels in einer Schneehöhle zu übernachten. Dort zieht zwar Nebel vorbei, und der Wind pfeift wie verrückt, allerdings erscheint das Lager zweckmäßig.

Hans: „Wir haben einfach nichts gesehen, auch eine Stirnlampe war kaputt. Deswegen gingen wir nicht zu einer Biwakschachtel weiter, die nur eine Viertelstunde entfernt lag.“ Warum nur verlässt Fabian nun plötzlich das Lager? Vielleicht, um eine windgeschütztere Stelle zu finden? Der junge Münchner kehrt jedenfalls nicht mehr zu seinem Kameraden zurück. Er war Hunderte Meter in die Minnigerode-Rinne abgestürzt und kam dabei ums Leben. Die Bergretter glauben, dass ihm eine Schneewächte zum Verhängnis wurde. Sie brach wohl unter seinem Gewicht und riss ihn mit in den Tod.

Für Hans will die einsame Nacht auf fast 4000 Metern nicht enden, noch weiß er nichts vom Schicksal seines Freundes. Er bleibt zwar vorerst im Notlager, aber vor Tagesanbruch macht er sich auf, um Hilfe zu holen. Ski, Steigeisen und Seil lässt er am Berg. Unfassbar: Beim Runtergehen kommt er jetzt selbst in alpine Notlage: Hans fällt 30 Meter tief in eine Gletscherspalte! Unten rappelt er sich auf – fast unverletzt, was für ein Glück. Mit dem Handy ruft er die Rettung.

Für die Einsatzkräfte, die ihn am späten Vormittag aus der Spalte herausholen, hatte der Sturz sogar etwas Gutes: Wäre er in der eingeschlagenen Richtung weitergegangen, wäre er der berüchtigten Ortler-Nordwand gefährlich nahe gekommen.

mc

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