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Münchner Volkstheater feiert 25. Geburtstag

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Es ist kein “Komödienstadl“ und schon gar kein “Ohnsorgtheater“ auf bayerisch: Das Münchner Volkstheater hat sich vom “aufmüpfigen Kind“ zu einer bundesweit anerkannten Experimentierbühne für junge Regisseure und Schauspieler gewandelt.

Von aufgepeppter bayerisch-deftiger Kost bis zu psychedelisch-grellen Stücken, vom “Räuber Kneißl“ bis zu Schiller und Shakespeare reicht die Bandbreite der städtischen Bühne, die am Samstagabend mit einer schräg-kabarettistischen Gala ihr 25-jähriges Bestehen feierte. Die erste Vorstellung am Volkstheater lief am 24. November 1983. Intendant Christian Stückl ließ das Theater aber schon einige Wochen vor dem Jubiläumstag kräftig feiern.

“Aus ihm dampft und raucht es, er ist ein schnaubendes Theatertier“, sagte Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers über Stückl, der das Volkstheater verjüngt und auf Erfolgskurs gebracht hat. Der “kreative Kettenraucher“ ist Spielleiter der alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele seiner Heimatgemeinde Oberammergau. Der 46-jährige gelernte Holzbildhauer inszenierte Theater, Opern und den “Jedermann“ in Salzburg (2002). Millionen Fernsehzuschauer sahen seine Inszenierung der Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2006 in München.

Und noch eine besondere Gabe hat Stückl. Er habe ein “untrügliches Gespür für Talente und Rohdiamanten“, sagte Küppers. Kaum spielten sich die jungen Talente in Stückls Ensemble ein, “werden sie von den Großen der Branche weggeschnappt“. Bekannteste Namen sind etwa Brigitte Hobmeier, die zu den Münchner Kammerspielen wechselte, oder Maximilian Brückner. Er spielt den Boandlkramer im erfolgreichen urbayerischen “Brandner Kaspar“ und macht inzwischen Karriere als “Tatort“-Kommissar.

Geprägt hat das Theater vor allem auch die langjährige Intendantin Ruth Drexel, die das Haus mit einer kurzen Unterbrechung von 1988 bis 2002 geleitet hatte. Die Schauspielerin und Regisseurin, vielen Zuschauern auch bekannt als Resi Berghammer aus der Fernsehserie “Der Bulle von Tölz“, hatte eng zusammen mit kritischen Volksstück-Autoren wie Peter Turrini, Felix Mitterer und Franz Xaver Kroetz gearbeitet. Nicht zuletzt konnte sich das stets finanziell klamme Theater immer auf eine ausgezeichnete Schauspielerriege stützen, zu der einst Gustl Bayrhammer, Beppo Brem, Helmut Fischer und Veronika Fitz gehörten.

1983 hatte das Volkstheater seine Pforten geöffnet - in einer Mehrzweckhalle im Haus des Sports. Die Premiere am 24. November 1983 war keine leichte Kost. Drexels Inszenierung von Karl Schönherrs Tragödie “Glaube und Heimat“ schrammte knapp an einem Skandal vorbei, als das Stück um die Vertreibung von Protestanten auf einmal die hitzige Nachrüstungsdebatte im Kalten Krieg aufnahm (“Wohin soll man emigrieren, wenn die Raketen stationiert werden?“).

Stückl setzte auf neu interpretierte urbayerische Volksstücke wie “Räuber Kneißl“, “Geierwally“ oder den fast immer ausverkauften “Brandner Kaspar“. Er gründete auch das Festival “Radikal jung“, das alljährlich seit 2005 herausragende Inszenierungen junger Regisseure aus dem gesamten deutschen Sprachraum in München präsentiert. Provozierend war das Volkstheater immer wieder. 2004 löste es mit einem Plakat einen Skandal aus. Es zeigte einen gekreuzigten Fisch, dem die Zunge heraushängt. Das Plakat wurde zurückgezogen.

So unterschiedlich das Repertoire ist, so gemischt ist auch das Publikum. Ältere Leute in Janker oder Anzug zieht es ebenso ins Volkstheater wie flippige junge Leute. Den Vogel schießt Stückl zur Geburtstagsparty selbst ab. Im Dirndl mit rosa Schürze beklagt “Landei“ Stückl in einer Singeinlage das Leid, keinen Mann zu finden. Am Ende bedankt sich Jesus höchstpersönlich bei ihm. Und bittet Stückl in aller Bescheidenheit, ob es bei den nächsten Passionsspielen 2010 nicht ein Happy End geben könne.

Quelle: DPA

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