Unfall bei Bergwanderung

ZDF-Filmemacher aus München stürzt in den Tod

Kufstein - Ein 73-jähriger Filmemacher aus München ist bei einer Wanderung im Tiroler Kaisergebirge in den Tod gestürzt.

Als Filmemacher für das ZDF und Autor war Wolfgang E. (73) an allen Ecken dieser Welt unterwegs: Wilder Westen, Südsee, Afrika, Asien, Australien. Mit seinen Beiträgen ist er zu einer der prägendsten Figuren des Senders geworden. Doch jetzt endete das Leben des Münchners wohl wegen einer kleinen Unaufmerksamkeit auf einem Wanderweg im Kaisergebirge. Dort ist er am Sonntag in den Tod gestürzt.

Wolfgang E. war gegen 15.50 Uhr mit seiner Frau (63) auf dem Abstieg von der Ritzaualm in Richtung Ebbs. Auf einem engen Steig-Abschnitt auf 1000 Metern Höhe muss er ausgerutscht und 100 Meter in ein mit Felsen durchsetztes Waldgebiet abgestürzt sein. Seine Frau war ein deutliches Stück hinter ihm unterwegs und hat den Unfall offenbar nicht mitansehen müssen, berichtet die Alpinpolizei. Die Bergrettung Kufstein konnte den Verunglückten, der vermutlich sofort tot war, nur per Seil an einem Hubschrauber aus dem unwegsamen Gelände bergen.

Wolfgang E., der 1940 in Berlin zur Welt kam, ist ein ZDF-Urgestein. 1967 volontierte er am Mainzer Lerchenberg, war später in führenden Positionen in den Redaktionen Kultur, Gesellschaft, Literatur und Kunst tätig. Ab 1976 leitete und moderierte er für zwei Jahre das Kulturmagazin aspekte. Danach widmete er sich als Autor und Regisseur verschiedenen Projekten und heimste zahlreiche, auch internationale Preise ein.

Seit seinem Ausstieg beim ZDF blieb er selbst im Rentenalter aktiv im Geschäft. Erst vor eineinhalb Jahren erschien nach einer Reihe von Sachbüchern sein Premieren-Roman „Die erste Frau“. Darin lässt er seine Protagonistin als Mann getarnt Ende des 18. Jahrhunderts die Welt umsegeln.

„Ich habe nicht nur die Hölle, sondern auch das Paradies kennengelernt“, heißt es in seinem 500 Seiten starken Werk. Ein Satz, der auch als Lebensmotto für Wolfgang E. stehen könnte. In einer seiner spektakulärsten Aktionen arrangierte er 1990 unter dem Motto „Speisen in dünner Luft“ eine Gipfel-Gala auf 6700 Metern Höhe im Himalaya.

Doch auch die kleineren Gipfel hatten für ihn eine besondere Anziehungskraft. „Er war ein leidenschaftlicher Bergsteiger und so oft es geht in den Alpen unterwegs“, sagt eine Nachbarin.

Als er am Sonntag in den Tod stürzte, herrschte in Tirol bestes Bergwetter. Wolfgang E. war laut Polizei zudem vorbildmäßig mit Wanderschuhen und Stöcken ausgerüstet. Es war tatsächlich eine einzige Sekunde der Unachtsamkeit, die den Weltenbummler in den nahen Bergen das Leben kostete.

S. Arbinger, S. Dorner

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