Münchner will Christbaum spenden

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Will der Stadt „einen ordentlichen Christbaum“ spenden: Karl Thomasser. Die Stadt wird das Geschenk des Münchners aber nicht annehmen.

München - Der krumme Christbaum auf dem Marienplatz sorgt länderübergreifend für Aufmerksamkeit: Die österreichischen Spender sind enttäuscht, der Münchner Karl Thomasser will 2012 ein schönes Exemplar liefern.

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Es ist nicht die schlimmste Bezeichnung. Und doch: „Eine Schande“ ist ein heftiger Ausdruck für die 27 Meter große, immerhin 120 Jahre alte Fichte, die seit einer Woche auf dem Marienplatz steht. Der Ausdruck stammt von Karl Thomasser. Der Unternehmer hat am Samstag einen offenen Brief an Tourismusamts-Chefin Gabriele Weishäupl verfasst. Darin schlägt er eine Lösung für die „Katastrophe ohnegleichen“ vor. Im nächsten Jahr möchte er einen Baum aus dem Sauerlacher Wald spenden. Der soll in einer Zeremonie in die Stadt gefahren und aufgestellt werden. Die 2500 Euro, die er für den Baum hinlegen müsste, sei ihm seine Heimatstadt wert, betont der gebürtige Münchner. Die Kosten für Transport und Aufstellung, mehrere Tausend Euro, will er durch Essensverkäufe zur Feier finanzieren – wie in Ramersdorf, wo der 70-Jährige den Maibaum spendiert hat. „Ein gelungenes Fest“ könnte das werden, ginge es nach Thomasser.

Geht es jedoch nicht. Denn für den Christbaum, der jährlich mit 3000 Birnen den Marienplatz überstrahlt, gibt es Vorschriften. Er muss etwa 27 Meter groß sein und gespendet werden. Und zwar nicht von Privatpersonen, unter anderem aufgrund der Baumschutzverordnung. „Jedes Jahr kriegen wir etwa fünf Angebote von Bürgern, die sich auf diese Weise ihrer Bäume entledigen wollen“, berichtet Hans Steindl vom Direktorium der Stadt München.

Die Bilder des neuen Christbaums

Die ersten Bilder: Der Christbaum 2011

Stattdessen dürfen Gemeinden aus Bayern und Österreich den Baum spenden – ohne eine Besichtigung der Bäume vor Ort. „Wir können uns den Baum nicht aussuchen“, erklärt Steindl. Das Direktorium geht jedoch davon aus, dass die Gemeinden einen schönen Baum aussuchen. Schließlich repräsentiert er sie, und sie nehmen mehrere Tausend Euro Transportkosten und eine Wartezeit von bis zu zehn Jahren in Kauf.

Das taten auch die Aschauer im österreichischen Zillertal. Bereits 2001 haben sie sich bemüht, mit einer Spende in München für ihr Zillertal zu werben. Heuer waren sie endlich dran. Den Baum haben sie sorgfältig ausgewählt. Er sollte keine Löcher im Geäst haben und gut erreichbar sein, denn Christbäume werden nicht klassisch gefällt, sondern gelegt, damit keine Äste abknicken. Bei der Größe muss der Transporter in der Nähe parken können. „Wir waren bemüht, den passenden Baum auszusuchen“, sagt Walter Schiestl, hörbar betrübter Leiter des Gemeindeamts in Aschau. „Dass beim Zusammenbinden der ein oder andere Ast abbricht, ist normal“, erläutert Schiestl. Die hat die Feuerwehr nach dem Aufstellen wieder befestigt – und übrigens nicht, wie vermutet, zusätzliche Zweige eingearbeitet, um den Baum aufzuhübschen.

Das Herumgemoser am Baum ist nichts Neues. Kritik gab es bereits letztes Jahr. Doch den Baum zurückzugeben, kommt nie in Frage. „Wenn er ankommt, ist es zu spät“, sagt Steindl vom Direktorium lakonisch. Und fügt an: „Es ist eben ein Naturprodukt.“

Dafür herrscht wenig Verständnis, weder in München, noch im Zillertal, wo hämische Anrufe aus Nachbarorten folgten. „Gefällt, um zu gefallen – doch er erregt nur eines: Missfallen“, fasste die „Tiroler Tageszeitung“ das Schicksal der Fichte zusammen. Gemeindeamtsleiter Schiestl ist entsetzt: „Mit so etwas hat keiner gerechnet. Unsere Euphorie ist zerstört.“ Das Einzige, was die Aschauer bei Laune hält: Sie haben Briefe von Münchnern bekommen, die sich für die Undankbarkeit ihrer Mitbürger entschuldigen.

Schiestl hofft nun auf den heutigen Freitag. Da wird er nämlich in München sein, um mit Bürgermeister Andreas Egger den Baum offiziell an die Münchner zu übergeben. „Da spielt auch die Kapelle und so. Da löst sich hoffentlich einiges auf.“ Außerdem vor Ort wird der Bürgermeister von Bad Bayersoien sein. Seine Gemeinde ist 2012 mit der Spende dran. „Der kann sich dann schon mal anschauen, wie das geht“, sagt Hans Steindl.

Lea Hampel

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