Stadt erwartet neues Rekord-Ergebnis

Die Münchner Wirtschaft brummt wie nie

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München meldet einen wirtschaftsrekord nach dem anderen.

München - Deutschland brummt wie seit Jahren nicht mehr, meldet das Statistische Bundesamt. Und weil München immer noch ein bisserl besser dasteht als der Rest der Republik, schwingt sich die Konjunktur in der Stadt zu Rekorden auf.

Aufschwung, Arbeit, Überschüsse: Das Land brummt wie seit Jahren nicht mehr, meldet das Statistische Bundesamt. Und weil München immer noch ein bisserl besser dasteht als der Rest der Republik, schwingt sich die Konjunktur in der Stadt zu Rekorden auf. Das neue Münchner Wirtschaftswunder!

„Die Konjunktur läuft gut. Es gibt keine Export­einbrüche bei Münchner Unternehmen“, sagt Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD). Vor allem an zwei Posten im Stadtsäckel lässt sich das ablesen – an der Gewerbesteuer auf den Ertrag der Unternehmen und an der Einkommensteuer der Angestellten, von der München einen Teil erhält. Zusammen bilden sie die wichtigsten Einnahmen der Stadt. Gut für sie, gut für die Bürger: Beide sprudeln über!

„Bei der Gewerbesteuer schaut es derzeit nach einem neuen Rekord aus“, sagt Wolowicz. 2011 zahlten die Unternehmen die Bestmarke von 1,9 Milliarden Euro an die Stadt, 2012 waren es 1,8 Milliarden. Heuer haben die Betriebe zur Jahresmitte schon 1,3 Milliarden überwiesen! Darum will der Stadtkämmerer nun seine Erwartungen nach oben schrauben – auf „1,9 Milliarden plus x“. So gut geht es den Unternehmen.

Auch die Arbeitnehmer stehen besser da als zuvor. „Die Tarifabschlüsse waren gut, die Arbeitslosigkeit geht zurück“, sagt Wolowicz. Bei der Einkommensteuer gab es 2012 die Rekordmarke mit 823 Millionen Euro. Für heuer erwartete der Kämmerer bislang 870 Millionen, jetzt rechnet er noch einmal mit 10 bis 20 Millionen mehr! Wenn – und das fügt der vorsichtige Kämmerer immer an – nichts dazwischenkommt.

Die gute Lage ist auch bei den Jobs spürbar. Zwar stieg die Arbeitslosigkeit im Sommer im Vergleich zum Vorjahr leicht an, bleibt aber in der Stadt bei sensationell niedrigen 5,1 Prozent: Das sind 39 469 Münchner ohne Job. Dabei ziehen immer mehr Menschen an die Isar – nicht alle mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche. Trotzdem verzeichnet die Arbeitsagentur immer noch fast 8000 offene Stellen, vor allem in den Bereichen Handel, Sozialwesen und Verkehr. Noch besser schaut es bei der Lehre aus: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze stieg um neun Prozent auf 11 132. Davon sind 4158 noch nicht besetzt, aber nur 2124 Schulabgänger suchen derzeit. Rein rechnerisch hat jeder Azubi zwei Stellen zur Auswahl. So gut ist München.

Der Metzger ruft

Da können sich alle Branchen eine Scheibe von den Metzgern abschneiden. „Die Betriebe stehen gut da und könnten mehr denn je ausbilden“, sagt Metzger und Landesinnungsmeister Georg Schlagbauer (41). „Aber es ist dramatisch: Ich habe heuer nach 13 Jahren keinen Lehrling mehr.“ Dabei könnte er zwei angehenden Fachverkäufer einstellen. Die Branche habe Imageprobleme, und in München würden die jungen Leute „von oben weggesogen“. Dabei gebe es flexible Arbeitszeiten und gute Aufstiegschancen, weil sich die Metzger immer breiter aufstellten – Stichworte: Events und ­Partyservice.

Wer kümmert sich um denNachwuchs?

München wächst. Das liegt an den Zuzüglern, die oft gutbezahlte Jobs finden. Und an den Babys, die sie wegen ihrer rosigen Aussichten bekommen. Im ersten Halbjahr wurden 7852 Münchner Kindl geboren – nochmal sechs Prozent mehr als im Rekordjahr 2012! Die Stadt kommt mit dem Kita-Bau kaum hinterher, vor allem aber fehlt es an Erziehern (wie auch an Krankenschwestern und Altenpflegern). 150 könnte die Stadt sofort als Springer einstellen. Das Einstiegsgehalt liegt bei 2222 Euro, plus 114 Euro München-Zulage, plus 29 Euro Stellenzulage. Ende des Jahres startet die nächste Fachkräfte-Kampagne.

BMW gibt Gas und sucht 200 Top-Leute

BMW fährt Rekord um Rekord ein. Zwar drückt das Geschäft in Europa auf die Bilanz, aber weltweit schaltet der Münchner Autobauer auf Turbo. Inklusive Juli hat BMW heuer schon mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge verkauft – plus 7 Prozent im Vergleich zu 2012! „Wir haben derzeit 200 offene Stellen“, sagt Personal-Sprecher Jochen Frey. Vor allem würden Mechatroniker als Maschinen-Instandhalter gesucht, aber auch Experten für die Autos der Zukunft – Leichtbau-Ingenieure, Elektrotechniker, Softwareentwickler. Bis 2020 will BMW das neue Forschungszentrum mit 15 000 Stellen bauen.

Wir sind die Unternehmer von morgen

Auch die Zukunft wohnt in München. Florian Thiel und Christopher Obereder (beide 21) entwickeln Apps – kleine Programme für Handys. Ihr neuester Streich ist „Friending“: Das Programm schlägt Nutzern anhand von Facebook-Profilen neue Freunde nach Entfernung und Übereinstimmung vor. „Ich spiele Golf und weiß, wie schwer es ist, Golfer in meiner Altersgruppe zu finden“, sagt Obereder (li. im Bild), der jetzt in Mailand BWL studiert, während Thiel an der LMU Medieninformatik lernt. Richtig Geld verdient haben sie damit zwar noch nicht – aber allein in den ersten Tagen haben schon 1800 Nutzer zugegriffen.

David Costanzo

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